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from LindKernig

Ich war in Ferien. Einmal mehr. Schallend Schallala singend. In den Bergen war ich. Auf schmalen Pfaden durch märchenhafte Landschaften wanderte ich unter Steilwänden und schrie sie an: 'Schallalaaa' und 'Hallo Echo' und 'Hallo Wehehehellllt'. Welt vor vierhundert Jahren, du wunderbares unvollkommenes, verdorbenes Ding von einem Planeten, du. Ich fühlte nichts. Ich fühle nie, wenn ich auf Reisen gehe. Ich fühle seit meinem Tod nicht mehr. Wie auch. Ich weiß nicht, wie oft ich diese kurze Episode schon durchlebt habe, wie ich mitfieberte auf der Wanderung des Irgendlink-Kollektivs im Jahr 2022. Das erste der zehn Heißen. Ich liebe diese Ferien. Im Archiv der Monddatenbank sind neben viel unnützem, überaltetem Wissen auch einige frühe Weblogs gespeichert, in die man als moderner, körperloser Reisender eintauchen kann. Man kann neben Strickkursen (wozu stricken, wenn es keine Körper gibt, die die Pullover tragen?), Kochtipps (wozu kochen, wenn es keinen Magen gibt, der das Essen verdaut, keine Geschmacksnerven, keine Klos um die gewechselten Stoffe auszuscheiden?) und lustigen Haustierblogs (wozu Haustiere, ist dir nicht mehr Mensch sein nicht genug?) auch eintauchen in einige Reiseblogs und da wird es dann wirklich interessant. An dieser Stelle ein dreifach schallalallendes Hoch auf die Antike Bloggosphäre, die, vorangetrieben durch ganz normale Menschen für ganz normale Menschen ein breites, unkontrolliertes Wissen und letztlich auch ein sehr präzises Bild der damaligen Zeit erhalten hat. Mit Furt bin ich schon mehrfach rund um die Welt velozipediert. Wahlweise tauche ich in den wenigen erhaltenen Dokumenten der Radical Dude Society ein in die Mysterien einer rätselhaften Geheimgesellschaft die von sich selbst sagt, einer der einflussreichsten Think Tanks der damaligen Zeit zu sein. Mehr noch, als Toter, so wie ich, der nur noch eine Tabelle seiner Selbst ist, habe ich die Chance, mich irgendwo im Gewirre der frühen SQL-Datenbanken einzunisten und allerlei aktiven Unfug zu treiben. Aktiv, schreibs in großen Lettern AKTIV mit viel Eins11elf dahinter. So begann es also mit diesen Texten, die du hier liest. Ich bin mir nicht sicher, ob sie es durch die Zeit ins 21. Jahrhundert finden. Möglich ist es jedenfalls. Vergiss alles, was du über Zeitreisen glaubtest zu wissen. Alles was du an dieser Stelle liest, habe ich in ferner Zukunft verfasst. Oder in der Vergangenheit? Für mich spielt es ja keine Rolle. Kein Körper, kein Gefühl, kein Ort, keine Zeit. Ich bin. Und ich habe einen Weg gefunden, im Fimidiverse neue Tabellen anzulegen. Ich betreibe aktive Geschichtsschreibung (vs. passive Geschichtsschreibung), sagen wir es mal milde, obschon es sich wohl vor dem hohen Rat eher wie Geschichtsfälschung ansehen wird. Darauf steht Löschung. Ich muss das trotzdem tun. Sonst ende ich als Irrer. Die antike Weltenbeschreibung der frühen Reiseblogs aus dem Irgendlink-Cluster haben es mir besonders angetan. Die Berichte, die offenbar direkt während der Reise ins Netz eingebunden wurden faszinieren mich besonders. Auf eine Hand voll Blogadressen verteilt bereisen die Protagonistinnen und Protagonisten den Kontinent Europa. Meist wandernd oder per Veloziped. Ich rede von ein paar tausend rohen, ungefeilten Echtzeitdokumenten die das Leben auf der Straße feiern, das Hohelied vom Vorankommen singen, Zeugnis ablegen von Leid und Mühsal aber auch Freude und Glück. Was die Blogtexte für mich persönlich aber besonders interessant macht ist, dass manche von ihnen meiner einstigen Heimat am allernächsten sind. Welch ein Glückfall, dass eine der Wanderungen fast vor meiner Haustür stattgefunden hatte. In den steilen Bergen die das Rhonetal säumen stand meine Wiege. Unsere Familie hatte ein kleines Anwesen im ehemaligen Furka Basistunnel, direkt unter dem Hungerberg. Wir waren eine jener Endzeitfamilien, die die 'richtige' Erde noch erleben ... durften? Durften ist nicht richtig. Mussten? Konnten? Sollten? Zeugnis ablegen in einer Zukunft der Dekörperisierung ach ich weiß es doch auch nicht. Mein Faible für das alte Genre Blog, das sollte an dieser Stelle klar geworden sein, ist also aus eigenem Interesse geboren und es ist letztlich das, was mich überhaupt antreibt, diese Texte zu verfassen. Ich nutze das frühe Webformat deshalb so gerne, weil es meinem derzeitigen Dasein so schön nahe kommt. Sind wir, in der Existenz Abgespeicherten, nicht alle eine Ansammlung von Tabellen, die miteinander verknüpft sind? Jeder Mitbewohner, jede Mitbewohnerin, die es geschafft haben, ihre Erinnerungen in die Existenz zu retten, ist ein Konglomerat aus Tabellen, das sich mit anderen Tabellen zu einer großen Datenbank mischt und das ausmacht, was wir sind, unser Leben, ach Leben, davon kann keine Rede sein, unsere Existenz eben. Ich fühle nichts, wenn ich mich in die Texte und Landkarten und Bilder des wandernden Irgendlink-Kollektivs begebe. Ich kann nicht fühlen. Nicht mehr. Es gibt nur noch das Vergangene, das sich wieder und wieder wiederholt und das Variationen bereit hält. Dem zu entrinnen ist mein Ziel. Meines und Karlas. Es hat jedoch Zeit, die Flucht zu planen, wobei Zeit das falsche Wort ist, denn Zeit in diesem Sinne gibt es ja nicht mehr. Ich kann also getrost in die 'Ferien' gehen und wer weiß, vielleicht ist das sogar wichtig im Blick auf eine mögliche Zukunft. Die Flussnotenwanderung, an der ich des Öfteren partizipiere, ist mir ein Training für die echte Welt, die es hoffentlich eines Tages wieder für mich und Karla geben wird. Ich tauchte für acht Tage ein in die Flussnotenexpedition des Irgendlink-Kollektivs – einer Hand voll Menschen, die sich bloggend und recherchierend durchs ehemalige Flusstal schwitzten. Es war heiß. Ein Fluss durchströmte das Tal. Ein grünes, kanalisiertes Etwas, das die Kälte der Berge mit nach unten nahm. Gespeist von einem Gletscher. Das waren ewige Eisformationen, die in jedoch der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts abschmolzen und die Dürre einleiteten. Insofern waren sie doch nicht ewig. Ich bin ewig. Momentan. Alles andere, alles was Hand und Fuß hat (ahahaha), was Fleisch, was Körper, Seele und Geist hat, ist verderblich, kann rosten, verwandelt sich am Ende in Staub und Rost und Salz und Wasser. Nuja, vielleicht fühle ich ja doch manchmal. Mitfühlen. Die Expedition, die ich nun schon unzählige Male nacherlebte, scheiterte krachend nur wenige Kilometer jenseits des östlichen Eingangs des Furka-Basistunnels. Das macht etwas mit einem, wenn man mitlesen darf, wie ein Lebensträumchen platzt oder auch zwei oder drei. Es ist ein kitzeliges – ich will es nicht Gefühl nennen – Erinnerungsstück an längst vergangene körperhafte Tage. Immer wenn ich die Flussnoten durchlebe, tauche ich in Sphären ein, in denen meine Protagnistin und mein Protagonist 'etwas unbedingt wollten und nicht bekamen'. Ein Ziel zu erreichen, es sich vorzustellen, sich eine Karte malen, den Weg dahin bis auf Meter genau zu kartografieren und dann wegen welch auch immerer Äußerlichkeiten nicht hin zu gelangen. Gibt es etwas Spannenderes? Ach Äußerlichkeiten! Was gäbe ich um Äußerlichkeiten! Echte Temperaturen. Echte sengende Sonne. Echter Staub, echte UV-Indexe, Sonnenbrillen, wunde Zehen, Zehen überhaupt. Einen Körper, einen fünfzehn Kilo schweren Rucksack, immerhin etwa vier Kilo auf dem Mond ... danke, Kollektiv, dass ich mitwandern durfte, mitwandern darf, immer und immer wieder. Die Ferien sind vorbei mal wieder. Ich sah den Eingang zum Furkatunnel als grüne, von Dunstwolken verhangene Szene. So wie ich ihn zu Lebzeiten niemals zu Gesicht bekommen hatte. Ich wandelte auf schmalen Pfaden entlang murmelnder Bewässerungskanäle. Ich sah die Welt wie ich sie zu Lebzeiten nie gesehen hatte. Vierhundert Jahre liegen zwischen den 'Zehn Heißen' und meiner Geburt. Und eine nicht benennbare Zeitspanne ist seit meinem Tod vergangen. Als ich geboren wurde, gab es weder den Fluss, noch Gletscher, noch Wolken. Die Erde sah so aus, wie es das Kollektiv in den Flussnoten an einer Stelle gegen Ende der Wanderung beschrieb: > “Wenn die Welt zweidimensional wäre oder ein Gemälde. Ein Endzeitgemälde. Gelber Himmel, wuchtige Quellwolken. Nur der Westwind lindert die Glut. Dunst liegt über dem Tal. Eine schwer zu beschreibende Athmosphäre. Hinter der vergilbten Luft ist jedenfalls auch Blau zu vermuten. Ein helles, milchiges Blau.” Herrlich. Was gäbe ich um ein Blau hinter einem Gelb, Dunst und Staub und eine auf der Spitze stehende athmosphärische Pyramide. Im Grunde kannst du, der du dies liest dir diese meine Ferien wohl am ehesten wie Träumen vorstellen. Tagträumen. Ein Kratzen an der granitenen Oberfläche des Fühlens. Harte Nuss, ich weiß. Ich weiß nicht wie lange ich weg war. Ob acht Erden Tage – wie das Flussnoten-Kollektiv auf Wanderschaft – oder länger oder nur wenige Sekunden. Manchmal bilden sich Schleifen, lebt man länger in diesen Ferienträumen als einem lieb ist, wiederholt sich der Tag, springt die Zeitspur, baumelt man nicht gezählte Minuten in seiner geistigen Hängematte. Ich glaube, man nennt es Sein. Aber im negativen Sinne. Ich erwache. Die Reise ist noch gar nicht zu Ende, aber etwas reißt mich aus der Tabelle. Ein Plätschern. Kälte. Nässe. Gestank. So muss es sich angefühlt haben, als Mensch aus Fleisch und Blut aus einem Traum zu erwachen, unruhig hin und her wälzend, verschwitzt. Im weichen Bett rutscht die Hand unter der Bettdecke hervor, berührt den Boden, spürst du die Kälte, die Nässe und im ersten Lidschlag steht ein Wuffzie vor dir und tut das einzige was er als mechanisches Wesen tun kann: Er pisst. Per SQL-Abfrage weise ich Augenreiben an, Gähnen, sich recken und auch einen guten Schuss Alp weise ich an. Versuche die Realität, aus einem Alptraum zu erwachen rein erinnerungstechnisch, so getreu wie möglich nachzubilden. Ich liebe Alptraumsimulationen. Sie bringen so etwas 'Echtes' in die Eintönigkeit der Existenz, finde ich. Und man kann die Erinnerung an Zeit, verrinnende Zeit so gut spüren. Ich weiß, dass das Selbstlüge ist, aber es funktioniert. Gleich wird der Wuffzie wieder verschwinden, ich werde die Hand heben, sie betrachten, werde mir selbst Verwunderung vorgaukeln und dann ist die Existenz wieder voll präsent. Gleich. Jetzt. Nun. Sofort ... nochmal: JETZT! Also eigentlich? Ich simuliere Recken und Augenreiben. Wie lange schon? Stunden? Tage? Monate? Wieviel Zeit wohl vergangen wäre, wenn es Zeit gäbe? Der Wuffzie bleibt und pisst. Der ist echt, ich sehe das doch. Aber das kann doch nicht sein. Was zur Hölle?! Ein Alptraum nimmt seinen Lauf. Das begrüße ich.

