Gedankenwuschel

Denk-Knubbel aus dem Leben eines Menschen mit großem Herz. Berichte über den ganz normalen Wahnsinn!11!

Mein direkter Kollege hatte vor zwei Wochen einen Herzinfarkt. Die Umstände waren gut und er kam rechtzeitig in die Klinik. Inzwischen hat er zwei Stents und ist wieder zu Hause. Es geht ihm vergleichsweise gut. Vermutlich wird er nun längere Zeit ausfallen, denn nach so einer Sache ist eine Reha angesagt.

Auch wenn es gut verlaufen ist, mache ich mir meine Gedanken darüber. Denn der Kollege ist rein körperlich kein typischer Kandidat für einen Infarkt. Er ernährt sich gesund, bewegt sich viel und seinen Lebensstil, ist eher ruhig und gesund.

Eine Ursache könnte die Arbeitsbelastung sein. Er hat auch die Eigenschaft, sich aufzuregen und in Dinge hineinzusteigern. In der letzten Zeit gab es viele Dinge, die er unnötig machen sollte und die für ihn besonders unbefriedigend waren.

Ein anderes Thema könnte die Coronaerkrankung sein, die er vorletzten Monat hatte. Eventuell hat sie den Infarkt begünstigt.

Egal, was die Ursache ist. Durch seinen Ausfall steigt die Arbeitsbelastung für mich.

#kollege #herzinfarkt #belastung

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Jetzt war ich nicht nur zwei Wochen krank, sondern bin auch dem Rat der Hausärztin gefolgt und habe mich um einen Therapieplatz für eine Verhaltenstherapie bemüht.

Der Idee dieser Empfehlung liegt zugrunde, dass ich in der Therapie meine Einstellungen, Ängste und Verhaltensweise verbessern kann. Um so mit den Attacken der Vorgesetzten besser umgehen zu können.

Das hört sich für mich sinnvoll an und schaden kann das sicher nicht. In der Phase meiner Arbeitsunfähigkeit habe ich fünfzehn Praxen angerufen und um einen Termin für eine Therapie gebeten.

Die meisten Praxen setzten einen Therapieplatz in vier bis acht Monaten in Aussicht. Bei manchen stehe ich auf der Warteliste und andere baten darum, erneut in einem Monat anzurufen. Einzelne konnten mir keinen Termin in Aussicht stellen oder akzeptieren nur Privatzahlerinnen als Klienten.

Eine Praxis rief mich nach ein paar Tagen zurück, um einen Termin mit einer Therapeutin für ein Vorgespräch zu vereinbaren. Dieses hat letzten Donnerstag stattgefunden.

Ich habe ihr die Sachlage, mein Leiden, die körperlichen Auswirkungen, meine Hypothesen und einen Hauch der Familiengeschichte erzählt. Sie hat sich vieles notiert und erste Hypothesen genannt, die stimmen könnten. Insgesamt hat sich das Vorgespräch gut angefühlt und sie bestärkte mich darin, die Dinge für mich aufzuschreiben und mit guten Freunden darüber zu sprechen.

Eine berechtigte Frage war: „Warum kommen Sie jetzt erst zu uns?“ Im Prinzip ist die Antwort auf diese Frage relativ simpel. Im Alltag ist es nicht so einfach festzustellen, dass die körperlichen Auswirkungen des seelischen Stresses auf diesen zurückzuführen sind. Und dann ist für mich nicht klar, wann das Glas voll genug ist, um den Schritt in eine therapeutische Praxis zu gehen. Insbesondere, wenn ich das noch nie gemacht habe.

Jetzt habe ich einen Therapieplatz in drei bis fünf Monaten in Aussicht. Ich bin gespannt.

#chefin #therapie #therapeutin

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Noch nie in meinem Leben habe ich mich aufgrund von psychischer Belastung oder psychischem Leiden krankmelden lassen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich viel mit mir selbst ausmache. Außerdem ist dieses „psychisch“ in meinen Gedanken, wie in Teilen der Gesellschaft seltsam besetzt und nicht als Erkrankung anerkannt.

Die Vorgesetzte hatte mich in den vergangenen drei Wochen mehrfach drangsaliert und gemobbt. Es war gut zu beobachten, wie mein Geist und Körper darauf reagiert. Neben dem Gedankenkarussell gab es Verspannungen in Nacken und Brustkorb, einen Hexenschuss, Unwohlsein, Augenentzündungen, Akne, depressive Phasen, Kraftlosigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen.

