Write #fimidiverse

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from LindKernig

Kein Körper, Geburt und Tod absolviert, kein Zeitempfinden, was nicht stimmt, was aber dennoch stimmt, keine Vergangenheit, aber die Erinnerung an Vergangenes, keine Zukunft, aber die Hoffnung darauf. Und auf Körper und echte, empfindbare Zeit. Es gibt nur noch ewige, dröge Gegenwart und einen impertinenten Mangel an Geschichten, jene Art Mangel, die einem frech wie ein böser Clown ins Gesicht grinst. Ich jammere. Es gibt nicht viel zu tun, wenn du einmal in die Existenz integriert bist. Keine Wege, die es zu gehen gäbe, nichts Unbekanntes, das es zu expeditieren gäbe. Wir drehen uns auf Ewigkeit im Kreis. Unser Leben, entschuldigung, wir sind ja Tote, unsere Existenz besteht aus Wiederholung einer begrenzten Vielzahl ein und des Selben. Wieder und immer wieder. Wieder ein Spaziergang am Meer. Wieder eine Fahrradreise rund um eines der Länder der einstigen Erde. Wenn es endet, kann es nur von Neuem ablaufen. Aber verändern wird sich nichts. Das ist keine Zukunft. Nein, das stimmt nicht, sagt Karla, es gibt eine Zukunft, sagt sie zuversichtlich, es kann sich nicht für immer alles im Kreis drehen und wiederholen. Ich widerspreche ihr dann und sage, sieh doch hin, wir drehen und drehen und drehen, wie sollen wir denn irgend etwas verändern. Dazu bräuchte man Arme, Beine, die Werkzeuge bedienen können, die laufen können, wir jedoch drehen nur noch wie in einem kollektiven Riesenhirn, wir sind nur noch die Erinnerung an unsere Selbsts, die wir einmal waren. Ich weiß nicht, wann es begonnen hatte zu kippen, wann die ersten Stimmen in der Kolonie laut wurden, dass wir uns transformieren müssen. Sicher war zu einem guten Teil die traumatische Erinnerung, wie es mit der Erde zu Ende gegangen war, schuld. Und die Mahnung, dass sich das auf dem Mond nicht wiederholen darf. Weshalb Körper und alles Physische aus dem Dasein verbannt wurden. Per grunddemokratischer Entscheidung. Ich und Karla waren einige der wenigen, die dagegen waren, alle Körper aus der Kolonie zu entfernen, alles was nur irgend etwas Echtes, etwas Physisches und etwas Haptisches hätte bewegen können und Zerstörung leisten können, zu eliminieren. Wir wurden überstimmt und mussten uns in dieses Schicksal fügen, denn so funktioniert nun einmal dieses uralte Modell menschlichen Zusammenlebens, das man Demokratie nannte. Schon mit Körpern und noch am Leben war das Existieren auf dem Mond nicht einfach. Wir Ikositetrials, die 24. Jahrhundert-Generation, die wir noch auf der Erde geboren waren und denen die Flucht gelang, hatten gegenüber denjenigen, die schon einige zig Jahre auf dem Mond lebten, die die geringe Schwerkraft quasi mit der Muttermilch aufgesogen hatten, schon immer Schwierigkeiten. Wir fremden Dinosaurier, wir. Auch mit den äußeren gegebenheiten, der Enge, der Strahlung und insbesondere mit der Schwerkraft war es nicht leicht. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man seine Körpermasse mit vierfachem Druck auf der Erde bewegt oder mit dem normalen Druck auf dem Mond, der nur etwa ein Viertel des Gewichts auf der Erde spürbar macht. Ich kam mit achtzig irdischen Kilogramm mit der allerletzten Fahrt von der Intersektion zum Mond, nachdem ich dort einige Wochen in Quarantäne, meist in Schwerelosigkeit verbracht hatte. Also mit Ich meine ich meinen einstigen Körper. Nun wiege ich ja nicht mehr. Ohne Körper kein Gewicht, pflegt Karla immer zu frotzeln. Dann schiebt sie sich einen virtuellen Himbeerkuchen rein und noch einen und noch einen kostet ja nichts, bzw. es ist ja immer der selbe oder es ist egal oder es ist nur die Illusion von Himbeerkuchen und sie denkt nur sie isst und sie wird fett, aber man kann es nicht messen, und schmecken kann man es nur als Erinnerung, wenn man denn das Glück hatte, dass man im körperlichen Leben einmal ein Stück Himbeerkuchen essen durfte. Vielleicht auch stelle ich mir nur vor, Karla esse den Himbeerkuchen wieder und wieder und eigentlich gibt es gar keinen Himbeerkuchen? Manchmal ist es zum Verrückt werden in der Existenz, wenn es nicht gelingt sein eigenes Ich, der Schatten, der einem geblieben ist, von den anderen ichs abzugrenzen. Karla und ich sind Freunde, Vertraute, kein Liebespaar. Wir lernten uns auf dem Sterbebett kennen und ich mutmaße, ich wäre längst verrückt geworden, wenn wir uns nicht kennen gelernt hätten, wenn wir uns nicht hätten. Ohne Körper kein Gewicht, pflegt Karla stets zu sagen, wenn sie Himbeerkuchen ist. Sie nennt es 'Legnern' (Link), in Anspielung auf ein Meme aus der digitalen Frühzeit, das neben einigen wenigen anderen Informationen in die Monddatenbank gerettet werden konnte. Unser Dilemma ist, dass dieses 'Legnern' so wenig ist, sagt Karla. Wir hätten eigentlich viel mehr Information gebraucht. Das frühe digitale Netz war unheimlich reich und frei, wenn wir alles von damals abgespeichert hätten, könnten wir hunderte, tausende Jahre in der Existenz verbringen, ohne dass sich auch nur irgendetwas wiederholt. Dabei 'legnert' sie genüsslich ihr Stück Kuchen. Konnte ja niemand ahnen, dass es so extrem langweilig wird, wenn niemand mehr neue Geschichten, Memes, Informationen jedweder Art beisteuert zur Existenz. Konnte ja niemand ahnen, das wir etwa zehntausend Wesen, die sich erfolgreich in die Datenbank retten konnten, mit dem kleinen Datenbestand verschmelzen, miteinander verschmelzen, uns gleichzeitig aber auch abgrenzen müssen, um nicht durchzudrehen. 'Erfolgreich transformiert' ist ja auch so ein Unding aus den Werbeprospekten der Dekorporationsfanatiks. Bei vielen ging die Dekorporation mächtig schief. Ganz arme Teufel, die ein völlig orientierungsloses Dasein fristen, digitale Zombies, seelenlos wandelnde Etwase zwischen den Tabellen. ID-Loser. Wohl dem, der ihnen nicht begegnet, denn das kann recht schnell in einer argen Endlosschleife, einem nimmer endenden Horrortrip enden und man weiß ja wie sich das anfühlt, wenn sich alles immer wiederholt. Dann schon lieber 'legnern' auf Teufel komm raus. Kann einem nichts schaden. Karla und ich hatten jedenfalls die Dekorporation in die Existenz schadlos überstanden. Ich sehe uns noch Hand in Hand vorm Krematorium stehen, wie wir unseren Körpern adieu sagten, die mit den letzten Sauer- und Wasserstoffvorräten der Station in Asche verwandelt wurden. Es gibt nichts mechanisches mehr auf dem Mond. Es gibt auch keine Elemente mehr, die für so etwas wie Stoffwechsel nötig wären. Dafür hatte der Rat gesorgt. Kein Sauerstoff, kein Körper, keine Roboter, nichts, mit dem es einem gewillten Funken, der die Existenz wieder verlassen möchte, auch nur annähernd möglich wäre einen sprichwörtlichen Hebel in Bewegung zu setzen, einen Knopf zu drücken, einen Sensor auszulösen und so driften wir durch unsere Existenz auf alle Zeit, die nun keine mehr ist, die nie eine war. Hey, bis zu einem gewissen Grad, stellte einem sich diese Art zu sein vor vierhundert Jahren noch als ewiges Leben dar, das Leben im Moment, auch pure Gegenwart genannt. Wie naiv die Menschen in der frühdigitalen Zeit doch waren, wenn sie nur wüssten, wie es sich anfühlt, diese ewige Gegenwart, sie würden einen großen Bogen machen, um den Versuch, sie zu erlangen. Die Goldenen 10100er Jahre des dritten Jahrtausends. Ha! Natürlich haben wir noch Erinnerungen. Natürlich können wir noch Dinge erleben. Natürlich gibt es Freude und auch Leid gibt es, aber keine Ungerechtigkeit, kein Unglück, keine Tragödien. Es gibt aber nichts, was nicht berechnet werden könnte. Wir sind nur noch die Spitze des Eisbergs alles Fühlbaren. Manchmal versuche ich, einen Gegenpol zu erzeugen, indem ich Karla widerspreche und wir geraten dann recht flott in eine Widerspruchsschleife, die sich wie ein Möbiusband ineinander windet, kein Entrinnen. Was erhoffe ich mir davon, wenn Karla sagt, es wird eine Zukunft geben, und ich gegenhalte, es gibt keine Zukunft. Vielleicht dass die Macht des Algorithmus gebrochen wird? Dass es ein Entrinnen gibt? Dass sie recht hat? Dass von irgendwo sich ein Körper auftut, in den wir schlüpfen können und neues Erleben. Ha! Gaube ich nicht doch insgeheim daran, dass es weiter gehen wird, statt sich ewig zu wiederholen. Also doch eine Zukunft? Und wenn du, wer immer du bist, dies liest, ich weiß nicht, in welcher Zeit du es lesen wirst, ob du verstehst, wovon ich rede. Sei gewarnt, es ist ein individuelles Bild eines Rests Verstand, der sich in einer mikroskopisch winzigen Datenbank auf einer Art programmiertem Sandkorn befindet, zehntausend Seelen sind wir und ein paar zig Terrabyte Information aus einem für uns längst vergangenen Jahrhundert, sowie dem Wenigen, was die zehntausend Seelen (außer den digitalen Zombies (und selbst die tragen in ihrem Wahn sicher auch Informationen mit sich, wir können sie nur nicht verstehen) mitgebracht, miterlebt haben). Ich darf hier nicht nörgeln. Es geht mir doch gut. Es könnte schlimmer sein. Ich könnte gar nicht mehr existieren, so wie wir es in der Schule einst lernen: Nach dem Tod kommt nichts mehr. Nur noch Dunkelheit, kein Gefühl, kein Gedanke, kein Körper. Und nun ist es doch so gekommen, dass es wenigstens noch Erinnerungen an uns selbst gibt, keine echten Gefühle, aber Erinnerungen daran. Gefühle der zweiten Ebene sozusagen. Die paar zig Terrabyte aus dem einst irdischen Museum für digitale Frühgeschichte sind unere einziger Trost. Ablenkung, Unterhaltung, die sich aber abnutzt im Laufe der Zeit. Karla und ich hatten versucht, den Rat zu überzeugen, dass wir versuchen, das alte Archiv auf der Erde anzuzapfen und uns den Rest der Erde in die Existenz zu kopieren. Das würde uns, wenn wir es in Zeit messen, etliche Jahrtausende Freude bringen. Es wäre eine unglaublich reiche Datenbank, die wir als Beute ins Körperlose mitnehmen könnten und in der wir unsere Expeditionen nach Herzenslust gestalten könnten. Der Rat machte unmissverständlich klar, dass das nicht geht, denn dazu müsste man physisch tätig werden, bräuchte zumindest einen Roboter, der sich zur Intersektion durchschlägt und die Verbindung repariert. Und letztlich bestünde ein viel zu großes Risiko, die Existenz zu verunreinigen. Selbst zu echten Lebzeiten war es vielen klugen Leuten nicht gelungen, das Archiv aus dem Museum für digitale Frühgeschichte in die Dependance auf dem Mond zu übertragen. Obschon meine Großmutter mit ihrem kleinen Team es fast geschafft hätte. So bleibt uns das Wenige, was vor dem Zusammenbruch noch kopiert werden konnte. Eine Handvoll privater Blogs der 10100er Jahre und viel Gezwitscher und Getröte einer ganz und gar durchschnittlichen Schar von Menschen, die damals aktiv im Internet unterwegs waren. Sowie ein ganz besonderer Schatz ...