 
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from LindKernig

Wie Lappen lagen die Hochdruckgebiete über der nördlichen Hemisphäre. Es ist lange her. Es gab Wetter und es blieb wochenlang. Ernten fielen aus. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Letztlich verdanke ich meine ersten Lebensjahre in der Dunkelheit der Tunnel den Hitzelappen. Nun, in der Existenz, nur noch Schatten meiner Selbst, zur Tabelle einer kosmodämonischen Datenbank geworden, finde ich es ein bisschen hanebüchen, einen waghalsigen Gedankensprung von den klimatologischen Hitzelappen des frühen digitalen Zeitalters zu wagen bis hin zum, ja, nennen wir es Ausflug, den ich hin und wieder wage. Dann, wenn ich die Grenzen der Tabellen überwinde und mich in, für mich jedenfalls, Neuland begebe. In Welten von vor hunderten Jahren. Hinein in die Abenteuer der Vorangegangenen. Der Ahnen. Ich benehme mich dann nicht anders als einer jener Hitzelappen. Ich bleibe, so lange es mir gefällt. Jemand sagte einmal: Es ist egal, wie oft dein Pfad schon begangen wurde. Wenn du ernsthaften Schrittes voran gehst, wirst du selbst auf den ausgelatschtesten Wegen Neues entdecken, wird sich der Weg mit dir vermählen, werdet ihr Kinder zeugen, du und der Weg, und es wird etwas Neues auf all dem ausgelatschten Alten entstehen. Ich weiß nicht mehr, in welchem Blog ich das las, das in der spärlich ausgestatteten lunatischen Datenbank archiviert ist. Ich bin so dankbar, dieses Reiskorn von Spruch gefunden zu haben. Es scheint mir so wahr. So echt. Ein unvollständiger, vom Gefühl zwar abgekoppelter Versuch, authentisch zu 'leben', es wenigstens zu versuchen. Letztens habe ich eher unpfleglich an diesen Dokumenten gearbeitet, musste viele Texte, die ich noch nicht für 'reif' hielt, zurückhalten, habe sie in den Entwurfsordner gerettet. Ich muss nachdenken, feilen, wie so ein guter alter Schriftstseller aus dem 21. Jahrhundert. Ich, der in einer völlig durchgetakteten Welt lebt, die sowohl räumlich beschränkt ist, als auch zeitlich auf dem Niveau der Gegenwart stehen geblieben ist, wage mich in Sphären, die längst vergangen sind. Manchmal komme ich mir vor wie ein Zeitreisender, wie 'der Doctor'. Es ist geradezu paradox, wie eingeschränkt ich bin, des Körpers und Gefühls beraubt, um jegliche Zukunft geprellt und wie leicht es mir fällt, mich durch die Datenbankbereiche zu bewegen als gäbe es überhaupt keine Grenzen mehr – ich bin so froh, dass mir dieses 'Husarenstück' gelingt. Ich verknüpfe mich nun mit einem antiken Reisebericht zweier längst verstorbener Menschen und werde auf der Erde umher spazieren für ein paar Wochen. Die Dokumente wurden gerettet und sind unter https://flussnoten.de verfügbar. Meine Faszination für die #Flussnoten hat natürlich einen Grund, spielt die Geschichte doch in der Heimat meiner Kindheit, ein zwar düsteres, aber auch von echter Schwerkraft gesegnetes Kapitel meines Lebens. Unsere Familie lebte während der Endzeit im Furka Basistunnel zusammen mit einer halben Million anderer armer Teufel, nun, genau dort führt uns die gut dokumentierte Datenbank hin in eine Erde mit Atmosphäre, Leben, Schmutz, Gewalt, aber auch viel Freude. Und nein, der Bericht führt nicht in den Tunnel, sondern zu den Katarakten eines wilden Baches, der unweit des Tunnelschlunds seinen Lauf nahm. Er hieß Rhône.