Natürlich habe ich versucht, Sachverhalte positiv zu sehen und mich abzugrenzen. Die Belastung für Geist und Körper war allerdings insgesamt zu hoch. Vermutlich, weil ich die Unzufriedenheit über die Situation auch nicht einfach so wegdenken kann. Zudem scheint mich die Nachrichtenlage und die Angespanntheit und Gereiztheit der Menschen allgemein zusätzlich zu belasten.

Dem Rat von Freunden und dem Bruder, mich mittels Krankmeldung zu erholen und mich um mich zu kümmern, bin ich jetzt gefolgt. Gestern war ich bei der Hausärztin und habe ihr die Problematik und die Auswirkungen geschildert.

Sie fragte direkt, ob ich die Situation bei der Arbeit in einer Form schnell ändern könne. Dies musste ich verneinen. Eine Unterstützung von Vorgesetzten ist nicht zu erwarten. Auch eine Änderung der direkten Vorgesetzten selbst ist nicht zu erwarten. Maßnahmen, die wir gemeinsam beschlossen haben, werden von ihr nicht eingehalten. Und ihr Handeln entspricht laut Aussage der Kollegen ihrem Persönlichkeitsbild. Sie geht in drei Jahren in Rente.

Ich könnte mich woanders bewerben.

Die Ärztin wollte mich daraufhin zwei Wochen arbeitsunfähig schreiben. Das wollte ich nicht. Es führt zu anderen Problemen. Wir einigten uns auf eine Woche. Sollte es mir dann nicht gut gehen, solle ich noch einmal in die Sprechstunde kommen.

Sie empfiehlt, die Zeit zu nutzen, um mir einen Psychologen zu suchen. Auch eine Verhaltenstherapie durch eine Psychotherapeutin wäre sinnvoll. Dies könne mir dabei helfen, zu erlernen, mit der Problematik besser umzugehen und die Belastung abzubauen.

#chefin #bruder #freunde #arbeit

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Gerade telefonierte ich seit Langem einmal wieder mit dem #Bruder. Seit dem Vorfall mit der #Waffe, die ihm an den Kopf gehalten wurde, scheint er eine Art Trauma zu haben. Jetzt gerade hat er ein Schreiben vom Gericht bekommen, dass er sich an die Person nicht annähern darf und einen hohen Geldbetrag zahlen soll.

Das hat ihn wieder sehr aufgewühlt und in seine negative und ausweglos erscheinende Gedankenspirale gebracht. Ich habe mir die Leier 20 Minuten angehört.

Jegliche Versuche ihn dazu zu bringen, sich professionelle Hilfe zu suchen, stießen bei ihm nur auf Gegenwehr. „Was soll mir ein Psychologe oder eine Beratungsstelle bringen? …“ „Niemand kann mir da helfen!“.

Auch mein Hinweis, dass ich weder Staatsanwalt noch Rechtsanwalt oder sonst etwas bin, brachten ihn davon ab, seinen Seelenmülleimer über mir auszukippen.

Das einzige, was ihn auf ein anderes Thema brachte, war der Hinweis, dass er mir nun 25 Minuten seinen Seelenmüll über mir ausgeschüttet hat.

Verschwurbelt, zweiter Teil

Der zweite Teil unseres Gesprächs ging es um die Weltlage. Man könne ja niemandem mehr trauen und Deutschland wäre selbst schuld an seiner Lage. Er könne Putin verstehen und der wäre gar nicht so, wie die Medien ihn hier beschreiben. Russland hätte auch ein Anrecht auf die ehemalige DDR. Er wüsste das ganz genau, er kenne einige Russen und hätte mit denen schon gesprochen. …

Ich habe das Gespräch nach einiger Zeit abrupt abgebrochen. Nachdem ich ihm zu verstehen gegeben habe, dass er Verschwörungserzählungen und russischer Ideologie aufliegt. Er wollte es nicht verstehen. Das führt zu nichts.

Das Schlimme ist: Die dunkle und kalte Zeit beginnt jetzt erst.

Vermutlich wird das psychisch ein sehr langer, zäher und zehrender #Winter.