Last Exit: Leben im Lied

... nämlich Musik. In der Datenbank findet sich ein repräsentativer Mitschnitt der Musik jener Zeit, die wir die digitale Frühzeit nennen. Das ist pure Magie. Ich kann Tage, Wochen, Monate verbringen – ich sage das jetzt einmal so, ich empfinde ja keine Zeit mehr), Zeit ist nur eine grobe Einschätzung dessen, was sie einmal war – Tage, Wochen und Monate kann ich in einem Lied leben, das mir gefällt. Das nunja, ich wiederhole mich, ich fühle es zwar nicht, aber es kommt der Sache des Fühlens doch recht nahe, es fühlt sich also gut an. Manchmal stelle ich mir vor, es landen Außermondische in der Kolonie und sie finden die Existenz und sie starren durch ein Mikroskop auf dieses winzige Stück Information. Aber wahrscheinlich würde sie uns nicht bemerken. Vielleicht würden sie uns einatmen oder verdauen, vielleicht aber auch, tja, wenn sie uns erkennen könnten, vielleicht könnten sie uns befreien. Wenigstens Karla und mich ...

 
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from Sofasophia schreibt

Kapitel neun

Sie muss eigentlich nur kurz in die Apotheke, um ihre Handschiene abzuholen, die ihr dabei helfen soll, die Schmerzen in der Hand zu reduzieren. Und in die Bäckerei. Dieses Draußen-mit-Menschen-Sein schnell hinter sich zu bringen ist ihr Plan. Außerdem ist der Morgen eigentlich nicht so ihre Tageszeit.

Die Bäckereiverkäuferin verabschiedet sich gerade von einem alten Herrn. Es sei ihr letzter Arbeitstag heute, sagt die Frau hinter dem Tresen. Sie gehe nun in Pension!, erzählt sie ihm. Er reicht ihr die Hand, bedankt sich für alles und wünscht ihr alles Gute.

Während sie wartet, überlegt sie, ob es angemessen ist, wenn sie der Verkäuferin ebenfalls alles Gute wünscht und als sie das Brot und die Croissants bezahlt, tut sie es. Ich hoffe, das ist in Ordnung, wenn auch ich, die ich Sie kaum kenne, alles Gute für Ihre Pension wünsche, sagt sie und die Frau hinterm Tresen strahlt über das ganze Gesicht.

In der Apotheke wird sie von einer sympathischen jungen Frau bedient, die sie zur Anpassung der Orthese ins Sprechzimmer bittet. Beide sind ein bisschen überfordert von diesem Ding da im Karton und nur weil sie ein bisschen mehr Lebenserfahrung hat, weiß sie, wie das Ding wohl richtig angezogen wird. Sie gibt es aber erst zu, nachdem die Pharmaassistentin es ihr zuerst verkehrt herum anziehen will. Die Frauen lachen und am Schluss sagt sie: Jetzt haben wir beide etwas gelernt. Wieder lachen beide. Das tut gut.

Auf dem Heimweg fährt sie mit dem Fahrrad an einem Gemüsestand vorbei. Den hat sie hier noch nie gesehen. Kein Wunder, sie ist ja auch nie am Samstagmorgen im Dorf. Oh, und dann erst noch Biogemüse! Sie hat zwar schon für diese Woche eingekauft, aber weil sie auf einmal so gute Laune hat, kauft sie doch ein paar Sachen und erkundigt sich nach den Öffnungszeiten. Gute Sache!, denkt sie, da kauf ich jetzt öfters ein. Das Gemüseangebot ist breit und die Preise sind in Ordnung.

Langsam, denkt sie auf dem Rückweg, langsam werde ich wieder ein soziales Wesen. Nach den Rückzugjahren vielleicht kein schlechter Anfang.

 
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from lebenszeitverschwendung