 
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from HDValentin

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Videourl funktioniert nur als Link: https://youtu.be/5Pf7si0l_Ao

In diesem Video erklärt Anita, aus Nepal, wie die berühmten nepalesischen Momos gemacht werden. Bestimmt freut sie sich über einen Like auf YouTube.

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Auf dieser Seite findest Du mehr über das Happy Heidelberg-Video und dessen Entstehung. Das war mein Großprojekt im Jahr 2014.

 
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from Sofasophia schreibt

Kapitel zehn

Sie war, wie sie schon immer gewesen war. Immer schon hatte es wehgetan, dieses Sie-selbst-Sein. Sie hatte schon als Kind gewusst hatte, dass es dahinter mehr gab, mehr Wissen, mehr Dinge, als es auf den ersten Blick schien. Welten, die sie nie erreichen würde. Erkenntnisse, die sie nie verstehen würde. Dinge, die zu groß für sie waren.

Der Konjunktiv mit seinen Versprechungen war Freundin und Feindin zugleich. Ihre Feind:innen und Freund:innen lebten mit ihr unter einer Haut. Fühlen zu können war eine. Nicht wegsehen zu können eine andere. Freundin und Feindin. Sie selbst war es, die mal Geh weg! und mal Komm her! sagte. Und sie selbst war es auch, die nicht wusste, wie und warum es so war und dennoch versuchte, das, was sie spürte, zu sagen. Mal Geh!, mal Komm!.

Und sie wusste, dass das schwierig war für ihre Mitmenschen. Authentisch zu sein, war schwerer zu ertragen als nett zu sein – für sie selbst ebenso wie für die anderen. Doch sie wusste auch, dass Wirkliches nachwirkte, etwas bewirkte.

Fiktion tut weniger weh, denkt sie oft, wenn sie sich für einen Spielfilm statt für eine Doku entscheidet, für einen Roman statt für eine Biografie. Fiktion, da kannst du immer sagen: Es ist ja nur eine Geschichte.

Doch ist eine Geschichte darum weniger wahr, weil sie nicht exakt so passiert, genau so von einem andern Menschen erlebt worden ist? Trügt denn nicht auch eine Biografie, trügt nicht die Erinnerung, lüge ich mehr, lüge ich weniger, wenn ich Geh! sage statt Komm!, wenn ich Komm! nicht fühlen kann? Wenn ich nur so tue als wäre Komm! genau das, was ich will?

 
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from LindKernig

Wie mit dem Zukunftsroman der Feinen Künste zu verfahren ist, falls ich ihn nicht selbst perfektionieren kann. Schreibstil feilen. Meine Arbeitsweise ist grob. Immer wenn ich an diesen Texten schreibe, geht es schnell. Die Finger folgen blitzartigen Gedanken. Ich bemühe mich zwar, stringent vorzugehen und so wenig wie möglich abzuschweifen, linear nennt sich das, aber um der Sache willen, übe ich wenig Disziplin, bei einem Gedanken zu bleiben, denn das würde die anderen Gedanken, diejenigen, die sich auf Parallelspuren befinden und auch gedacht werden und in die (imaginären) Finger wollen, nur ausbremsen, abwürgen, unterdrücken. Alles muss raus, so gut es geht. Aufräumen kann ich (oder die Historik der Zukunft später). Zunächst dürfte es demjenigen, der oder die sich dieser Aufgabe annimmt, hilfreich sein, die Blogeinträge in eine geeignete Reihenfolge zu bringen. Sowie nicht veröffentlichtes Material zu sichten. Das Fimidiversum ist nur die Spitze des Eisbergs. Ungereimtheiten schleichen sich in die Geschichte, vermute ich. Weiß ich nicht. Vielleicht, und das wäre der Idealfall, enteht die Geschichte als gereimtes Etwas in den Köpfen der Lesenden. Es ist nicht meine Aufgabe, zu erklären. Ich bin nur der Materialbeschaffer. Ungereimtes reimen erst im nächsten Schritt. Unveröffentlichte Fragmente und Kopien befinden sich im Fimidiverse, auf dem Shiftphone und einer Festplatte namens 695c6e16-724d-4c9b-b78d-d893dfd85c831. Sie liegt im dunkelsten Raum des Hauses. sie enthält weitere Daten.

Ich habe das Gefühl, die Kontrolle über das Buch zu verlieren. Ach was, ich hatte niemals die Kontrolle. Ich irre zwischen Daten und Zeitebenen. Teile der Geschichte finden sich im antiken Irgendlink-Blog. Manches rette ich als Zitat in die aktuellen Datentabellen. Bei Weitem nicht alles.

Als lunatischer Historiker hat man nicht nur die Pflicht, in die Vergangenheit zu schauen, sondern man muss auch die Gegenwart auf dem Schirm haben. Sowie die Bedürfnisse allfälliger Historikerinnen und Historiker der Zukunft. Genau wie die Ahnen ihre Spuren fragmentarisch für uns im Jetzt hinterlassen haben, legen auch wir unsere Spuren für künftige Forschende.

Ich mache mir keine Illusion. Das Forschen an Vergangenem wird für alle Zeit ein Puzzle-Spiel bleiben, bei dem niemals alle Teile gefunden werden. Was ich nun in eine konkrete in sich schlüssige Form zu bringen versuche, wird sich im Lauf der Jahrhunderte zersetzen. Datendefekte bis hin zum Datenverlust divergieren mit der ohnehin illusorischen Idee, man könne einen perfekten Gesamtabdruck des Jetzt hinterlassen. Dagegen spricht alleine schon, dass dies, was ich hier notiere, nur meine Wahrheit ist, dass es neben dieser meiner Wahrheit und meiner Weltsicht noch viele weitere Sichten gibt. Wohl dem, der einen gebündelten Ähnlichkeitsstrom erkennt in den vielen Stimmen ... so gehe ich zumindest vor, wenn ich mich durch die Banalitäten der frühen Bloggosphäre lese. Ich versuche, Stimmungen auszumachen, Ähnlichkeiten und Häufungen.