Ich hoffe, niemand bleibt dabei auf der Strecke.

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Wie schon geschrieben, waren wir zum Familienessen zur Einschulung beim Griechen im Dorf.

Auf der Speisekarte online sah ich vorab schon, dass es für mich keinerlei vegetarische Hauptspeise gibt. Da ich schon sehr lange kein Fleisch oder Fisch mag, war mir klar, dass ich trotzdem hingehe und das irgendwie lösen werde. Zur Not gibt es einen Salat oder eine größere Vorspeise. Und die #Nichte kann nichts dafür, dass die Auswahl an Restaurants auf dem Dorf so eingeschränkt ist.

Nach einem kurzen Blick auf die Speisekarte vor Ort traf ich mich mit dem Koch persönlich. Ich erklärte kurz meine Essenswünsche und setzte mich wieder hin. Alles kein Thema. Ich bat darum, mir ein Hauptgericht ohne Fleisch oder Fisch zu kreieren. Zum Beispiel mit gegrilltem Gemüse, Fetakäse und Pommes.

Das funktionierte auch wunderbar. Ich bekam einen Teller mit gegrillten Zucchini, Aubergine, Paprika und einem Zaziki-Dipp. Die Pommes wurden vergessen. Dafür bekam ich von der Bedienung ein „zum Glück kein Veganer“ beiläufig und belächelnd zugeworfen. Die Pommes bekam ich von meiner Nichte, die nur die Hälfte ihrer Portion essen wollte.

Also satt wurde ich. Zufrieden war ich nicht. Das kam daher, dass ich von allen Seiten bemäkelt und belächelt wurde. Der #Bruder machte mein Essen herunter. Das sei ja nichts. Die Mutter begann abzufragen, ob ich wirklich kein Fleisch oder Fisch esse. Und das mit einzelnen Sorten. „Und was ist mit Hühnchen?“. Das ist nervig, damit kann ich mit Humor leben.

Was mich eher genervt hat, ist, dass sie es eigentlich wissen müsste. Ich esse seit 1996 nur noch in sehr seltenen und selbstbestimmten Fällen Fleisch oder Fisch. Sie müsste wissen, dass es mir wichtig ist und dass das nicht erst seit gestern ist.

Entweder interessiert sie sich nicht für mich, sie möchte sich aufspielen, der Alkohol macht sie gleichgültig, sie wird vergesslich, oder es ist eine Kombination aus mehreren Dingen.

Schade.

Warum dürfen sich Menschen, die Fahrrad fahren, sich vegetarisch ernähren, kinderlos leben, Teilzeit arbeiten … einfach anders leben, als der Standardmensch, immer noch ständig erklären?

#mutter #familie #enttäuschung

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Die jüngste Nichte wurde eingeschult. Der Zutritt zur Kirche und das Schulgelände war Geschwistern, Eltern und den Erstklässlerinnen und Erstklässlern vorbehalten. Dadurch trafen wir uns zum gemeinsamen Essen, beim Griechen.

Auf der Speisekarte online sah ich schon, dass es für mich keinerlei Hauptspeise gibt. Da ich ein flexibler, meistens gutmütiger Mensch bin, sah ich für mich kein Hindernis als vegetarisch lebender Mensch dort hinzugehen. Ich bekomme das schon hin.

Das Restaurant liegt etwa 15 Kilometer südlich meines Wohnorts. Ich fuhr mit der S-Bahn und ging den Rest des Weges zu Fuß. 25 Minuten Fußmarsch, der mir nicht geschadet hat. Öffentliche Verkehrsmittel sind hier eher rar.

Im Restaurant waren wir ein bunter Tisch, deren Teilnehmer sich die Nichte so gewünscht haben soll. Es waren ihre Mutter, ihr Vater, Oma, Opa, die Nachbarfreundin, die Tante, meine Halbschwester und ich, der Onkel. Mit den Partnern und Kindern waren wir insgesamt 18 Personen.

Der für 18 Personen reservierte Tisch war nicht gut genug – warum auch immer. Es gab wohl vor meiner Ankunft eine Diskussion deswegen. Der Bruder setzte sich durch und wir zogen an einen Tisch für 15 Personen um. Ging auch, auch wenn es recht eng war.