Derzeit beschäftige ich mich viel mit mir selbst. Vielleicht etwas zu viel, das ist ganz schön einnehmend, anstrengend und bringt mich bei der Lösung der tatsächlichen, real-weltlichen Probleme in meinem Alltag kein Stück weiter, aber es fühlt sich richtig an. Richtig und notwendig. Ich tue das ganz gezielt und auf eine recht strukturierte Weise: Ich tippe meine alten Tagebücher ab. Damit habe ich vor ein paar Wochen angefangen und jetzt ist es gerade meine hauptsächliche Beschäftigung. Natürlich schaffe ich nicht so viel, wie ich mir vornehme, es ist eine mühselige und emotional anstrengende Tätigkeit. Und es ist viel zu tun. Über die letzten fünfzehn Jahre hinweg habe ich achteinhalb Bücher gefüllt. Zweieinhalb davon habe ich jetzt schon abgetippt und wenn ich aus der Zeit, die ich dafür gebraucht habe extrapoliere wie schnell ich tippen kann, wird das noch weitere hundert bis zweihundert Stunden meines Lebens in Anspruch nehmen. Vielleicht nur noch einhundertfünfzig. Zweihundert Stunden war glaube ich eine gute Schätzung und ich habe schon etwas mehr als ein Viertel geschafft. Eher ein Drittel. Das abtippen ist nur der erste Schritt. Der Wunsch diese Bücher abzutippen schlummert schon eine ganze Weile in mir – schon ein paar Jahre lang. Meine Tagebücher lagere ich in einem Schuhkarton in einer Tüte greifbar in der Nähe der Eingangstür. Dieser Karton ist die „wenn es brennt bitte retten“ Kiste, die ich vor ein paar Jahren mal gepackt habe. Außer meinen Tagebüchern ist in diesem Karton noch eine kleine Kiste mit alten Eintrittskarten, die einen hohen nostalgischen Wert haben und eine Festplatte mit verschlüsselten Backups von all meinen Daten, Musik und Fotos und dergleichen. Aber die Tagebücher sind das was für mich die meiste Bedeutung hat. Beim Lesen kommen die Erinnerungen wieder. Wenn ich meine eigenen Erinnerungen lese, ist das ein stärkerer Eindruck, als wenn ich mir zum Beispiel alte Fotos angucke. Da frage ich mich manchmal, wer all diese Leute sind, die ich da sehe. War ich das? Sah ich echt mal so albern aus? Keine Ahnung, möglich. Ich denke in Worten, nicht in Bildern. Meine Gedanken sind ein einziger Fluss aus Worten, ein stetiger Strom, ein einziger immer währender Monolog, der mein Selbst ausmacht. Wenn ich diese Gedanken aufschreibe, kann ich sie festhalten und beim späteren Lesen kommen die Erinnerungen wieder. Die Idee diese Tagebücher abzutippen entstand aus dem Gedanken heraus, die physischen Bücher selbst besser schützen zu wollen. Sie sind das kostbarste, was ich besitze, aber es sind nun mal doch nur Objekte aus Papier, die leicht entflammbar sind und den Gewalten der Natur nur wenig entgegen zu setzen haben. Ein Brand, eine Überschwemmung oder ein böswilliger Mensch könnten sie leicht zerstören und so für immer vernichten. Dann wären all diese Erinnerungen weg. Für immer verloren. Und ohne diese Erinnerungen, was wäre mein Leben dann Wert gewesen? Der Gedanke all das zu verlieren gibt mir das Gefühl, das alles umsonst gewesen wäre, was mir je passiert ist. Die Erinnerungen machen das ganze zu einer lehrreichen Geschichte, meine Fehler bekommen so einen potentiellen pädagogischen Wert, durch den sie leichter zu ertragen sind. Wenn ich meine Tagebücher abtippe und so in Dateien – die ja eigentlich nur Zahlen sind – verwandle, ist es leichter sie zu beschützen. Sowohl vor dem Zugriff anderer, denen ich sie eigentlich nicht zeigen möchte, als auch vor der Zerstörung. Dateien kann man verschlüsseln und kopieren. Physische Bücher nicht. Natürlich hätte ich sie auch einfach alle abfotografieren können, aber das erscheint mir irgendwie falsch. Nein, das Abtippen ist genau das, was ich gerade brauche. Ich rekapituliere mein Leben. Und ich bin an einem Punkt, an dem das nötig erscheint. Es fühlt sich richtig an das jetzt zu tun. Es gibt mir gerade einen Sinn, einen Grund aufzustehen und es macht mir ein bisschen Hoffnung, das ich in diesem Reflexionsprozess, der gerade ein Vollzeitjob für mich ist (was eine absurd privilegierte Aussage) lernen könnte besser mit mir selbst umzugehen. Mich selbst besser zu verstehen, zu akzeptieren und mir so die Möglichkeit zu erarbeiten in Zukunft tatsächlich aktiv zu entscheiden wer ich sein will, statt nur zu reagieren und mich den Umständen zu unterwerfen; weiter das Produkt meiner Umwelteinflüsse zu sein. Schon jetzt hat dieser Prozess in mir mehr angestoßen als alle therapeutischen Gespräche, die ich bisher geführt habe. Ich wünschte ich hätte noch mehr aufgeschrieben. Schlimmer als all die dummen Entscheidungen, die ich in diesen Büchern festgehalten habe, sind die Lücken dazwischen, all die Geschichten, die für immer verloren sind, weil ich sie nicht aufgeschrieben habe. Das dazwischen. Beim Lesen bzw. abtippen kommen auch immer wieder Erinnerungen hoch, Details und Randgeschichten, die ich noch nicht festgehalten habe. Daher ist das Abtippen alleine nicht ausreichend. Ich bin noch nicht ganz sicher, wie ich danach weiter mache, aber das Abtippen erscheint mir gerade nur der Anfang dieses Prozesses zu sein. Der erste Schritt. Danach wäre es folgerichtig weiter zu machen, indem ich das ganze kommentiere und ergänze. Alles nachtragen, was in meiner Erinnerung noch da ist, ich aber nicht aufgeschrieben habe. Und danach? Vielleicht einfach kürzen, alles raus streichen was irrelevant ist und daraus eine Geschichte machen, die ich anderen Menschen zeigen möchte. Eben entscheiden, wer ich sein will. Dieser Prozess das eigene Selbst aktiv zu formen lässt sich kaum besser darstellen als durch diese Tätigkeit: Das eigenen Leben, die eigene Geschichte und damit das ganze Selbst in eine größere Geschichte zusammen zu fassen. Eine Geschichte die mir selbst aber auch anderen erzählt wer ich bin. Es ist wichtig so eine Geschichte zu haben, für mich zumindest. Ich denke, auf einer sehr grundlegenden Ebene haben alle Menschen so eine Geschichte, bzw. mehrere Versionen davon. Eine, die sie sich selbst erzählen und eine für die anderen. Wahrscheinlich sogar mehrere Versionen von beiden. Je nach dem mit wem wir uns umgeben erzählen wir unterschiedliche Geschichten von uns selbst, bei einer Bewerbung für unseren Traumjob erzählen wir eine ganz andere Geschichte als in einem Dating Profil und das ist noch mal eine ganz andere Geschichte als die, die wir später dem Scheidungsanwalt erzählen. All diese unterschiedlichen Geschichten machen es schwierig die Übersicht zu behalten. Es ist zu leicht und in diesen Versionen und Teilstücken zu verlieren, die anderen Geschichten zu vergessen und in einer Rolle aufzugehen, die wir für uns selbst schreiben um damit bei anderen etwas zu erreichen. Davor habe ich Angst, denn es ist etwas, das ich bei vielen andern Menschen in meinem Umfeld beobachtet habe und die Momente, in denen die eigenen Geschichte nicht mehr aufgeht, in denen Inkonsistenzen auftreten, deutlich wird wo man eine Rolle gespielt hat und wo wichtige andere Teile der ganzen Geschichte fehlen, die sind immer unangenehm und Schmerzhaft. Sie erzeugen Selbstekel und oft schaffen die Leute es nicht mehr raus aus dieser Diskrepanz zwischen Selbstbild und Selbstwahrnehmung; überkompensieren, werden wütend oder traurig und tun allgemein Dinge, die ich abschreckend finde und daher vermeiden will. Ich will so nicht sein. Ich will die Übersicht über meine eigene Geschichte behalten und den Selektionsprozess dessen, welchen Teil dieser Geschichte ich wem präsentiere, aktiv kontrollieren. Dafür ist es aber notwendig einen Ort zu haben, an dem die ganze Geschichte zugänglich ist – wenn auch eben nur für mich selbst. Ein Ort, an dem ich wirklich ehrlich zu mir selbst sein kann und mich hinterfragen. Ich bin sehr dankbar dafür, das ich diesen Ort habe, das ich all diese Bücher gefüllt habe und zumindest große Teile meiner eigenen Geschichte festgehalten habe. Das erlaubt es mir jetzt mich aktiv damit auseinander zu setzen. Mich selbst wieder aufzubauen, nachdem ich irgendwie zerbrochen bin. Ich habe ein Backup von mir selbst gemacht, das ich jetzt wieder herstellen kann, auch wenn das sehr mühselig ist. No Backups, no pity. Und wohin wird dieser Prozess mich führen? Ich weiß es nicht, auch wenn ich jetzt schon einiges an Zeit in dieses Projekt gesteckt habe, so stehe ich doch noch recht am Anfang. Ein Ende ist noch nicht in Sicht, ich weiß lediglich, das ich nicht aufgeben will. Ich werde genau so weiter machen, das durchziehen und dann schauen, was es mir gebracht haben wird. Vielleicht gar nichts, vielleicht verändert es mich komplett. Das es gar nichts verändern wird halte ich jetzt schon für ausgeschlossen. Und falls ich hinterher ein komplett anderer Mensch bin als jetzt, ist das auch okay – zumindest wenn dieser neue Mensch dann jemand ist, der mit sich selbst mehr im Reinen ist als ich das bisher war. Ein etwas glücklicherer Mensch vielleicht.

 
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from Gedankenwuschel

Jetzt hat es mich auch erwischt. Vermutlich erwischt es jede:n von uns irgendwann einmal. Ich schreibe in diesem Beitrag über meinen Verlauf.

Ansteckung

Für die #Corona Infektion kommen zwei Tage für mich infrage. Donnerstag, der 16. Juni, wahrend einer Tagesreise mit der Bahn. Oder beim Besuch einer Kerve am 18. Juni.

Wenn die Ansteckungszeit noch immer etwa sechs Tage sind, spricht dies für den ersten Termin. Auch wenn mir schniefende Menschen in der Bahn nahe kamen, trugen alle Parteien die wichtigen Masken.

Auf der Kerve am Samstag waren sehr viele Menschen. Ich bin etwa sechsmal die Straßenkerve auf- und abgegangen, im Freien ohne Maske. In Innenräumen trug ich eine FFP2-Maske, als einer der wenigen. Die #Freundin war bei zwei Durchläufen dabei und ist nicht erkrankt.

Ich denke, es ist abends passiert. Hier kam ich fast nicht durch die Menschenmenge. Es war sehr feuchtfröhlich, mit lautem Gebrüll und keiner Rücksichtnahme von einem Sicherheitsabstand irgendeiner Art.

Ich bin selbst schuld, dass es mich jetzt nach zweieinhalb Jahren Vorsicht erwischt.

Der erste Tag

Ich wache am Dienstag, den 21. Juni, auf und fühle mich gerädert. Über den Tag fühle ich mich müde und kraftlos. Der Hals-Rachenbereich ist irgendwie komisch. Fühlt sich seltsam belegt an.

Der zweite Tag

Ich wache ähnlich kaputt, wie am Vortag auf und beschließe nicht arbeiten zu gehen. Der Schnelltest ist negativ. Ich melde mich krank und nach dem Duschen und in den Körper hinein fühlen, beschließe ich die Hausärztin aufzusuchen. Sie macht einen Abstrich für einen PCR-Test und schreibt mich für diese Woche krank.

Heute habe ich diffuse Kopf- und Nackenschmerzen. Die Nase ist etwas belegt. Ich kann durchatmen. Allerdings ist sie nicht frei. Der Hals schmerzt inzwischen und über den Tagesverlauf kommt ein Husten hinzu. Huste ich, fühlt es sich an, als kratze jemand mit Kreide auf meiner Lunge.

Ich fühle mich sehr kaputt, kann vor Glieder- und Kopf-Schmerzen kaum schlafen. Ich bin früh im Bett und schlafe insgesamt 11 Stunden.

Der dritte Tag

Der PCR-Test lässt auf sich warten. Ein Schnelltest ist positiv.

Im Großen und Ganzen geht es mir wie an Tag zwei. Fieber, Schnupfen und Schweißausbrüche kamen hinzu. Ich bin nicht mehr ganz so fertig im Verlauf des Tages. Außerdem scheint sich der Husten zu lösen. Das Kreidekratzen auf den Bronchien ist weitgehend weg.

Das Ergebnis des PCR-Tests ist immer noch nicht da.

Der vierte Tag

Ich bin früh aufgewacht (gegen sechs Uhr) und fühle mich heute etwas besser. Das Fieber ist heruntergegangen und die Schmerzen sind besser. Sonst alles identisch zu Tag drei.

Habe die Kollegen bei der Arbeit informiert, über die Coronaerkrankung und dass ich nächste Woche noch krank sein werde.

Das Ergebnis des PCR-Tests ist immer noch nicht da. Ich habe einmal meine Hausärztin unter anderem wegen des Tests angeschrieben. Mal sehen, ob sich da etwas tut. Der Schnelltest ist auch heute positiv.

Die Hausärztin rief zurück. Der PCR-Test sei positiv. In der Corona-Warn-App steht der Test immer noch als nicht ausgewertet da. Funktioniert super, das System.

Der fünfte Tag

Ich fühle mich noch besser und stärker als gestern. Der Husten ist besser geworden. Der Halsschmerz fast weg. Die Nase ist verstopft. Die Augen sind leicht entzündet. Fieber und Schweißausbrüche sind weg. Schmerzmittel nehme ich auch keine mehr. Manchmal ist mir beim Aufstehen kurz schwummrig.

Ich habe an die Kontaktadresse des Labors geschrieben, da ich noch immer kein Testergebnis einsehen konnte. Ursache war mein Adblocker, der das Content Delivery Netzwerk von Cloudflare blockiert hatte. Dieses blockiere ich, aus Gründen, wie Google, Amazon, Facebook und weitere Server.