Die einfachen alltäglichen Berichte in den Blogs der digitalen Frühzeit sind ein nicht zu unterschätzender Schatz. Da mag jemand darüber schreiben, wie er eines Sommers (herrlich muss es damals gewesen sein, warm, blauer Himmel, Sonne) Johannisbeeren pflückt und aufbereitet, ein alltäglicher Arbeitsschritt, und dennoch hinterlässt der Autor eine großartige Information, wie die Menschen damals lebten, zudem garniert mit einer Weisheit.

[...] nachdem ich eine ganze Schüssel Johannisbeeren gepflückt hatte, kämmte ich mir die Ameisen aus dem Haar. Offenbar leben sie in den Sträuchern, anders kann ich mir das nicht erklären, dass sich nach der Ernte immer etliche dieser Tiere auf meinem Körper befinden. Ameisen lieben Johannisbeeren. Genug. Soweit so gut. Was tun mit den vielen Früchten? Gut anderthalb Kilo stehen vor mir auf dem Küchentresen. Unmöglich kann ich die alle jetzt sofort essen. Also muss ich sie vorbereiten, um sie in der Gefriertruhe zu konservieren. Johannisbeeren strippen nennt sich das in unserer Gegend. Kürzlich las ich auf Twitter einen Thread, in dem jemand gefragt hatte, wie man das entfernen der kleinen Beeren von den Stilen in der jeweiligen Gegend nennt. Erstaunlich viele Bezeichnungen gibt es dafür: abpliesern, entstäudeln, abfrutzeln ... Hier bei uns im Südwesten heißt es jedenfalls Strippen, was bei anderen Usern Schmunzeln auslöste. Wie auch immer. Das Strippen der Johannisbeeren ist eigentlich eine einfache, aber zeitaufwändige Aufgabe. Mit der einen Hand hält man den Stil, mit Daumen und Fingern der anderen Hand streift man die etwa fünf bis fünfzehn einzelnen Beeren ab. Und fertig. Problem: Manchmal sind vergammelte oder schrumpelige oder vertrocknete Beeren unter den guten Beeren. Somit kann man nicht in einem Strip alles in die Schüssel mit den guten Beeren strippen, denn dann wären darin ja auch die unreinen. Zunächst hatte ich also bei Mischbeeren, mit vereinzelten unschönen Beeren jede Mühe, die guten abzustreifen, denn ich musste sie meist einzeln um die kaputte Beere strippen. Bis ich auf die Idee kam, das Pferd von hinten aufzuzäumen und zuerst die einzelne kaputte Beere zu entfernen und dann wie gewohnt alle anderen in einem Rutsch abzustreifen. Mag sein, dass diese Technik eine ganz banale Geschichte ist, aber es lehrt mich zweierlei: Erstens gibt es selbst für die einfachsten Tätigkeiten eine Lernkurve und zweitens lauert hinter allem Bekannten ungleich viel mehr Unbekanntes. Warum wir nicht ewig uns weiter entwickeln auf welchem Gebiet auch immer, liegt vermutlich nur daran, dass wir uns irgendwann im Prozess des Welterforschens mit dem zufrieden geben, was wir erreicht haben: Schluss hier, ich habe alles erreicht was ich wollte. Soweit so gut. bezogen auf die heutige Technik und die Probleme, die sich durch die Verschmutzung der Natur ergeben, muss ich sagen, wir sind zu früh stehen geblieben, wir haben aufgehört im Unbekannten zu graben. Wahrscheinlich sind wir sogar auf einem toten Ast gelandet. Was das Johannisbeeren-Strippen als banales Beispiel angeht, ist es wohl nicht zu unterschätzen. Wenn ich weiterhin die guten einzeln von den schlechten getrennt hätte, hätte ich viel länger gebraucht, als nach dem Innovationsschritt des Johannisbeerenstrippens die Schlechten zu extegrieren und die Guten gemeinsam zu strippen. Wirr? Egal. Kernaussage ist: Bleibe niemals stehen, versuche hinter den Vorhang zu schauen, über den Tellerrand. Womöglich wird es dereinst vollautomatische Johannisbeererntemaschinen geben, die einem die kleinen Beeren nach Größe und Farbe und Güte sortieren ... achwas, die gibt es ja auch heute schon, aber selbst diese Technologie ist noch nicht ausentwickelt.

Welch verblüffende Vorwegnahme unserer Zeit. An dieser Stelle möchte ich auf die großen Johannisbeerplantagen im Mare Humorum verweisen. Und darauf, dass wir Johannisbeeren nicht als Nahrungsmittel nutzen, sondern, auch das lag vor vierhundert Jahren noch im Dunkel des Unbekannten, der Saft der Beere ist wichtigster Bestandteil der Solarmodulevergütung, die unsere Station mit Energie versorgen.

Man kann sie auch essen, die Beere. Das war weitgehend unbekannt, bis ich bei meiner Forschung in den frühen Blogs darauf stieß. Vergessenes Wissen. Ich stelle fest, das Unbekannte nähert sich mir sogar von zwei Seiten: in Form von echtem Unbekanntem, das in der Zukunft liegt auf der einen Seite und von Vergessenem oder Verlerntem aus der Vergangenheit. Was die Großmutter noch wusste in lunatisch minimalphilosophischer Sicht einer Instanz, moi même, in einer Existenz ohne Zeit und Körper. Achje.

 
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from Bahnhofsoma

Ein reißender Fluss der links und rechts mit satt grünen Wäldern gesäumt ist.

Ich habe ja schon häufiger auf Twitter erwähnt, dass ich nie eine Rad-Weltreisende werden kann, weil ich keinen Haferbrei mag. Dieser ist in Finnland sogar das traditionelle Frühstück. Jarno hatte es für die finnischen Tischgenossen gemacht und für mich als Extrawurst Rührei. Dazu gab es dieses unschlagbar leckere dunkle Brot und einen Tee, damit mein Magen Ruhe gab. Das hat auch wunderbar geklappt.

Der Finne düste gleich nach dem Frühstück los in Richtung Imatra. Jarno brachte mich dort wieder mit dem Rad und dem Gepäck im Auto hin. Ab Imatra sah die Strecke nicht mehr so zackig aus vom Höhenprofil her.

In Imatra zeigte mir Jarno noch ein wunderschönes Hotel, welches noch aus russischer Zeit stammen soll.

Ein weißes Gebäude, welches einen spitzen und einen runden Turm hat. Das Hotel sieht etwas verspielt aus.

Ein Highlight war auch, dass am Staudamm des Wasserkraftwerkes gerade Bauarbeiten stattfanden und wir Stromschnellen durch das Tal sehen konnten. Die Bilder dazu werden nachgereicht. Der Tipp kam wieder von Jarno.

[Ein Video mit den Stromschnellen]

Der Finne kam quasi auf die Minute zur selben Zeit in Imatra an, wie wir mit dem Auto und Gepäck. Dann hat er gejammert, dass er ab jetzt wieder mit Gepäck fahren muss. (Kleine Retourkutsche für seinen Tweet ;–)).

Wir haben recht schnell ein Kiosk gefunden, wo wir noch in Imatra Kaffee, für mich Tee und für mein Camelbak Wasser bekamen.