Das neue Schulkind war nicht sehr gesprächig, wirkte dennoch zufrieden. Möglicherweise auch wegen der Geschenke, die es zur Einschulung gab.

Die Atmosphäre am Tisch empfand ich als schwierig. Es wurde sich zurückgehalten, um nicht mit dem Bruder zu eskalieren. Dieser wirkte bestimmend, aggressiv und wenig einfühlend. Seine ältere Tochter hatte mit ihm zu kämpfen. Es war nicht schön, das zu verfolgen.

Ich bin mir sicher, dass er ein Medikament oder eine Droge eingenommen hat. Am Abend zuvor war er noch von Angst und Sorge geprägt, was alles bei der Einschulung passieren könnte. Heute war er „gestählt“. Quasi sozialdoping. Sehr unschön und anstrengend mit ihm. Ich habe mich nach dem Essen woanders hin gesetzt.


Zu Hause angekommen, ruft der Bruder an und beginnt sich direkt über einzelne Mitglieder der Familienfeier zu beschweren. Ich erkläre ihm, dass ich seine Beschwerden über andere Leute nicht hören will.

Er meine, er beschwere sich doch gar nicht und setzt neu mit Beschwerden an. Ich sage ihm erneut, dass ich Beschwerden nicht hören will und blocke ab. Er meint, jetzt hast Du es bei mir auch verspielt und legt auf.

Ich lache :–).

#nichte #bruder #familie #selbstschutz

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Ich habe mich beworben. Im gleichen Bereich der Firma. Eine Stelle, die zu meiner ursprünglichen Ausbildung und Berufserfahrung hervorragend passt. Ich habe die Stellenanzeige gelesen und war angefixt, jedoch noch nicht begeistert.

Es würde bedeuten, dass ich wieder Vollzeit arbeite. Und dass ich etwa 500 € netto mehr pro Monat bekommen würde, für 25 Prozent mehr Zeiteinsatz. Es würde mir ermöglichen, direkt unter der Leitung zu arbeiten und die Arbeit wäre eine interessante, die mich fordern würde. Doch ich bin noch immer nicht davon überzeugt.

Bewerben oder nicht

Der #Kollege sprach mich auf die Stelle an und ermunterte mich, mich darauf zu bewerben. Wer, wenn nicht ich sei auf diese Stelle bestens geeignet, hier im Haus. Und das empfahl er mir in dem Wissen, dass er mich in der Abteilung verlieren würde, wenn ich die Stelle bekäme.

Der #Vater ermunterte mich ebenso. Er sah für mich eine Möglichkeit, mich finanziell zu verbessern und eine Stufe nach oben zu rutschen auf der Karriereleiter.

Für mich wäre es eine Möglichkeit, die psychische Belastung und den Zugriff durch die direkte #Chefin zu lösen. Der Kollege geht in einem halben Jahr in Rente. Somit ist dieser Puffer und der Gegenpol ihr gegenüber dann weg. Die Belastung durch sie könnte weiter steigen.

Also alles gute Argumente, die für eine Bewerbung sprachen. Ich legte mich ins Zeug und warf meinen Hut mit perfekten Bewerbungsunterlagen in den Ring, was zu einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch führte.

Schließlich hatte ich nichts zu verlieren. Selbst, wenn sie sich für eine andere Person entscheiden, habe ich mich gezeigt und ein Zeichen gesetzt, dass ich weiterkommen möchte und bereit bin etwas zu verändern.

Davor

Ich habe mich vorab gut auf das Gespräch vorbereitet. Die Fragen waren weitgehend vorhersehbar und ich habe mit einem befreundeten Coach ein Übungsgespräch geführt. Mehrfach habe ich das Gespräch mit dem Spiegel und mir geübt. Meine Notizen in stark verkürzter Form hatte ich in einer Kladde beim Gespräch dabei.

Ein Fehler, den ich gemacht habe, war vorher arbeiten zu gehen. Konzentrieren konnte ich mich hier ohnehin kaum. Die Gedanken kreisten immer wieder um das Gespräch. Eine Stunde vor Gesprächsbeginn bekam ich Magenkrämpfe und die Chefin quetschte mich über den anstehenden Termin aus. Schließlich sprach ich mit ihr über die Bewerbung und das anstehende Vorstellungsgespräch. Sie war sehr neugierig und übte mit ihren Fragen zusätzlich Druck auf mich aus.