In der Corona-Warn-App warte ich auch auf die Anzeige des Ergebnisses. Allerdings habe ich wahrscheinlich keine Lust, deswegen noch einmal zu schreiben. Mein positives Zertifikat habe ich inzwischen.

Einen Schnelltest habe ich mir heute gespart. Ich sehe mir das morgen früh an.

Der sechste Tag

Heute habe ich mich etwas schlechter gefühlt. Die Erkältungserscheinungen sind besser geworden. Ich habe allerdings das Gefühl, schlechter Luft zu bekommen. Das hat sich bis zum Abend gegeben.

Mittags bin ich einmal um den Block gegangen. Etwa 1500 Schritte. Das strengte mich an, ging jedoch problemlos. Im Hausflur und in der Nähe von Menschen mit Maske.

Der Schnelltest war postitiv.

Der siebte Tag

Auch heute fühle ich mich schlechter, als an Tag fünf. Ich kann durch die Nase atmen, jedoch ist sie nicht frei. Das Sputum aus dem Rachen nach Husten oder Räuspern ist gelblich. Die Bronchien fühlen sich belegt und beengt an. Ich fühle mich müde und kraftlos. Ich habe oft das Bedürfnis, mich hinzulegen und nichts zu tun.

Der Schnelltest ist positiv.

 
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from Schwarmschwärmerei

Inhaltswarnung:

Wenn Du Probleme mit den Themen Tod oder Trauer hast, lies bitte nicht weiter.

Meine Eltern unterstützen mich mit meiner Imkerei. Eines meiner ersten Völker soll auch in ihrem Garten einziehen, der aufgrund seiner Blütenpracht ein wahres Insektenparadies ist. Letzte Woche Donnerstag, also vor genau einer Woche, saß ich auf einer Familienfeier in eben jenem Garten mit meinem Vater zusammen und habe mit ihm besprochen, wie ich die Bienenbeute rollstuhlgerecht gestalten kann, damit er sich zeitweise mit den Bienen beschäftigen kann. Er war Feuer und Flamme für diese Idee und freute sich auf seine Zeit mit den Bienen.

Diese Woche Montag ist er plötzlich verstorben. Das ändert alles und gleichzeitig nichts.

Für einen kurzen Moment hatte ich den Impuls, meinen Start in die Imkerei bis in das nächste Jahr aufzuschieben. Weil die Trauer da ist, einen großen Raum einnimmt, die Konzentration raubt. Und weil viel zu erledigen ist, zu regeln und zu organisieren.

Und dann reifte in mir die Überzeugung, jetzt erst recht zu beginnen und jetzt erst recht ein Bienenvolk im Garten meiner Eltern anzusiedeln. Es wäre ihm nicht recht gewesen, wenn ich jetzt meine Begeisterung für die Bienen dämpfe. Es wäre ihm schon gar nicht recht gewesen, wenn sein Tod solche Auswirkungen gehabt hätte.

Also wird ein Volk im Gedenken an meinen Vater im Garten meiner Eltern stehen. Sein Volk, seine Bienen. Ich werde mich nur darum kümmern.


Dieser Beitrag war mir wichtig, um Dir ein vollständiges Bild meines Wegs in die Imkerei zu vermitteln. Nicht immer läuft alles nach Plan und manchmal haut das Schicksal richtig zu. Jeder Mensch geht anders damit um. Für mich haben die Bienen gerade nochmal an Bedeutung gewonnen. Ich möchte keine Beileidsbekundungen. Das ist nicht das Ziel dieses Beitrags.

 
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from Der_Que

Johann Wolfgang von Goethe

Dem Schnee, dem Regen, dem Wind entgegen, im Dampf der Klüfte, durch Nebeldüfte, immer zu! Immer zu! Ohne Rast und Ruh!

Lieber durch Leiden möcht' ich mich schlagen, also so viel Freuden des Lebens ertragen. Alle das Neigen von Herzen zu Herzen, ach, wie so eigen schaffet das Schmerzen!

Wie – soll ich fliehen? Wälderwärts ziehen? Alles vergebens! Krone des Lebens, Glück ohne Ruh, Liebe, bist du!

Erstellung

Ich habe das Gedicht “Rastlose Liebe” von Goethe im Minecraft für den Deutschunterricht dargestellt. Mit Voxelsniper, ein Bautools, habe die Landschaft gestaltet und mit Worldedit, ein weiteres Tool, wurde der Weg und die Bäumen erstellt. Kleine Details habe ich per Hand noch hinzugefügt, wie z. B. die Armorstands, die das lyrische Ich darstellt.

 
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from lebenszeitverschwendung

Das schlimmste an Depressionen ist für mich das Gefühl von Dummheit. Was heißt schon Gefühl? Meine intellektuelle Kapazität lässt tatsächlich nach. Ich spiele schlechter Schach, wenn es mir schlechter geht. Je besser mein mentaler Zustand ist, desto höher sind meine Ergebnisse beim Spielen. Gerade ist es gut. Ich wühle mich nicht gesund, aber ich habe es unter Kontrolle. Und obwohl ich deutlich weniger übe als noch vor ein paar Monaten, schneide ich deutlich besser ab. Meine Leistungsfähigkeit beim Lösen von logischen Problemen ist der beste Indikator dafür, wie es mir tatsächlich geht. Ist das nicht erstaunlich? Alle Fragebögen die es so gibt um die schwere einer Depression zu messen sind absoluter Bullshit. Die Ergebnisse dieser Fragebögen sind komplett willkürlich und haben absolut keine Aussagekraft – jemand der gerade erst versucht hat sich umzubringen oder kurz davor ist könnte den etablierten Fragebögen nach nur eine leichte Depression haben, jemand der gar keine Depression hat sondern lediglich eine Gesunde Reaktion auf ein äußeres Ereignis, wie einen Todesfall im näheren Umfeld oder derartiges Zeigt könnte den Maximalwert erreichen. Es gibt keine Belege dafür, dass diese Fragebögen irgendwelche Schlüsse auf Behandlungsbedürftigkeit oder Behandlungserfolg zulassen würden, trotzdem werden sie als objektive Maßstäbe verwendet und kaum hinterfragt. Ich fing an mich wirklich für Mathematik zu interessieren, als es mir richtig dreckig ging. Als ich an einem Tiefpunkt war, in dem ich keine Schönheit mehr in irgendetwas weltlichem sehen konnte, geriet ich an die Mathematik. Die Schönheit von logischen Schlüssen, die in jedem denkbaren möglichen Universum richtig sein müssen, kann ich mit nichts anderem Vergleichen. Sie ist Zeitlos. Sie lässt mich staunen, selbst wenn alle anderen Emotionen weg sind. Selbst wenn ich es kaum schaffe aufzusehen um auf Toilette zu gehen und fast meine ganze Zeit damit verbringe darüber nachzudenken wie ich meinem Leiden ein Ende setzten könnte, kann ich doch nicht umhin die Schönheit unumstößlicher Beweise anzuerkennen und mich von ihnen ins Staunen versetzen zu lassen. Und warum leben wir, wenn nicht um zu staunen? Schönheit ist kein objektiver Zustand, es ist ein Gefühl. Vielleicht das einzige Gefühl, dass das Leben als solches lebenswert macht. Eine Ästhetische Empfindung die rein subjektiv ist – auch wenn uns die auf ihre eigene Weise bestechende Logik auf Vermögensakkumulation optimierter Märkte etwas anderes suggerieren wollen. Schönheit selbst lässt sich nicht verkaufen. Das Begehren von Schönheit schon. Die Illusion davon von anderen als schön empfunden zu werden lockert die Taschen, öffnet die Geldbeutel und bringt weckt Ängste, die Menschen dazu bringen auf fast alles andere zu verzichten, ihre elementarsten Bedürfnisse zu unterdrücken und sich dieser Hoffnung schön zu sein bedingungslos zu opfern. Dabei ist es nur der Erwartungswert eines Schönheitsideals, eine Vorstellung davon, was die meisten Menschen als schön empfinden würden, nicht die Ästhetik selbst, die durch dieses Schönheitsversprechen greifbar wird. Es gibt nichts und niemanden, das von ALLEN Menschen als schön empfunden wird. Schönheit liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sonder in der integralen Persönlichkeit der Betrachtenden. Um die Idee von Schönheit verkaufen zu können, ist es notwendig ein möglichst gleichförmiges Empfinden dieses Gefühles zu generieren. Je ähnlicher sich alle Teilnehmer dieses Marktes sind, desto größer ist der Wert dieses Gefühls. Jede Abweichung dieser Empfindungen schmälert die Gewinnspanne. Das kann nicht toleriert werden – diese Abweichung muss einer Regulation unterliegen, ihr muss mit Repression begegnet werden. Sie stellt die allgemeine Deutungshoheit über das Sein als solches in Frage und entwertet alle bereits getätigten Investitionen in diese Ideal. Wir haben viel zu verlieren, wenn wir unsere Wahrnehmung von Schönheit in Frage stellen. Gewissermaßen alles. Außer, wenn die Schönheit aus allem bereits vollständig verschwunden ist. Nur wer keine Schönheit mehr empfinden kann hat wirklich nichts mehr zu verlieren. Ich glaube diesem Zustand war ich mal sehr nah. Und ich will nie wieder – um keinen Preis – dahin zurück. Und doch, selbst ganz da unten, fast am Grund dieser abschreckenden Abwesenheit von jeglicher Schönheit, gab es ganz essenzielle Gedanken, deren Schönheit mir nicht abhanden gekommen ist. Keine Menschen, keine Bilder, Gerüche, keine reproduzierbaren Sinneseindrücke, sondern nackte Gedanken, die so einfach sind, das sie Keine Angriffsfläche bieten um Hinterfragt zu werden, behielten ihre Schönheit. Ich kann nicht anders als sie zu bewundern. Das ist etwas doof, denn sie lassen sich nicht unmittelbar greifen. Gedanken sind frei. Losgelöst von der physischen Realität die mich gefangen hält weil ich nun mal in ihr existiere und die ganze Idee von Existenz als solcher außerhalb dieser physischen Realität keinen Sinn ergibt. Schönheit braucht einen Rahmen, eine Form, ein Medium. Ideen müssen in etwas eingebettet sein, um wahrgenommen werden zu können. Um sie zu äußern braucht es eine Sprache. Und das Wort für den kleinsten Gemeinsamen Nenner aller Sprachen in denen sich Schönheit ausdrücken lässt, ist Mathematik. Es ist nicht einfach nur eine einzelne Sprache, es ist ein System von sprachen, eine Anleitung um diese Sprachen ineinander zu übersetzen und so die Kommunikation von Schönheit über unterschiedliche Medien hinweg zu ermöglichen. Die älteste intellektuelle Tradition der Menschheit. Älter als alle Sprachen, Religionen, Nationen und Ideologien. Eine Idee über Ideen. Und Ideen lassen sich nicht zerstören. Obwohl es oft versucht wurde. Aber Ideen verschwinden nicht. Sie warten. Ich klammere mich an diesen Kern der Schönheit – an diese Formlose, Körperlose Idee von von Schönheit – weil sie mir ein Gefühl von Sicherheit gibt. Einen letzten Strohalm der Hoffnung. Weil ich sicher bin, das ich diese Idee nie verlieren kann, egal wie schlecht es mir geht. Egal wie dumm ich bin oder werde. Ich kann immer wieder auf sie zurückgreifen.