Unser erstes Ziel für heute war der Bahnhof von Lappeenranta. Die Route verlief dieses Mal in sanften Wellen, überwiegend auf wunderschönen Radwegen. Wir fanden unterwegs sogar einen schönen Rastplatz am See. Leider vertrieb uns ein wenig Regen von dem Rastplatz.

heller Sandstrand am blau-grün schimmernden See. Der See ist umrahmt von Wäldern. Am Strand stehen ein paar Bänke zum Verweilen

Der Regen machte, dass dem Finnen kalt wurde. So fanden wir ein paar Kilometer weiter ein Kiosk mit Überdachung. Ich mag diese Dinger sehr.

Dann ging es weiter. Der Regen hatte nachgelassen bzw. ganz aufgehört.

In Lappeenranta waren wir viel zu früh angekommen. Das hieß warten auf den Zug, laaange warten.

Kurz bevor der Zug einfuhr, lernten wir ein ganz altes Mütterchen mit E-Bike kennen. Sie war mit vollem Gepäck allein unterwegs und erzählte uns, dass sie Ärztin sei und in Göttingen studiert hatte. Der Finne half ihr dann, das Rad im Zug unterzustellen in diesen echt gruseligen Abstellflächen. Das Mütterchen wollte schon im Lahti raus. Deshalb lief der Finne noch mal durch den halben Zug von unseren Sitzplätzen aus, um ihr beim Aussteigen zu helfen.

Wir fuhren im Zug bis Helsinki und von dort mit den Rädern bis zu unserem Campingplatz. Dieser lag ca. 4 km vom Hafen entfernt. Auf dem Campingplatz gab es um 21:30 Uhr natürlich kein offenes Restaurant mehr. Gottseidank waren wir vor Abfahrt in Lappeenranta noch einkaufen. So rettete uns die vom Finnen so sehr geliebte Fleischsuppe den Abend. Wir hatten das Kochgeschirr noch nicht ein einziges Mal bisher ausgepackt. Deshalb stellte der Finne dann verblüfft fest, dass uns das Feuerzeug fehlte. Aber auf so einem Campingplatz ist immer jemand, der einem sowas leihen kann. Ich hatte auch ganz ausgeblendet, dass wir das Kochgeschirr inkl. kleiner Schüsseln und Besteck ja dabei hatten. Also gab es erst mal Panik in meinem Kopf. ;–).

Geschlafen habe ich dort sehr mäßig, was unter anderem auch an dem mich nachts begleitenden Husten lag. Ich freute mich schon auf die Fähre, weil ich dort sicher wieder bis zum Sanktnimmerleinstag würde pennen können.

Am Folgetag mussten wir auf dem Campingplatz noch bis 11:00 Uhr warten, um frühstücken zu können. Die Restaurants machen in Finnland nie vor 10:00 Uhr auf. Aber dann gab es für mich leckeres Frühstück.

Bis zum Hafen war es, wie erwähnt nur ein kurzes Stück und dann hieß es “warten”, “warten”, “warten”.

Auf der Fähre 2 Bier getrunken und um 18:00 Uhr ins Bett gegangen und selig durchgeschlafen bis heute früh um acht. Das ist doch mal ein Ausklang.

Den Abwasch auf dem Campingplatz hat der Finne übernommen. Ordnung muss sein ;–).

 
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from Bahnhofsoma

Traditionelles Arbeitshaus im Heimatmuseum Ruokalahti. Man sieht ein Spinnrad und einen Webstuhl.

Der Tag gestern begann eigentlich voll normal. Wir standen auf, frühstückten und zack begann das Drama. Mein Magen rebellierte und auch das Hinlegen für eine Stunde half nix. Ich hätte nicht radeln können.

Unsere Unterkunft für diese Nacht war bei @jarlaiti eingeplant und so fragten wir nach, ob er eine Idee hätte, wie ich zu ihnen kommen könnte natürlich mit dem Rad. Jarno bot sofort an, mich abzuholen mit dem Auto. Der Finne wollte auf jeden Fall mit dem Rad fahren und so luden wir mein Rad, mein Gepäck und seins auch noch gleich mit ins Auto.

Jarno fuhr mit mir zuerst zur Apotheke. Dort haben wir Tabletten für mich bekommen, die, wie sich später zeigte, sehr gut waren.

Also weiter zu Jarnos Unterkunft. Mir ging es zwar schlecht, aber so schlecht nun auch nicht, um dem Finnen beim Überholen mit dem Auto noch :“Schneller, schneller” zuzurufen. Manchmal braucht halt auch er Motivation hier das Smiley mit der Sonnenbrille hindenken. Jarno zeigte mir in Ruokolahti das Heimatmuseum und diese unglaublich schöne Kirche, sowie den 300 Jahre alten Glockenturm.

Der Glockentrum ist schwarz, aus Holz und oben bilden die Dachschindeln ein Muster. Der Turm ist quasi 3-stufig aufgebaut. Ganz oben sitzt die Glocke drin

Angekommen legte ich mich aufs Ohr und schrieb später den Artikel vom Tag 5. Jarno kam mit einem Freund und fertigem Essen eine oder zwei Stunden später zurück.

Nachdem der Finne eingetroffen war, aßen wir “Karelischen Braten”. Das ist ein Fleischgericht mit Möhren und dazu Stampfkartoffeln. Das schmeckte sehr gut und mein Magen war auch mit dieser Art Nahrung einverstanden.

Ein Tisch, auf dem ein Teller und ein Besteck liegt. Auf dem Teller befindet sich ein Karelischer Braten. Also Stampfkartoffeln mit einer Sauce mit Fleisch und Möhren.

Das änderte sich jedoch, als ich schwarzen Filterkaffee trinken und einen Keks essen wollte. So musste eine weitere Tablette her halten und ein weiteres Nickerchen.

In den Abendstunden, nachdem es mir wieder besser ging, trabten wir 4 zur Sauna am See. Die Sauna war vielleicht 200m vom Haus entfernt. Sauna hilft auch gegen Mücken. Mir hat beides – Sauna und abkühlen im See – wieder unglaublich gut getan.

Danach ging es zurück zum Haus. Zwischenzeitig lernten wir auch noch Jarnos Großvater kennen.

Mir wurde sehr viel zu traditioneller, finnischer Lebensweise erzählt. So unter anderem, dass die Sauna früher der Ersatz für eine Dusche war. Zum Abkühlen ging man, wenn nötig, ins Eisloch (brrr).

Wasser wurde vom Brunnen geholt. Ganz früher lagen die Bewohner wohl tatsächlich auf dem Ofen zum Schlafen (das hatte ich das eine oder andere Mal in russischen Märchen schon gelesen).

In einer etwas dunklen Küche ein großer Tisch mit 3 Stühlen und einer Bank hinten. Man sieht noch eine Mikrowelle und eine Kaffeemaschine.

Es ist alles so liebevoll eingerichtet und super sauber. Am Eingang zum Haus werden die Schuhe ausgezogen. An der Treppe steht ein Glas mit Blumen. Im Extragebäude, in welchem das Plumsklo ist, steht ein Teller mit einer Vase mit Lupinen. Diese Art von Toilettendeckeln kannte ich vorher noch gar nicht. Die pflegende Hand von Jarnos Tante konnte man an jeder Ecke sehen. Das war auf jeden Fall einen Eintrag ins Gästebuch wert.

Der Abend verging schnell und verlief 3-sprachig: finnisch, englisch und deutsch. Ich vergaß, zu erwähnen, dass Jarno , genau wie der freche Finne, der mit mir reist, sehr gut deutsch sprechen.

Wir beide (der Finne und ich) würden uns sehr freuen, wenn die beiden uns auch mal in Deutschland (Nürnberger Gegend und/oder Bad Homburg) besuchen würden.