Das Gespräch

Ich hasse diese Art von Gesprächen. Ich sitze mindestens drei Personen gegenüber. Die Situation wirkt meist sehr künstlich. Auch wenn sich die Beteiligten schon kennen. Und ich bin immer aufgeregt.

So auch heute. Wahrscheinlich muss das so sein, in dieser Art von Firma. (Ich bekomme Lust, mich in anderen Firmenkonzepten zu bewerben.)

Ich saß fünf Personen gegenüber. Mein erster Eindruck von den Beteiligten war, dass sie nicht sehr motiviert sind – gar gelangweilt oder eingeschläfert wirken einige von ihnen. Insbesondere die Leitung. So als hätten sie nicht zwei Gespräche hinter sich, sondern einen ganzen Bewerbungsmarathon.

Mich irritierte zusätzlich, dass niemand ein Hemd oder für ein Vorstellungsgespräch passende Kleidung trug. Es wirkte nicht passend für solch eine Situation, in so einer Firma, für eine Stelle in dieser Gehaltsklasse. Es wirkte, als fehle die Ernsthaftigkeit.

Das Gespräch begann. Eine Vorstellung entfiel, da sich alle Beteiligten schon kennen. Es wurden die erwarteten Fragen gestellt und ich präsentierte das Vorbereitete. Es saß so gut, dass ich nicht einmal in meine Notizen schaute, trotz der Aufregung.

Trotzdem fühlte sich das Gespräch zäh an. An zwei bis drei Stellen stockte das Gespräch und ich konnte klären. Der Personaler bohrte weiter und ich verstand nicht, was sie hören wollten. Es ging um Beispiele für den in der Ausschreibung nicht näher beschriebenen Stelleninhalte. Ich versuchte es mit Beispielen, die ich aus dem Hut zauberte, brachte das Gremium zum Schmunzeln. Nach 20 Minuten war das Verhör beendet.

Ich habe nach dem Gespräch das Gefühl, fast alles gesagt zu haben, was ich sagen wollte. Trotzdem fühlte sich das Gespräch als nicht gut verlaufen an.

Natürlich habe ich mir im Vorfeld viele Gedanken über mögliche Stelleninhalte und Aufgaben gemacht. Anscheinend war das jedoch nicht das, was sie von mir hören wollten.

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass ihnen selbst noch nicht klar ist, welchen Umfang und welches Potenzial diese Stelle in der Firma hat. Auch dies ist ein Phänomen, das ich in dieser Art von Firma schon häufiger beobachtet habe.

Danach

Die Firmenleitung und die Abteilungsleitung riefen mich am Tag nach dem Vorstellungsgespräch zu einem Gespräch zu sich. Sie wollten mir das Ergebnis des Auswahlgremiums mitteilen.

Ich hätte mich nicht gut präsentiert. Das gesamte Auswahlgremium sei der Meinung gewesen, dass ich mich unter Wert verkauft hätte. Die Leitung erwähnte, sie hätte mich mehrfach schütteln können, weil sie wüsste, was ich drauf hätte und das nicht rübergebracht habe. Natürlich sei ihnen klar, welche Erfahrung ich mitbringe und dass ich hier in der Firma schon gut eingearbeitet sei. Das hätte ich mehr herausstellen sollen.

Sie hätte auch gemerkt, dass mir unwohl war und ich aufgeregt gewesen sei. Ihr ginge das früher auch so, mit solchen Terminen. Man könne das jedoch üben und sie werde mich nun verstärkt vor solche Herausforderungen stellen. Sie wüsste aus der Vergangenheit und der bisherigen Zusammenarbeit, dass ich wesentlich mehr auf dem Kasten habe.

Doch sie hätten sich für einen der anderen beiden Mitbewerber entschieden.

Die Leitung erwähnte, dass ich mich mit der Bewerbung nicht nur beworben habe, sondern auch etwas gezeigt habe. Es wurde versprochen, dass wir uns in dieser Konstellation in zwei Monaten noch einmal zusammensetzen werden. Sie erwarte dann die Zukunftsvision für meine Position in der Firma.

Am Ende des Gesprächs hat mich die Leitung in den Arm genommen und gedrückt. Es wirkte wie eine Entschuldigung. Ich war erneut irritiert.