 
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from LindKernig

Ich bin unentschlossen, ob ich die Erzählung dieser Geschichte mit meiner Geburt beginnen soll oder mit meinem Tod. Beide Ereignisse meines kurzen Lebens weisen frappierende Ähnlichkeiten auf. Schmerz, Zuckungen, Kälte, Wellen, Wehen, Angst, Kommen und Gehen. Sowohl mein Tod, als auch die Geburt waren die Phasen intensivsten Gefühls, die ich je erlebte. Alles was dazwischen lag, der Lebensweg, wie man es nennt, erreichte nie die Höhen und Tiefen, die sich in den ersten Minuten des Auftauchens auf dieser Welt und in den kurzen Minuten des Verschwindens ereigneten. Vielleicht sollte ich eine Münze werfen. Den alten velozipeden Silberdrachen, den meine Großmutter mir vererbt hatte und den sie als einen der wenigen Gegenstände von der Erde mitnehmen konnte? Meine Großmutter war eine gütige und besonnene Frau. Man könnte meinen, dass sie eine Kostbarkeit wie den Silberdrachen ganz besonders hüten würde und die Münze nie und nimmer aus den Händen geben würde. Insbesondere nicht solch umhertollenden Wesen wie uns Kindern, die damit achtlos spielen und den Wert des Gegenstands nicht einschätzen können. Mit dem Wurf des Silberdrachens pflegte meine Großmutter Entscheidungen zu treffen. Jene Art von Entscheidungen, bei denen es keine vernünftige Lösung gab und bei denen es somit egal war, ob die Entscheidung so oder so ausfiel. Entscheidungen, bei denen es nur wichtig ist, dass sie fallen. Der Umriss eines irdischen Landes namens China war auf der einen Seite der Münze abgebildet und innerhalb des Umrisses befand sich ein zweiter Umriss, der dem ersten Umriss ähnelte, ihn an manchen Stellem schnitt und über ihn hinaus ragte. Innerhalb der beiden Linien war das Gesicht eines Menschen abgebildet. Eine junge Frau im Halbprofil. Die andere Seite zeigte einen Drachen und ein mechanisches Gerät, das auf der Erde vor einigen Jahrhunderten als Fortbewegungsmittel diente. Ein Veloziped, oder auch Fahrrad genannt. Das Veloziped hatte zwei Räder und einen Mechanismus, mit dem man es antreiben konnte, sowie einen weiteren Mechanismus, mit dem man es lenken konnte. Der Drache schien das Veloziped verschlingen zu wollen. Ich hatte Angst vor dieser Seite der Münze. Trotzdem wählte ich für alle meine Entscheidungen zweiter Ordnung stets das Veloziped mit Drachen. Entscheidungen erster Ordnung traf man natürlich grundsätzlich selbst und nach den zu Grunde liegenden Fakten. Die Münze oder andere Zufallsinstrumente kamen nur dann zum Einsatz, wenn keine Entscheidung auf Basis von Fakten möglich war. Wenn also die Möglichkeiten gleichwertig nebeneinander standen und es mit Vernunft nicht mehr weiter ging. Dann, nur dann, durfte, nein, musste der Zufall entscheiden. Das erste Mal, dass ich die Münze werfen durfte waren wir noch auf der Erde. Ein unheimlich heißes Jahr, in dem die Vögel tot vom Himmel fielen, weil sie in der Luft bei lebendigem Leib gekocht wurden. Ich erinnere mich nicht mehr, was entschieden werden musste. Entscheidungen zweiter Ordnung haben es so an sich, dass ihnen zu Grunde meist nur Banalitäten liegen. Trotzdem müssen sie fallen. Wenn Entscheidungen nicht fallen, herrscht Stillstand. Zähes Nichts. Es tut niemandem gut, wenn zähes Nichts herrscht, pflegte Großmutter zu sagen. Im zähen Nichts hätte wohl niemand von unserer Familie überlebt uund ich wäre nicht hier. Wie der velozipede Drache in der heißen Luft flimmerte und sich drehte, daran erinnere ich mich und an das harte Geräusch, als er mit einer Beschleunigung von fast zehn Metern pro Quadratsekunde auf den Boden fiel. Metall auf Stein in komprimierter, den Laut gut leitender Atmosphäre. Ich vermisse die Erde. Sie ist, obwohl ich nur meine ersten Lebensjahre dort verbracht habe, nun mal meine Heimat. Man sagt, dass der Ort, an dem man aufwächst als Mensch, der Ort, an dem man seine ersten Lebensjahre verbringt, laufen, sehen und fühlen lernt, einen für immer prägt und dass er einen überall hin begleitet, selbst an die entferntesten Orte des Universums. Sogar über den Tod hinaus. Stimmt! Nachdem wir die Erde verlassen mussten warfen wir den velozipeden Drachen nur noch selten. Die Entscheidungen, die getroffen werden mussten, waren nicht mehr so spielerisch, sondern vielmehr stets von existenzieller Bedeutung und die zu Grunde liegenden Parameter meist so klar, dass sie immer eindeutig auf Basis der Vernunft gefällt werden konnten, gefällt werden mussten. Zumal die Münze wegen der geänderten Schwerkraftverhältnisse nie wieder so fallen würde, wie einst auf der Erde. Geburt oder Tod? Anfang oder Ende, velozipeder Drache oder Umrisslinie mit Dame? Ha! Als ob es bei Entscheidungen immer nur zwei Möglichkeiten gibt. Ja oder nein, eins oder null, Transistor geschaltet oder nicht. Man sollte die Rechnung nie ohne die Wolke des Ungewussten machen. The Cloud of Unknowing. Einer Theorie zu Folge, das las ich einmal, stehen hinter jeder Eindeutigkeit weitere Entscheidungen, die sich in Uneindeutigkeiten gliedern, aus denen widerum Eindeutigkeiten hervor gehen, die sich zergliedern lassen. Somit wird aus einem eindeutigen Ja recht schnell ein spaltbares Produkt, das sich in ein Ja und ein Nein aufschließen lässt und so weiter und so fort. Bis in alle Ewigkeit. Meine Freundin Karla meint, genau darin liege das Geheimnis des Lebens. In den immer unklaren Aussagen und Entscheidungen, die wir tätigen, die wir treffen. Wir befeuern damit unser eigenes Dasein und uns wird, falsch, uns wurde nur deshalb nie langweilig, weil es in jedem nur ach so vermeintlichen Ende weitere Verästelungen gibt, die sich wie eine selbsttätige Gebärmaschine wieder und wieder aufspleisen. Nie hat ein Mensch das Ende aller Entscheidungen getroffen. Und dass wir, Karla und ich und all die anderen noch immer existieren und uns äußern können, obwohl wir doch im eigentlichen Sinn des Lebens gar nicht mehr leben, das verdanken wir der Tatsache, dass aus einer Entscheidung zwischen Ja und Nein eben nicht nur Ja und Nein hervor gehen, sondern dass es noch mindestens eine weitere, eine okkulte Möglichkeit gibt, die wir nur nicht wahrnehmen. Der velozipede Drache hat auch einen Rand, auf den er fallen könnte. Das ist zwar an Unmöglichkeit grenzend unwahrscheinlich, so zumindest lehrte man es auf der Erde: Eine Münze fällt immer auf die eine oder andere Seite, egal wie sehr man sich anstrengt. Das ist uraltes irdisches Wissen. Man hatte diesbezüglich einst sogar höchst seriöse Versuche angestellt. Münzwurfmaschinen, die über mehrere Jahre einen Münzwurf am anderen ausführten und nie, nie, nie bei aber Millionen Würfen blieb auch nur eine der Münzen auf dem Rand stehen. Dass eine Münze trotzdem auf dem Rand landen kann und dass nicht immer und überall irdische Bedingungen herrschen, musste ich kurz nach meiner Einschulung erfahren. Jedoch fiel diese Münze nicht auf der Erde. Hals über Kopf musste unsere Familie den Planeten verlassen. Nur wenigen tausend Bewohnern des Planeten gelang die Flucht. Und nein, nicht der velozipede Drache entschied, ob und wie wir fliehen, es waren Privilegien, Glück, günstige Umstände. Mit ein paar Hand voll Menschen waren wir die letzten, die im Moonelevator lebend bis zum Spacelink gelangten und von dort zur Mondbasis evakuiert wurden. Ich lenke ab. Ob ich mit meiner Geburt oder mit meinem Tod beginne, diese Geschichte zu erzählen, fragte ich mich zu Beginn. Nun, mit einigem Humor muss ich gestehen, weder noch. Der velozipede Drache ist wohl diese Mal auf dem Rand gelandet. Und um ehrlich zu sein, es wäre mir ohnehin nicht möglich gewesen, den Drachen zu werfen. Ich habe keinen Körper, keine Hände, kein Münzwurf, keine Entscheidung zweiter Ordnung.

 
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from Schwarmschwärmerei

Am 28.05.2022 schrieb die von mir sehr geschätzte Jasmin Schreiber in ihrer Newsletter-Kolumne Schreibers Naturarium einen Beitrag mit dem Titel “Bienenschutz ist Greenwashing”. Natürlich las ich diesen Beitrag aufmerksam, jedoch mit stetig wachsender Empörung. Schnell wurde mir klar: darauf muss ich reagieren, muss etwas dazu schreiben.