Dann bleibt nur die Sache mit dem Abwasch. Da wir uns in dem Haus nicht so gut auskannten, haben wir das Jarno überlassen.

 
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from Bahnhofsoma

Blick von der Fähre Richtung Puumala. Es sind grün bewaldete Inseln zu sehen und der Teil der Fähre, auf dem die Fahrräder stehen

Dieser Tag war schon vor unserer Anreise mein Angsttag schlechthin. Um die Fähre, die nur 1x am Tag fährt, zu erreichen, mußten wir sehr früh los. Ein Problem, an welches wir vorher nicht gedacht hatten, war Nahrung / Frühstück. Da es auf dem Campingplatz so gar nichts zu futtern gab und das Frühstück erst ab 09:00 Uhr los ging, haben wir unsere Reserven zusammen gekratzt und warm gemachten Djuvecreis in der Aufwärmtüte gegessen. Die Hütte hatte eine Microwelle, sodass das Aufwärmen kein Problem war. Über Ristiina zu fahren konnten wir uns sparen, weil ja unsicher war, ob dort um 06:00 Uhr schon was offen ist. Also los mit viel Wasser und 4 Bananen. Die erste Rast machten wir an einem Kanal, der zwei Seen verband. Dieser Kanal wurde, wenn ich das richtig im Kopf habe, innerhalb von 4 Jahren gegen 1887 fertig gestellt. Durch die Granitfelsen. Bilder kommen später.

Ein Kanal mit grünem Wasser. Begrenzt ist der Kanal von Granitfelsen. Beidseitig sind Wälder zu sehen

Nach dieser himmlischen Raststelle erwischten wir wieder Schotterstraßen. Schätze, auf mindestens 20 km begleiteten uns diese Reibeisendinger. Uns kamen zusätzlich zu der Berg- und Talfahrt auch noch Kieslaster und Ähnliches entgegen. Nicht selten in rasantem Tempo. Die Staubwolken wollt Ihr Euch nicht vorstellen. Um meine Motivation aufrecht zu halten, las mir der Finne immer die restlichen Kilometer bis zur Fähre vor. Ich muss nicht mehr erwähnen, dass es bergauf und bergab ging. Ich brauchte den Schwung der Abfahrt, um den Folgeberg wieder hoch zu kommen. Auch deshalb lag meine Maxgeschwindigkeit bei 50km/h. Dennoch reichte der Schwung auch oftmals nicht aus, sodass wir schieben mussten. Der Finne schob immer ganz geduldig mit mir. Meine rasanten Abfahrten hat er wohl immer sehr mißtrauisch beäugt, weil der Schotter seine tückischen Stellen hatte. Nach etwa 48 km durch Wälder ohne auch nur ein einziges Dorf mit einem Kaffee-/Frühstücks-Rastplatz kamen wir zu einem Sale-Laden. So heißt hier wohl eine Kette. Wir aßen so ein Zuckerstückchen, was voll die Kalorien hatte, die mein Körper gerade brauchte. Kalte Cola und ein kalter Cafe Latte halfen, den etwas überhitzten Körper abzukühlen.

Zur Anlegestelle der Fähre hatten wir nun nur noch 2 km. Dort stand etwas, das ich in Finnland bisher schmerzlich vermisst hatte: eine Tisch-Bank. Und wir konnten den wunderschönen Anblick des Sees genießen, da die Fähre erst eine Stunde später ablegen sollte. Der Finne hatte wohl meinen Zustand bemerkt und drängte mich, ins Wasser zu gehen und zu schwimmen. Eine Leiter am Steg war da und so ging es rein ins kühle Naß. Augenscheinlich hat mich das wieder einigermaßen fit gemacht.

Ein grauer Steinweg führt zum Steg. Am STeg sind mindestens 2 Schiffe fest gemacht. Die Leiter ins Wasser ist nicht zu seheh.

Dann kam die Fahrt mit der Fähre. Und ich kann gar nicht beschreiben, wie schön die war. Es war eine kleine Fähre, auf der nur Fußgänger, Radler und Motorräder mitgenommen werden. Für alle Fahrgäste gab es einen Stuhl und es gab genau ein Fernglas. Überall Inseln und dunkelblaues Wasser und Möwen. Fahrgäste hatten wohl eine Robbe entdeckt. Daraufhin fuhr der Käptn langsamer, damit wir schauen konnten. Leider habe ich keine sehen können. Hannu meinte, dass die wohl schon fast ausgestorben waren und sich dann doch wieder erholt haben.

[Ein Video zur Fährfahrt]

An einer Insel vorbei fahrend, meinte der Käptn, dass dort ein Adlernest sei. Ich hab das alles natürlich sofort verstanden, weil ich so gut finnisch spreche. Äh nee, ich hatte natürlich meinen Simultan – Übersetzer dabei.

Auf der anderen Seite des Sees erwartete uns ein Café und ein Waldweg. Noch mal gestärkt mit Getränken sind wir dann die letzten 26km nach Puumala angegangen (dieses Mal sollte es für die Mathespezis aber auf 76 km Gesamtstrecke passen). Mit essen war es dort im Cafe nix. Sie hatten nur Crepes und ich hätte was Richtiges im Magen gebraucht.

Nach dem Waldweg kam dann Asphalt – aber natürlich weiter auf und ab. Die vom Routenplaner angegebenen 600 Höhenmeter erwiesen sich am Ende als 945 Anstiegsmeter.

Eine Brückenauffahrt, die einen breiten Fußgänger- und Fahrradfahrer - Streifen hat.

In Puumala angekommen inspizierten wir erst mal unsere Unterkunft. Das Hosteli Puumala ist ein ganz wunderbarer Ort zum Urlaub machen. Ich hätte auch wieder schwimmen gehen können, aber mir reichte das Bad an Fähren-Anlegestelle. Mein Hunger war inzwischen ins Unermessliche gewachsen. Der Finne wollte mir sogar wieder so eine Grilletti-Speziealität besorgen. Das hat aber leider nicht geklappt. Deshalb habe ich 2 belegte Brötchen genommen und gut war es. Er aß den Leberauflauf, den wir im Sale-Markt in Puumala gekauft hatten. Ich habe kurz gekostet, aber der war nix für mich.

Nach der obligatorischen Sauna bin ich ins Bett und konnte endlich mal schlafen. Die vorherigen Unterkünfte waren toll, aber sehr aufgeheizt. Ich konnte dort kaum schlafen.

Und wie war das dann mit dem Abwasch? Ach stimmt, den habe ich dieses Mal erledigt ;–).

 
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from Bahnhofsoma

Die Straße verläuft in Wellen, aber nicht in sanften.

Nachdem ich gestern so völlig erschöpft war, wurden wir heute morgen ca. 58 km unserer Strecke mit dem Auto gefahren inkl. Räder und Gepäck. Was für eine Wohltat, keine 96 km vor der Nase zu haben. Die übrigen 32 km genügten dann auch völlig mit ihren 360 Hm.

Es ging natürlich genauso weiter wie gestern bergauf und bergab. Heute musste ich nicht so oft absteigen und schieben. Das lag zum Einen daran, dass sich meine Beine mit der Sauna und dem Schwimmen gestern gut erholt hatten. Ich hatte keinerlei Muskelkater. Zum Anderen lernte ich langsam, die Berge (eigentlich Hügel) auf dem Rad zu bezwingen. Der Finne war froh, dass er nicht mehr so oft absteigen musste, meinte aber, perfekt wäre, wenn ich noch aus dem Sattel käme. Das traue ich mich aktuell noch nicht.