Schlussfolgerungen

Diese letzte Geste passte als Abschluss wunderbar zum vorher gesagten, was ich der Leitung ebenso nicht abnehme. Und es ist eine Geste, besser als keine.

Es wirkte wie ein: Entschuldige, dass wir dich nicht nehmen. Du warst gut, aber wir wollten von vorneherein jemand anderen auf der Stelle haben. Dazu passt auch das fehlende Engagement im Vorstellungsgespräch und die Kleidung.

Wenn die Leitung, weiß, was ich kann und mich „so toll findet“, dann könnte sie mich auch einfach nehmen und müsste nicht so ein Laienspiel vollziehen.

Wenn die Leitung mich haben wollte, dann würde sie dem Gremium nach dem Vorstellungsgespräch einfach sagen: „Der ist es, den will ich haben!“. Dann würde das Gremium wahrscheinlich nichts dagegen sagen, auch wenn sie Bedenken hätten.

Es ist schade, dass die Leitung nicht den Mut hat, ehrlich mit mir zu sprechen.

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Ich konnte mich mit diesem Bewerbungsprozess zeigen und den Vorgesetzten mitgeben, dass ich mich weiterentwickeln möchte.

Nachdem ich mir das von der Seele und aus meinem Hirn geschrieben habe, kann ich ruhig schlafen, sowie mit einem Lächeln taktisch klug und mit bedacht in der Firma weiter agieren.

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Ich war heute mit dem Vater und der Schwester Essen. Das war wunderbar. Der Vater hat mich spontan letzte Woche dazu eingeladen. Die Schwester hatte die Idee dazu.

Wir haben fürstlich mediterran gespeist und viel gequatscht. Es war schön, beide zu sehen und zu sprechen. Wir haben uns in dieser Zusammensetzung schon lange nicht mehr gesehen. Ich hoffe, wir machen das öfter.

Vielleicht lade ich die beiden nach der Sommerpause zu einem weiteren Treffen ein.


Noch beseelt wieder zu Hause, ruft der Bruder an. Er weint und ist außer sich. Er erzählt mir, was passiert ist. Er wiederholt sich während des Gesprächs mehrfach. Ich sage ihm jedes Mal, dass er sich wiederholt. Insgesamt zähle ich vier Wiederholungen der Details.

Zusammengefasst wirft ihm eine ehemalige Sexpartnerin vor, dass er sie stalken würde. Die Polizei sei bei ihm gewesen und habe ihm das persönlich mitgeteilt. Ihn habe das aus allen Wolken gerissen, denn er habe schon seit Wochen den Kontakt abgebrochen und extra seine Telefonnummer geändert.

Möglicherweise rächt sich die Frau für seine Abweisung. Der Bruder hatte bei ihr schon im Vorfeld einen gewisse Verwirrtheit und psychische Eigenheiten festgestellt. …

Er steigert sich rein. So etwas passiere immer nur ihm. Er habe sich heute beim pflegebedürftigen Nachbarn engagiert und ihm geholfen. Und dann käme so etwas, wie ein Messer in den Rücken. Immer das Gute und das Schlechte zugleich. Ich erkläre ihm mehrfach, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Es kommt nicht bei ihm an.

Ich sage ihm, er soll sich nicht aufregen und schauen, dass er bald schlafen geht.

Er beginnt sich von Neuem reinzusteigern. Ich bestätige ihm, dass das wahrscheinlich genau das Richtige ist und dass er das ruhig noch ein wenig weiter machen soll. Weil ihm das bestimmt guttut.

Er legt auf.

Ich brauche jetzt einen Keks.


Nachtrag

Eine Stunde später ruft der Bruder erneut an. Er ist stark alkoholisiert und macht sich immer noch Gedanken, die sich im Kreis drehen. Nur schlechte Gedanken.

Ich beende zeitig das Gespräch und befehle ihm schlafen zu gehen.

#vater #schwester #bruder

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Der Bruder ruft an. Eigentlich wollte er sich erst wieder am Dienstag melden. Die Anrufe gestern habe ich nicht angenommen. Heute hebe ich ab.

Er bemerkt, dass ich nicht zu Hause bin. Ich erkläre ihm, dass ich in einem Café sitze und ein Buch lese. „Ein Buch!“, bemerkt er und legt mit seinen Themen los.