Frühlings-Pelzbiene an Salbeiblüte

Will ich mich wirklich mit einer studierten Biologin anlegen? Ja. Nein. Jein. “Anlegen” will ich mich nicht mit ihr. Ich habe lediglich eine andere Meinung. Teilweise. Vielmehr möchte ich meine Meinung und meine Gedanken zu dem Thema äußern, ohne Jasmin ihre Meinung abzusprechen. Zudem denke ich, dass eine Person nicht automatisch im Recht ist, nur weil sie studiert hat.

Präambel

Ein paar kleine Vorbemerkungen möchte ich auch noch einschieben. Nach meinem Entschluss, eine Erwiderung zu schreiben, habe ich den Beitrag noch mehrmals mit einer möglichst neutralen Einstellung gelesen, sodass sich meine erste, stark emotional eingefärbte Reaktion bereits deutlich neutralisiert hat. Dennoch kann es sein, dass einige Aussagen im folgenden Text von einer gewissen Emotionalität getragen sind. Ich bitte das zu entschuldigen, ich bin schließlich auch nur ein Mensch. Ich werde hier nicht auf Studien verweisen. In meinen Recherchen über die Imkerei, auch unabhängig von der Kolumne, habe ich viel gelesen und viele Informationen eingesaugt. Sehr viel. Vielviel. Allerdings habe ich vor allem für mich recherchiert und ich muss mir selbst im Allgemeinen keine Quellenangaben nachweisen. Das alles jetzt erneut zu recherchieren fehlt mir schlicht die Zeit.

Kritik an der Kritik — Kritikkritik

Die Kolumne beginnt mit einer Kritik an “Imkerei-Unternehmen”, welcher ich zu 100 % zustimme. Abgesehen von der Zuordnung der hier mutmaßlich gemeinten Unternehmen zur Imkerei, handelt sich meiner Meinung nach doch vielmehr schlicht um Unternehmen die an und durch die Biene oder an Imkern Geld verdienen wollen, ohne tatsächlich eine wertige Gegenleistung zu bieten. Imkereibedarf-Handel nehme ich hier ausdrücklich aus. Auch die Unternehmen, welche die geschmacklose Pampe, zusammengemischt aus Bienenerzeugnissen verschiedener, oft nicht genannter Herkunftsländer und schlimmstenfalls anderen Substanzen, in Supermärkten als Honig verkaufen, haben mit Imkerei so viel zu tun wie ein Fisch mit dem Fahrradfahren.

Leider holt Jasmin im Anschluss zu einem kraftvollen Rundumschlag gegen alle Imker:innen und sogar die Honigbiene selbst aus. Die am Schluss des Textes eingeschobene Relativierung, dass es in ihrer Brandschrift nicht

um Tante Erna, die in ihrem wild blühenden Garten einen Bienenstock hat

geht, kommt zu spät und zu halbherzig. Schließlich imkert ebenjene Tante Erna mit hoher Wahrscheinlichkeit nach den konventionellen Methoden der Imkerei. Wenn man zudem bedenkt, dass in Deutschland ca. 96 % der Imker ebensolche Hobbyimker wie Tante Erna sind, ergibt sich eine recht kleiner Anteil der Imker (nämlich Nebenerwerbs- und Berufsimker, bzw. die Industrie), der sich von Jasmins Beitrag angesprochen fühlen sollte. Es wäre vielleicht hilfreich gewesen, den Text explizit an ebendiese Zielgruppe zu richten und eine eventuell notwendige Klarstellung an den Anfang zu setzen. Mir hätte das auf jeden Fall einige Aufregung erspart.

Der armen Honigbiene dagegen werden ihre evolutionär erworbenen Fähigkeiten zum Vorwurf gemacht, ob es nun ihre perfekte Organisation, die Völkerbildung oder gar die fehlende Spezialisierung auf bestimmte Pflanzen ist. Schlussfolgerung aus dieser vermeintlichen Überlegenheit scheint zu sein, dass ein Aussterben der Honigbiene akzeptabel, ja fast erwünscht sei, damit die anderen Insekten überhaupt eine Überlebenschance haben. Starker Tobak von einer Biologin, die sich dem Tierschutz verschrieben hat. Grund genug, sich die Situation genauer anzusehen.

Die Honigbiene an sich lebt seit mindestens 30 Mio. Jahren auf diesem Planeten. In dieser Zeit hat sie sich entwickelt und perfekt an eine Nische im Ökosystem angepasst. Dann kam der Mensch und hat, wie das so seine Angewohnheit ist, in die Natur eingegriffen, um sie sich nutzbar zu machen. Die Biene wurde gezüchtet, insbesondere mit dem Ziel einer höheren Honigproduktion, zuletzt auch auf Sanftmut und Schwarmträgheit. Das ist, aus Sicht der Natur gesehen, unschön, jedoch kein Grund, die Honigbiene aus der Welt zu entfernen. Würden wir alle Tiere und Pflanzen aus der Welt entfernen, bei denen der Mensch durch Züchtung in die natürliche Entwicklung eingegriffen hat, hätten wir ein ziemliches Problem. Das heutige Getreide zum Beispiel hat nichts mehr mit dem Urgetreide zu tun, das es mal gab. Sämtliche Nutztiere würden verschwinden. Der Hund, das allseits geliebte Haustier, ist übrigens auch nur eine Züchtung des Menschen mit dem Ziel der Nutzbarmachung im Hinblick auf verschiedene Aufgaben. Warum wurden eigentlich Katzen gezüchtet? Vielleicht für die Mäusejagd auf Bauernhöfen. Auf jeden Fall nicht als Schmusetier. Können die also weg? Schließlich greifen Katzen durch die Jagd ja in die Natur ein.

Ein Teil der Argumentation hat mich besonders gestört. Es handelt sich um das Bild der armen, unterlegenen Wildbiene, die sich an der Blüte nicht gegen die viel größere Honigbiene durchsetzen kann. Dazu muss ich zunächst mit einem scheinbar vorherrschenden Vorurteil aufräumen, denn:

Die Honigbiene an sich ist NICHT AGGRESSIV

Die Honigbiene ist defensiv und zwar vor allem hinsichtlich ihres Volkes und dessen Behausung, untergeordnet auch hinsichtlich ihres eigenen Lebens. Grundsätzlich ist die Honigbiene ein kooperatives Wesen, sowohl intern als auch extern. Die Honigbiene lebt in freier Wildbahn als Teil eines komplexen Ökosystem, in dem sich die Tiere und Pflanzen gegenseitig nützen. Das Leben der Biene ist nicht auf Fressen und Gefressenwerden ausgelegt. Das kann man, bei geduldiger Beobachtung, auch an den Blüten feststellen. Eine Biene lässt sich bei der Nektar- und Pollenaufnahme nicht stören, weder von anderen Insekten noch vom Menschen. Oft genug kann man neben der Honigbiene noch andere Insekten an der selben Blüte sehen. Bei entsprechender Vorsicht kann man eine Honigbiene von einer Blüte zur anderen versetzen, ohne dass die Biene sich wehrt. Es gibt keinen martialischen Kampf um den Nektar und die Pollen der Blüten. Eine Konkurrenz besteht sehr wohl, das kann nicht bestritten werden. Es ist jedoch in Betracht zu ziehen, dass jede Honigbiene eine bestimmte Blüte nur ein einziges Mal besucht. Da die Sammlerbienen auch nicht alle gleichzeitig ein Blütenfeld besuchen, sollte auch noch einiges an Nahrung für andere Insekten übrig bleiben. Des Weiteren gibt es bestimmte Blüten, welche die Honigbiene aus verschiedenen Gründen gar nicht besucht. So hat sie zum Beispiel im Vergleich zur Hummel (ich mag ja die englische Bezeichnung “Bumble Bee”, das klingt irgendwie schön) einen kürzeren Rüssel, sodass sie in manchen Blüten gar nicht an den Nektar kommt. Ja, in der Natur kommt es manchmal eben doch auf die Länge an.

Ich habe mir auch das verlinkte Paper der Studie zur Auswirkung von Honigbienen auf die Wildbienen-Population im Münchner Stadtpark genau durchgelesen. Das ist eine sehr interessante Studie, jedoch für mich (und auch für die Autoren der Studie übrigens) kein aussagekräftiger Beweis, dass die “gemanagte” Honigbiene die Wildbiene an den Rand der Ausrottung bringt. Dafür hat die Studie in meinen Augen zu viele Mängel:

  • Die Fragestellung ist nicht neutral, sondern lässt bereits die Vermutung durchscheinen, dass die Honigbiene die Wildbiene verdrängt. Das beeinflusst oft die Interpretation der erhobenen Daten.
  • Der Betrachtungszeitraum ist mit zwei Jahren sehr kurz. Innerhalb dieser zwei Jahre können sich andere relevante Faktoren geändert haben, die eine Veränderung der beobachteten Zahlen bewirken
  • Die Zahl der Beobachtungsstunden ist unterschiedlich. Die Vergleichbarkeit der Zahlen leidet darunter.
  • Äußere Faktoren wurden nicht benannt. Faktoren wie zum Beispiel das Wetter, Parkbesucher, Luftqualität etc. können sehr große Auswirkungen unterschiedlicher Art auf die verschiedenen Insektenarten haben.
  • Cherry-Picking Betrachtet man die mitgelieferten Tabellen kann man sehen, dass an manchen Blumenarten in 2020 sogar mehr Wildbienen als in 2019 gezählt wurden. An mindestens einer Blume stieg sowohl das Aufkommen der Honigbienen als auch das der Wildbienen.

Nichtsdestotrotz ist die Studie interessant und sollte der Ansatzpunkt für weitere Studien sein.