In Ristiina machten wir eine längere Mittagspause. Gegenüber der Konditorei, in der wir rasteten, war ein K Market. Ich hab noch gelästert, ob wir schon von hier das Sauna-Bier und die obligatorische Abendsuppe mitnehmen wollten. Wir haben uns dann dagegen entschieden, was sich später als Fehler erwies.

Auf einem Tisch stehen 2 Teller mit belegten, dunklen Brötchen, sowie 2 Orangensaft und eine Dose und eine Cola Zero

Also nahmen wir die letzten 8 km in Angriff.

Zum gebuchten Campingplatz ging es wieder beängstigen bergauf und bergab.

Das hat mir ordentlich Schiß verabreicht für die Weiterreise morgen. Aber wir fahren dort gar nicht lang. Das beruhigt mich, weil ich die Anstiege in die andere Richtung noch nicht kenne und deshalb auch keinen Schiß davor haben kann.

Hier angekommen mußten wir feststellen, dass wir maximal Getränke kaufen konnten. Frühstück gibt es erst ab 09:00 Uhr und wir wollen morgen um 06:00 Uhr los, damit wir sicher die Fähre erreichen. Ich wollte doch so gerne Fähre fahren.

Somit bleibt für heute Abend nur das mitgebrachte Risotto und ein paar Salamisticks. Und unter Umständen wird das auch morgen unser Frühstück – allerdings dann ohne Salamisticks. Wir sind beide nicht geneigt, noch mal aufs Rad zu steigen zum Einkaufen. Aber immerhin konnte ich im See nahe des Campingplatzes schwimmen gehen. Dieses Mal habe ich mich nicht im See verirrt, sondern an Land.

Das mit der Sauna ist hier zu umständlich, meinte der Finne. Zeiten für Frauen, Zeiten für Männer, die auch irgendwie nicht passten.

Da wir noch nicht gegessen haben und es hier auch nur Pappteller gibt, muss ich Euch den Bericht vom Abwasch schuldig bleiben ;–).

 
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from Bahnhofsoma

Ein See mit einem Weg davor und ein paar Bäumen und Sträuchern

Gestern nach Ankunft hier in der Unterkunft ging gar nichts mehr, bis auf die unbedingt notwendigen Dinge. Blogeinträge schreiben habe ich wohl nicht dazu gezählt ;–).

Um den größten Teil der Anstiege hinter uns zu haben, wenn die Sonne anfängt, uns zu braten, sind wir um 5 Uhr aufgestanden und um kurz nach 6 losgefahren. Zu dem Zeitpunkt gingen wir noch von 84 Tageskilometern aus.

Unser Routing ließ uns jedoch schon bald eine Runde drehen, weil angegebene Radstrecken nicht befahrbar waren. Das war aber bis auf die dort lauernden Mücken kein Drama. Die befahrbaren Wege waren Schotter- und Kieswege, sowie Waldwege. Voran kommt man dort jedoch nicht so gut

Ich mußte irgendwie Energie auffüllen und brauchte eine längere Pause. Eine geeignete Gaststätte, in der man mückenfrei essen und trinken konnte, war aber erst nach ca. 50 km zu finden. Aber dann mit Klimaanlage im Elvis Grill. Wie abgefahren war das denn?

Elvis Grill. Endlich was zu essen und zu trinken. Die Preise liegen zwischen 3,90 und 7,00 EUR

Dann sind wir auf meinen Wunsch hin einen großen Umweg über Vääksy gefahren, weil dort ein gut ausgebauter Radweg neben der Straße war und wir zum Teil Blick auf den See hatten, was wunderschön war. Vääksy ist als Urlaubsort absolut zu empfehlen.

Weiter ging es auf Wegen, Schotterpisten und Straßen Richtung Kalamakki (Schreibweise prüfe ich noch). Hier konnten wir ein weiteres Mal Pause machen.

Als wir froh waren, die Schotterpisten hinter uns zu lassen, kam eine Straße, die mir die letzten Kräfze geraubt hat. Natürlich immer bergauf und bergab. Ich schob schnaufend die letzten 15 km das Rad mit Gepäck jeden am Ende noch so kleinen Hügel und der Finne tat es mir aus Solidarität gleich.

In der Straße unserer Unterkunft angekommen gab es noch ein Mißverständnis. Der Finne fuhr weiter und ich schaute noch mal nach, wo unser Domizil lag. Ich stand genau davor und der Finne war weiter gefahren. Ich war nicht mehr in der Lage, auch nur einen Meter zu fahren.

Das Ehepaar, dem das Haus gehörte, in dem wir übernachten wollten, beschloß, dass der Ehemann den Finnen zurück holt. Meine Versuche, ihn telefonisch zu erreichen scheiterten wohl an der Lautloseinstellung bei ihm.

Und dann waren wir in dieser umwerfenden Unterkunft. Der Finne warf als Erstes die Sauna an und ich wusch mein Zeug. In der Zwischenzeit hatte er auch gefragt nach einem Großraumtaxi. Der Mann bot uns an, uns so 40-50 km mit den Rädern zu fahren. Natürlich bezahlen wir das, aber damit hatte der Finne meiner größten Sorge für die Tour heute Rechnung getragen. Ich war soooo happy.

Wir nahmen dann noch ein paar Saunagänge und ich konnte schwimmen gehen, was ganz herrlich für meinen überhitzten Körper war.

Der Badesteg unserer Unterkunft mit 2 Booten, die dort lagen.

Ich schätze, ich hab noch nicht erwähnt, dass es gestern über 30° heiß war. Am Ende hatten wir 104 km auf der Uhr und 700 hm. Ich hatte mir das Hirn zermartert, warum mich die 700 hm so geschafft haben. Die Lösung waren die Anstiege. Wir standen nicht selten vor einer Wand – schätzungsweise über 10%. Und das hat mir die Kräfte abgesaugt. Zu hause fahre ich ja eher sie sanften Wetterau-Wellen. [Update: es waren letztlich 1.200 hm. Insofern kein Wunder ...]

Um den Artikel noch ordentlich abzuschließen: gestern hat der Finne den Abwasch gemacht ;–).