Er steigt gleich ein, was ihn beschäftigt und klagt über seine Ex-Frau. Es war ausgemacht, dass die Kinder oder zumindest eines davon heute zu ihm kommen soll. Die Mutter hatte sich kurzfristig anders entschieden, da es ihre letzte freie Woche in den Ferien ist. Er regt sich leicht auf, über ihre Wechselhaftigkeit und ihren Borderline. Nein, es sei eher Schizophrenie …

Ich habe keine Lust, weiter zuzuhören. Wie zuvor erwähnt: Ich sitze in einem Café und möchte mein Buch lesen. Ich frage ihn, warum er sich bei mir über die Ex-Frau beschwert.

Er flippt aus und wird laut. Er würde sich gar nicht bei mir über sie beschweren. Wie ich denn darauf käme. Er poltert weiter und beschwert sich anschließend lautstark wieder über die Ex-Frau.

Ich lächle und beende das Gespräch mit dem Hinweis, dass ich ihm da nicht helfen kann.

#bruder #exfrau #kinder

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Der Bruder hat entdeckt, dass er mich auch anrufen kann, obwohl ich Anrufe ohne Absenderrufnummer blockiere. Er nutzt den Messenger. Regt sich dann gleichzeitig auf, wenn ich seine Anrufe nicht annehme.

Wenn ich Zeit und Lust habe und die Anrufe bemerke, nehme ich sie an. Das könnte sich als Fehler herausstellen.

aufgestellter Mäuseknöddel

Er ruft an, um mir mitzuteilen, dass er sich die Fingerkuppe erneut abgeschnitten hat. Ich entgegne ihm, dass er aufmerksamer sein muss.

Er wird laut und flippt aus. Anscheinend wollte er das nicht hören. Warum ich sage, dass er aufpassen solle. Das hätte er getan. Er rechtfertigt sich lautstark, warum er nicht schuld an dem Problem ist. Zwischen den Zeilen höre ich, dass ich nicht der Erste bin, der ihm gesagt hat, dass er aufpassen muss.

Er führt sich auf wie ein aufgestellter Mäuseknöddel. Ein anderer Begriff fällt mir für seinen Zustand gerade nicht ein. Möglicherweise will er bemitleidet und bemuttert werden. Nicht, dass ihm jemand sagt: „Selbst Schuld!“. Diesen Gefallen tue ich ihm nicht.

Der Nachbar

Wir kommen im Gespräch über die zu scharfe Friseurschere auf den Nachbarn. Ihm hat er die Haare geschnitten. Ich stelle fest, dass er sich erneut mehr um andere kümmert, um sich nicht um seine Themen kümmern zu müssen.

Jetzt regt er sich über die Betreuerin des Nachbarn auf. Sie will ihm nicht die Kundenummer des Telefonvertrages geben. Sein Wunsch ist, für den Nachbarn den Telefonvertrag zu kündigen und einen neuen abzuschließen. Er poltert. Der Nachbar könne zehn Euro pro Monat sparen. Ich rolle mit den Augen.

Ich sage ihm, dass es nicht sein Auftrag und seine Aufgabe ist, andere Leute Dinge zu regeln. Er ist nicht der Betreuer des Nachbarn. Er bekommt kein Geld dafür. Das will er nicht hören. Es tue ihm weh, wenn man etwas optimieren könne und die Betreuerin sich nicht bewege. Ich sage ihm, dass er sich mit der Betreuerin gut stellen muss, wenn er etwas erreichen möchte.

Ich bin das Problem

Ich sage im Gespräch einfach gar nichts mehr. Denn alles, was ich sage, ist aus seiner Sicht schlecht und wird rigoros widersprochen. Es hat gar keinen Sinn, mit ihm zu sprechen. Er möchte nur seine Meinung bestätigt bekommen.

Ich habe keine Lust darauf. Er bemerkt vorwurfsvoll, dass ich gar nichts mehr sage. Ich erkläre es ihm. Er will es nicht verstehen und wirft mir weiter vor, dass ich die ganze Zeit schon so komisch sei. Ich hatte es nicht anders erwartet und bin froh, dass wir das Gespräch beenden.

Ich denke darüber nach Anrufe per Messenger auszuschalten.

#bruder #nachbar #selbstschutz

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