Die Behauptung, ein Aussterben der Honigbiene werde keinen negativen Effekt auf die Bestäubung haben, kann ich nicht nachvollziehen. Honigbienen sind in hohem Maße blütenstet, was den Pflanzen aufgrund höherer Effizienz bei der Fortpflanzung zum Vorteil gereicht. Die Honigbiene ist das einzige bestäubende Insekt, das als Volk überwintert. Das führt dazu, dass sie auch nahezu die einzigen Insekten sind, die Frühblüher quantitativ wirksam bestäuben können. Die Hummel kann aufgrund höherer Kälteresistenz zwar früher fliegen, jedoch nicht in so großer Zahl, da sie solitär überwintert. Eine ihrer wichtigsten Eigenschaften ist in meinen Augen die fehlende Spezialisierung auf bestimmte Blüten. Der Honigbiene als Generalistin ist es egal, welche Pflanze irgendwo steht, solange es Nektar gibt, an den sie auch gelangen kann (der Rüssel, der geneigte Leser erinnert sich). Gerade im Hinblick auf bisher hier nicht heimische Pflanzen, die im Rahmen des Klimawandels hier ansiedeln oder angesiedelt werden, könnte diese Eigenschaft noch wichtig werden.

Zumindest in Europa haben wir aktuell die Situation, dass die Honigbiene ohne die Imker mit hoher Wahrscheinlichkeit schon längst ausgestorben wäre. Und zwar nicht wegen der Varroamilbe oder dem Töten von wilden Konkurrenzvölkern durch Imker in früheren Zeiten. Ursachen für diesen Zustand sind vor allem Land- und Forstwirtschaft, so wie es von Jasmin für die Wildbiene als Ursache ihrer Gefährdung benannt wird. Die Forstwirtschaft hat auch der Honigbiene ihre natürlichen Behausungen, insbesondere Baumhöhlen, genommen. Die Landwirtschaft hat durch Rodungen den Lebensraum verkleinert und anschließend durch den Einsatz von Unmengen Chemie ihr Übriges getan. Es wird geschätzt, dass die derzeit wild lebenden Honigbienenvölker tatsächlich allesamt verwilderte Völker aus Imkereien sind.

Ein Vorschlag

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass das unreflektierte Aufstellen von Unmengen Bienenkästen kein Naturschutz ist, nicht mal dem Bienenschutz hilft das.

Ein Leitsatz á la “Bienenschutz ist Naturschutz” ist jedoch als Aufhänger für eine allgemeine Kampagne zum Insektenschutz hochgradig geeignet. Was schützt denn (Honig-)Bienen? Mehr Artenvielfalt bei Blühpflanzen. Generell mehr Blühpflanzen, mehr “Grün”, also auch das Verbot von diesen überaus hässlichen Steingärten und die Verpflichtung für Landwirte zum Anlegen von Blühstreifen und Ausgleichsflächen. Verbot von Pestiziden. Es gibt so Vieles, was da getan werden kann und vielfach auch bereits getan wird. All diese Maßnahmen helfen eben auch allen anderen Insekten, da sie das Nahrungsangebot erhöhen und Gefährdungsfaktoren minimieren. Die Honigbiene ist für die breite Bevölkerung nunmal ein besseres Zugpferd einer solchen Kampagne als – was weiß ich – die Florfliege zum Beispiel. Mit den meisten Insekten verbinden die Menschen nichts, zumindest nichts Positives. Die Honigbiene aber erzeugt Honig, den viele Menschen gerne genießen. Das sollte man einfach nutzen und sich darüber freuen, dass auch alle anderen Insekten von schützenden Maßnahmen profitieren.

Was die Imker und ihre Betriebsweisen angeht, halte ich das für eine Generationenfrage oder eher noch eine Frage der Zeitspanne, die ein Imker schon imkert. Die älteren, erfahrenen Imker haben die konventiellen Verfahrensweisen gelernt (Ausnahmen gibt es auch hier). Jüngere Imker sind da häufig offener und interessiert an naturnaher oder natürlicher Bienenhaltung und Ähnlichem. Generell sind jedoch alle Imker daran interessiert, ihren Bienen ein bienen- und damit insektenfreundliches Umfeld zu bieten. Vielleicht sollte man das nutzen und versuchen, diese Imker noch stärker ins Boot zu holen, anstatt einfach sinnlos auf sie einzuprügeln. Letzteres drängt die Imker nämlich automatisch in eine Verteidungshaltung. Etwas Gutes kann dabei nicht entstehen. Nur gemeinsam können wir etwas für ALLE Insekten erreichen.

Epilog

So, wie die Honigbienen kooperative Wesen sind, sollten auch die am Insektenschutz interessierten Menschen miteinander kooperieren, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Ich jedenfalls werde im Rahmen meines neuen Hobbys alles in meiner Macht stehende tun, damit alle Insekten in meiner Umgebung so gut leben können, wie es möglich ist.

Ich verstehe die Verärgerung von Jasmin, denn die Kampagne zur Aufstellung von Bienenkästen, die sie erwähnt, ist wirklich...Mist. Diese Verärgerung auf alle Imker und die Honigbiene selbst auszudehnen ist es jedoch, mit Verlaub, auch.

Nichtsdestotrotz hatte Jasmins Beitrag schon einen positiven Effekt. Ich habe ihn gelesen, während ich mich gerade mitten in meinen Recherchen zum naturnahen Imkern befand. Schlussendlich hat der Text wenigstens ein kleines bisschen mehr dazu beigetragen, dass sich mein Entscheidung für ein naturnahes Imkern gefestigt hat.

Daher verbleibt mir am Ende zu sagen: Vielen Dank, Jasmin, für diesen Text.

Wer Interesse hat, mehr von Jasmin Schreiber zu lesen, sollte sich in jedem Fall ihre Kolumne ansehen:

Schreibers Naturarium

Wer ihr lieber zuhören möchte, sollte mal in ihren wunderbaren Podcast reinhören:

Bugtales.fm


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from Der_Que

Minecraft Sumpf

Mojang veröffentlicht jedes halbe ein großes Contentupdate. Das Wild-Update ist das Erste von den Zwei dieses Jahr, welches am 7. Juni erschien. Es wurde einmal das Sumpfbiom überarbeite und eine “Untergrundwelt” hinzugefügt. Der Sumpf hat eine neue Bauart erhalten, den Mangrovenbaum. Ein neues Tier würde auch hinzugefügt, der Frosch.

Minecraft Ancient City mit Warden Der Untergrund ist aber der interessantere Part. Da gibt es ein neues Biom das Deep Dark. Hier wird Sculk generiert. Es ist Block, in den Mob Seelen in Form von Erfahrung gespeichert werden. Des Weitern gibt es Sculk-Sensor und -Kreischer. Sie arbeiten zusammen und können bei zu viel Lärm vom Spieler einen Wächter(die Kreatur im Bild) beschwören. Dieser ist sehr sehr schwer zu besiegen. Es ist das Mob mit den meist Leben. Im Deep Dark können ausschließlich Antike Städte generiert werden. Dort sind wertvolle Items zu finden.

Und viele weiter kleine Dinge.

 
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from brian

The country with no banks

I spent the first hours of my workday trying to regain access to my bank account. This was a bit frustrating, since I needed to make some transfers so that we could buy groceries. I usually transfer a set amount so that I won't make too big purchases – a kind of saving strategy if you will. Losing access to my account the saving strategy ended up being too effective.

I'm also behind on writing my thesis, which means I'm not too happy about having to deal with administrative stuff. But now at least I finally have access to my account again (I typed this while the bank was on hold with my bank). Seems I now have to make an appointment with the bank to get permanent access to my bank account again. But there's an issue!

Because banks don't exist anymore where I live! So what do I do now? Well, apparently there exists a kind of bank still, because retirees don't know how to deal with online solutions. But to go there you have to get an appointment, and we're going to visit my fiancee's parents in a few days, and so we'll probably go on vacation with me having no bank access what so ever.

Welcome to the country with no banks.

 
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from lebenszeitverschwendung

Das hier wird ein verrückter, kleiner Text über Arbeit und Struktur, Strukturlosigkeit, innere und äußere Strukturen und Chaos. Einfach frei von der Leber weg, ohne weitere Bearbeitung im Anschluss. Es ist, wie alle Texte auf diesem Blog-Experiment, kein fertiger Text in dem Sinne, sondern nur ein Entwurf. Ein Haufen unstrukturierter Gedanken, in die ich versuche ein wenig Struktur zu bekommen, indem ich sie aufschreibe. Schreibdenken. Mein derzeitiger Arbeitsrhythmus besteht darin mir einen Wecker zu stellen und eine ¾ Stunde lang konzentriert zu tun, was ich mir vornehme. Genau das, und nichts anderes. Wenn der Wecker klingelt, höre ich auf und mache eine Pause. Damit habe ich vor ein paar Wochen angefangen, ich habe mit unterschiedlichen Zeiten experimentiert. Zunächst eine ganze Stunde, dann eine halbe. Aber 45 Minuten scheint mir ein vorerst guter Kompromiss zu sein, das gliedert sich sehr gut in den Ohnehin schon vorhandenen Rhythmus der Stunden ein. Das funktioniert gerade ein bisschen. Aber noch lange nicht gut genug. Die letzte Jahre über hatte ich keinerlei Struktur in meinem Leben, die mir Halt gegeben hätte. Überhaupt habe ich auch erst seit ein paar Monaten einen Schlafrhythmus. Und auch der ist nicht so stabil wie ich mir das bei normalen Leuten vorstelle, es ist lediglich so das ich in diesem Jahr jede Nacht irgendwann schlafen gegangen bin, solange es dunkel war, und Vormittags aufgestanden bin. Das ist eine Neuerung in meinem Leben, so regelmäßig habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr geschlafen. Und ich will das auch nicht wieder aufgeben; Schlafhygiene ist ein seltsamer Begriff der nach muffigen Therapeuten riecht, aber das ist nun mal ein Ding in das es sich lohnt etwas Zeit und Mühe zu investieren, weil Schlafen eben wichtig ist. Und wenn es klappt auch sehr schön. Ich glaube die meisten Menschen haben keine innere Struktur. Oder zumindest sehr viele. Beobachten lässt sich das an Rentnern, viele Menschen scheinen ein richtiges Problem damit zu haben weiter klar zu kommen, wenn die äußere Struktur, die ihnen Halt gegeben hat, weg fällt. Eben weil sie nie gelernt haben sich eine innere Struktur zu erarbeiten. Und das ist ja auch ziemlich schwierig. Es gibt keine Anleitungen dafür, keine Kurse, überhaupt nicht mal den Freiraum um das zu versuchen und daran zu scheitern – dabei ist es nötig daran zu scheitern, oft sogar, denn wir lernen nur aus Fehlern. Das braucht Zeit und Zeit ist ein Privileg, das den meisten Menschen nicht vergönnt ist. Wir sind gezwungen uns äußeren Strukturen zu unterwerfen um uns in die Gesellschaft einzugliedern. Bedauerlicherweise bin ich darin noch schlechter, als darin innere Strukturen aufzubauen und zu halten. An äußere Strukturen kann ich mich kaum anpassen, sie scheinen nie für mich zu funktionieren. Irgendwo gehen sie immer nicht auf. Ich habe es versucht und wann immer es mir für eine Weile gelingt mich an eine äußere Struktur anzupassen, breche ich nach einer Weile noch weiter ein, gerate ins Stolpern und verliere jegliche Struktur. Und das tut mir einfach nicht gut. Manchmal ist geplante Strukturlosigkeit etwas sehr gutes, zum Beispiel für einen Urlaub oder einen Party-Abend. Aber insgesamt nicht, der Wert der Strukturlosigkeit besteht darin in eine sie umgebende Struktur eingebettet zu sein und diese zu verbessern indem sie Raum für die in dieser Struktur bestehenden Lücken schafft und gegebenenfalls Fehler darin aufzuzeigen, die sich korrigieren lassen. Vielleicht ist das eine alberne, bescheuerte Idee, aber ich versuche eigentlich mir einen perfekten Tag zu kreieren und den wieder und wieder zu wiederholen. In unterschiedlichen Variationen und dabei dem Ideal meines Tagesplanes immer näher zu kommen. Das ist natürlich zu kurz gedacht, nicht jeder Tag kann gleich ablaufen. Zu viele unvorhergesehene Dinge können dazwischen kommen. Mein Plan kann gar nicht aufgehen. Und doch wird er mit der Zeit besser. Ich scheitere zwar immer wieder aufs neue an dieser mir selbst auferlegten inneren Struktur, aber immer besser. Manchmal wirft mich dieses Scheitern aus der Bahn und ich höre für eine Weile auf es zu versuchen, versinke völlig in meiner Strukturlosigkeit, werde traurig und unproduktiv, bis ich wieder beginne es zu versuchen. Das Scheitern ist Teil dessen, wie ich mir meine Struktur aufbaue. Ein Teil auf den ich lieber verzichten würde, aber ich habe auch nicht das Gefühl hier ein Wahl zu haben. Die Wahl bestünde darin mich äußeren Strukturen anzupassen und daran bin ich noch viel krasser gescheitert, das ist ein Weg der für mich einfach nicht funktioniert. Es ist etwas ernüchternd das einzusehen.

