Krankmeldung

Noch nie in meinem Leben habe ich mich aufgrund von psychischer Belastung oder psychischem Leiden krankmelden lassen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich viel mit mir selbst ausmache. Außerdem ist dieses „psychisch“ in meinen Gedanken, wie in Teilen der Gesellschaft seltsam besetzt und nicht als Erkrankung anerkannt.

Die Vorgesetzte hatte mich in den vergangenen drei Wochen mehrfach drangsaliert und gemobbt. Es war gut zu beobachten, wie mein Geist und Körper darauf reagiert. Neben dem Gedankenkarussell gab es Verspannungen in Nacken und Brustkorb, einen Hexenschuss, Unwohlsein, Augenentzündungen, Akne, depressive Phasen, Kraftlosigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen.

Natürlich habe ich versucht, Sachverhalte positiv zu sehen und mich abzugrenzen. Die Belastung für Geist und Körper war allerdings insgesamt zu hoch. Vermutlich, weil ich die Unzufriedenheit über die Situation auch nicht einfach so wegdenken kann. Zudem scheint mich die Nachrichtenlage und die Angespanntheit und Gereiztheit der Menschen allgemein zusätzlich zu belasten.

Dem Rat von Freunden und dem Bruder, mich mittels Krankmeldung zu erholen und mich um mich zu kümmern, bin ich jetzt gefolgt. Gestern war ich bei der Hausärztin und habe ihr die Problematik und die Auswirkungen geschildert.

Sie fragte direkt, ob ich die Situation bei der Arbeit in einer Form schnell ändern könne. Dies musste ich verneinen. Eine Unterstützung von Vorgesetzten ist nicht zu erwarten. Auch eine Änderung der direkten Vorgesetzten selbst ist nicht zu erwarten. Maßnahmen, die wir gemeinsam beschlossen haben, werden von ihr nicht eingehalten. Und ihr Handeln entspricht laut Aussage der Kollegen ihrem Persönlichkeitsbild. Sie geht in drei Jahren in Rente.

Ich könnte mich woanders bewerben.

Die Ärztin wollte mich daraufhin zwei Wochen arbeitsunfähig schreiben. Das wollte ich nicht. Es führt zu anderen Problemen. Wir einigten uns auf eine Woche. Sollte es mir dann nicht gut gehen, solle ich noch einmal in die Sprechstunde kommen.

Sie empfiehlt, die Zeit zu nutzen, um mir einen Psychologen zu suchen. Auch eine Verhaltenstherapie durch eine Psychotherapeutin wäre sinnvoll. Dies könne mir dabei helfen, zu erlernen, mit der Problematik besser umzugehen und die Belastung abzubauen.

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