Schreiben hilft dabei eine Gedankliche Struktur aufzubauen. Nicht bloß eine Zeitliche, die ich versuche mit diversen Listen greifbar zu machen. Wenn ich schreibe muss ich meine Gedanken in eine Reihenfolge bringen, wenn ich das nicht tue, fliegen sie einfach lose herum und neigen dazu sich zu verheddern, was dazu führt das ich eine Menge Quatsch rede, für den ich mich hinterher schäme. Gedanken, die einmal aufgeschrieben sind, muss ich nicht mehr mit Jonglieren, das schafft Kapazität dafür die anderen drängenden Gedanken, die nun mal Notwendig sind um zu überleben (so banales Zeug wie Essen besorgen) besser unter Kontrolle zu halten. Seit ich wieder regelmäßig schreibe bekomme ich auch andere Sachen besser hin. Und gleichzeitig wird mir klar, wie unglaublich viele ungeordnete Gedanken ich mit mir herum schleppe. Ein bisschen wie all diese Kisten mit Krimskrams, die ich mehrfach mit umgezogen habe ohne rein zu gucken – vor ein paar Wochen habe ich alle meine alten, unsortierten Kisten sortiert (oder zumindest fast alle, natürlich bin ich damit noch nicht fertig), und das hat extrem dabei geholfen mir das Gefühl zu geben wieder etwas mehr Kontrolle über mich selbst zu haben. Eine Vision davon, wie mein Leben sein könnte, wenn ich nicht mehr unübersichtliche Massen an altem Ballast mit mir herum schleppen würde. Das Schreiben fühlt sich ähnlich an wie das aufräumen, nur eben mit Gedanken statt mit altem Krimskrams. Der Platz im Regal, der durchs Aufräumen entsteht ist wie der Raum im Denken, der durchs Schreiben entsteht. Es ist eine Form von Ordnung, die neue Möglichkeiten schafft. Und ich brauche dringend neue Möglichkeiten, es ist geradezu alternativlos, denn mein Leben kann nicht so weitergehen wie bisher. Das ist mir schon eine ganze Weile klar, aber da ich eben nicht weiß wie, brauche ich neue Möglichkeiten. Und dafür gedanklichen Raum. Zunächst muss alles raus aus meinem Wirren, verrückten Bewusstsein, damit darin einen neue Struktur entstehen kann.

Das Buch „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf habe ich als eines der besten Bücher in Erinnerung, die ich je gelesen habe. Dabei ist es schon eine Weile her, das ich es gelesen habe. Es ist kein leichtes Buch – im Gegenteil, es ist traurig, persönlich und emotional Herausfordernd. Es geht unter die Haut und – Spoilerwarnung – endet mit einem Suizid. Aber es hat auch meine Sicht auf diese beiden Begriffe Grundlegend verändert. Es beschreibt eine Reise hinein in den Wahnsinn und wieder heraus. Heraus eben mit Hilfe von Arbeit und Struktur. Mit Klarheit, geordneten Gedanken und einer Pistole. Die macht es Spannend, gibt dem Ganzen einen tragischen Touch und macht es so zu großer Literatur, statt nur zu einem bedeutungslosen Tagebuch eines verrückten Künstlers der sich umgebracht hat. Die Ausweglosigkeit des Seins ist kein Grund aufzugeben. Das hat mir dieses Buch klar gemacht, zumindest auf einer kognitiven, abstrakten Ebene. Was das genau bedeutet ist mir immer noch nicht ganz klar, und umsetzten kann ich die aus dieser Erkenntnis folgenden Gebote auch nicht, aber ich nähre mich diesem Verständnis mehr und mehr an. Es gibt noch einiges, was ich erledigen möchte, in diesem Leben. Auch wenn vieles davon schwer greifbar ist, es lässt sich nicht einfach auf eine To-Do-Liste schreiben, die Bucketlist, die große To-Do-Liste des Lebens. Das meiste besteht im Denken. Gedanken die mir wichtig und wertvoll erscheinen will ich zu Ende denken, und dann, wenn sie sich tatsächlich als hilfreich herausstellen sobald sie zu Ende gedacht sind, auch ausformulieren, ausdrücken, aufschreiben und eben anderen Menschen mitteilen. Das ist Arbeit. Denken ist Arbeit. Keine Lohnarbeit, niemand wird tatsächlich einfach nur fürs Denken bezahlt, nicht mal in diesen sogenannten Thinkthanks, obwohl die so heißen. Aber eben Arbeit, die ich noch erledigen will, weil sie meinem Dasein einen Sinn verleiht. Oder zumindest das Gefühl einer bestehenden Illusion von Sinn. Einen Grund. Eine Aufgabe eben. Und um diese Arbeit zu bewerkstelligen brauche ich eine Struktur, ich bin auf diese Struktur angewiesen. Ohne eine eigene, innere Struktur bin ich nicht einfach nur verloren, mein ganzes Leben verliert ohne sie an Bedeutung. Ohne sie fehlt mir der Wille weiter zu leben.

 
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from HDValentin

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from brian

Aphorisms on changing behaviors

An acquaintance of mine is convinced he doesn't have any environmental responsibilities. I looked into some statistics, and apparently where I live people tend to worry about climate change on a global scale, but not worry much about the local implications. I think this has to be based on ignorance; shortages in grain supplies or malaria mosquitos migrating up north would change such opinions quite quickly.

I had originally wanted to write about changing behaviors with regard to climate change, but I found myself musing about criminals displacing responsibility for their crimes by rebuking the government for not successfully deterring them from their actions.

I think changing behavior is not only about considering what good behavior is, but how it is worthwhile to the individual. On reflection, it doesn't seem that I'm making a difference, and intuitively, changing my behavior with regard to the environment costs a lot of effort.

If the sum of our environmental negligence can leave such a mark on the planet, why not think that the sum of small efforts of diligence can make a difference?

I think as long as we urge people to consider the consequences of their actions it is easier to displace and diffuse responsibility. If changing our behavior is going to be worth it, there has to be some intrinsic motivation. I think some vegan people have a natural aversion towards animal products that intuitively ties in with the suffering and death of animals. And I think some environmentalists have a natural inclination towards trying to realize a green future; it's like an aesthetic goal. So it seems to me that the way to go is to avoid thinking about change in terms of consequences, and rather about chance as a kind of character trait.

Eating meat makes you a meat-eater, whether that's good or bad. Polluting makes you a polluter, whether that's good or bad. Being kind to the environment makes you kind to the environment. It's about what kind of person you want to be.

My acquaintance wants to be a person without environmental responsibilities, but that does reflect something about his character, what his ideals are, and who he wants to be.

Thus concludes another inconclusive rhapsody of thought.

 
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from Sofasophia schreibt

Nicht exklusiv, aber hoffentlich zukünftig spamfrei

Na ja … wir wissen es alle. Kaum gibt es irgendwo eine eigentlich werbefreie Fläche oder Zone, pappt jemand dort seine Werbung hin. Ob nun irgendwo in deiner Stadt, in deinem Dorf oder im Internet: Leere Flächen bleiben selten leer.

Auch hier, in diesem schönen kreativen Raum, kommt das leider vor und das macht die Betreiber:innen und uns Bloggende nicht wirklich froh. Darum hat die Instanz-Leitung beschlossen, dass neue Bloggerinnen und Blogger zwar nach wie vor herzlich willkommen sind, sich aber doch bitte vorab an eine:n der bereits hier aktiven Blogger:innen oder am besten direkt an die Instanz-Betreiber Hagen oder Felix wenden mögen, damit euch diese einen Schlüssel ins Write.Fimidiversum überreichen können.

Bleibt weg, Spammerinnen und Spammer! Seid herzlich willkommen, neue Bloggerinnen und Blogger!

 
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