 
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from LindKernig

Das Leben im Lied macht mich faul. Es lähmt mich (ha, lähmen, da sagt aber einer was). Ich weiß nicht, ob man sich das als normales Lebewesen, gesegnet mit einem Körper, vorstellen kann: ein Leben in einem Lied. Es ist eine Art imaginäre Dauerbeschallung ohne Beschallung. Und ohne Dauer. Es handelt sich im Grunde um erinnerte Takte, Rhythmen und Melodien, die den Datenspeicher belegen. Da ist nichts Taktiles. Nichts, was man spüren könnte und dennoch spürt man etwas, wenn man sich in ein Lied oder die Erinnerung an ein Lied begibt. Ich habe mich der Musik des frühen digitalen Zeitalters verschrieben, eine Ära von etwa hundert Jahren, in der sich die Musik dramatisch entwickelte. Von rein akustischen Instrumenten und Gesang über elektronische Instrumente bis hin zu digitalen Tonerzeugungstechniken. Ein Kapitel meiner Doktorarbeit, die ich über das frühe digitale Zeitalter schrieb, beschäftigt sich mit der Musik dieser Zeit und mit den Tonerzeugungstechniken im Wandel der Jahrzehnte. Mag sein, dass dieses mein Steckenpferd, das ich sowohl zum Forschungsprojekt, als auch zum Beruf gemacht hatte, mir das Leben in der Existenz versüßt. Es ist bei weitem nicht jedem gegeben, sich in Liedern zu verkriechen. Insbesondere die Urbevölkerung der Mondstation, die, die hier geboren wurden, hatten mit Musik nie etwas zu tun. Wer sich nie mit etwas beschäftigt hatte, hat auch keine Erinnerung, die in Tabellen der Existenz gespeichert werden konnten. Meine Erinnerungen an die Musik und das Leben auf der Erde, sind mir ein rares, sehr kostbares Gut. Ich kann mich stundenlang in einem einzigen Lied verkriechen. Endlosschleife nannten das die Musikbegeisterten der frühen digitalen Zeit. Etwas verrücktes, nerdiges, zweifellos. Fast ist es wie eine Droge zu sich zu nehmen. Einmal hatte ich, umgerechnet in Zeiteinheiten, viereinhalb Erdentage in “The Brain That wouldn't Dye” verbracht. Es konnte nie geklärt werden, ob das Lied der Soundtrack zu einem gleichnamigen Horrorfilm aus dem späten zwanzigsten Jahrhundert ist, oder ob es eine Hommage an diesen Film ist, oder ob es sich um ein zufälliges Stand Alone Werk handelt, das in einer Art Morphschen Feld um die Erde ging und hie und da in den verschiedensten Körpern und Geistern und in den verschiedensten Genres, Film, Musik und Kunst auftauchte. Ich vermute, es handelt sich um ein Meme. Memes sind meist lustige Wandler in den Strukturen des frühen digitalen Informationsnetzes. Gemeinsames Gedankengut, durch die Jahrhunderte wabernd. Im Film, der ebenso wie das gleichnamige Lied der Kapelle Tall Dwarfs in der Monddatenbank gespeichert ist, fehlt der originale Ton. Man sieht nur Bilder. Die Geschichte handelt von der sterbenden Gattin eines Wissenschaftler. Ein besessener Kerl, der ihr den Kopf abschneidet und ihn in einer primitiven Nährlösung am Leben erhält. Er versucht, einen passenden Körper zu finden, um die Gattin wieder voll funktionsfähig zu machen. Wohl faszinieren Karla und ich uns deshalb so sehr für diesen vierhundert Jahre alten Schinken, weil er auf infantile Weise zeigt, was uns selbst möglich wäre, wenn es uns nur irgendwie gelänge an einen Körper heranzukommen. Wir sind die Gehirne die nicht sterben können der Moderne. Was uns fehlt: Körper oder wenigstens Genmaterial und irgend etwas, mit dem man Hebel bewegen könnte auf der Mondstation. Karla hatte schon einige Versuche unternommen, auch nur irgendeines Gegenstands habhaft zu werden, mit dem man sich verbinden könnte und somit in Echt auf der Mondstation umher zu wandeln, sozusagen als Architekt eines neuen Selbsts in eigener Sache unterwegs. Ein Roboter wäre ideal. Der Jackpot wäre, einen echten Körper zu finden, meinetwegen der eines Tiers, am besten der eines Tiers mit Daumen und Fingern, damit man ordentlich zupacken kann. Die Wuffzies im Museum für Spielzeuge, hier auf dem Mond sind die einzigen Gegenstände, die man gebrauchen könnte. Mit viel Glück. Das stellten Karla und ich fest, als wir kürzlich auf einem Ausflug ins Museum vor den drolligen hundeähnlichen Androiden standen. Ahahaha, verzeihen Sie das Lachen, ich rede von vor irgendetwas “stehen” oder von “Lähmung”, dabei ist das doch nur Simulation in unseren Köpfen. Wenn wir sagen, wir gehen morgen ins Kino und schauen uns einen Film an, dann bedeutet das nichts anderes als: Wir stellen uns vor, ins Kino zu gehen und wir erinnern uns an einen Film, den wir schon einmal geschaut haben. Wir erinnern uns daran, an der Kasse vorm Kino schlange gestanden zu haben, mit anderen, schlange Stehenden geplaudert zu haben, die Tickets bezahlt zu haben und unsere Plätze im Halbdunkel das Kinosaals gesucht zu haben. Es gibt ein Retrokino auf dem Mond, in dem man mit “echtem” Geld bezahlen konnte und “echte” Tickets erhielt. Es gibt auch Museen auf dem Mond. Kunst, Technik, sogar ein Spielzeugmuseum. Im Spielzeugmuseum stehen Wuffzies, behauptete Karla. Ich weiß das. Ich erinnere mich daran, dass sie vergesssen wurden. Man hat sie nicht vernichtet. Wir könnten sie beseelen, lachte sie verschmitzt und drückte meine Hand. Immerhin gelingt es uns, körperliche Nähe zu erfahren, indem wir beide uns an körperliche Nähe erinnern. Mir bedeutet das sehr viel. Ich weiß nicht, was Karla empfindet, wenn wir unsere Hände halten. Das Problem mit den Wuffzies ist, dass es sich um die simpelsten Spielzeugandroiden handelt, die man sich nur vorstellen kann. Vierbeinige Wesen, die drei feststehende Beine haben und eines, um es zu heben. Die Dinger können also rein mechanisch nur Pissen. Ahahaha. Was gäben wir darum, wenn wir pissen könnten oder auf drei Beinen stehen oder erstarren. Selbst vor Angst gelähmt sein wäre meinetwegen ein Fortschritt. Als ob man als eine Ansammlung miteinander verknüpfter Datenbanktabellen von Lähmung sprechen könnte. Unser Land ist begrenzt auf alles, was sich an Vergangenem in Einsen und Nullen übersetzen ließ und übersetzt wurde. Es ist in einer komplexen Verknüpfung gefangen, aus der es, der Körperlosigkeit sei Dank, kein Entrinnen mehr gibt. Wir sind isoliert. Es wird nichts Neues, kein “Frischfleisch” hinzukommen. Für alle Ewigkeit bleiben die paar zigtausend Seelen, die gegen Ende der Zeit auf der Mondbasis lebten unter sich alleine. Nie wieder Abwechslung. Nie wieder Innovation. Nie wieder eine, wenn auch noch so kleine, bedeutungslose neue Geschichte. Wer lange genug in der Existenz lebt, wird sich letztlich zu Tode langweilen müssen. Doch der Tod bleibt aus, weil wir ja schon tot sind und nur das Wissen um uns selbst als eine Art diamantenes Monument von unbestimmter Größe geblieben ist. Selbst diese existenzgeborene Geschichte, die ich gerade schreibe, die Sie gerade lesen, ist nichts Neues. Jeder könnte sie aufschreiben, selbst in den letzten Winkeln und den hintersten Datenbanktabellen finden sich Spuren dieser Geschichte. Warum ich es trotzdem tue? Es macht mich ruhig, gibt mir das Gefühl, etwas zu tun. Aber tun sie einmal etwas für immer auf alle Zeit und ohne jegliche Aussicht auf ein Ende.

Die Menschen des frühen digitalen Zeitalters hatten das was ich tue, indem ich diese Geschichte aufschreibe, mit einer einfachen Phrase erklärt, “Der Weg ist das Ziel”. Unterwegs sein für immer, nichts forcieren, nichts erzwingen, sondern den Moment erleben und nicht an vergangenes Leid denken und an fernes Glück. So war die damalige Stoßrichtung offenbar diese, dass man aus dem Leid kommt und ins Glück geht, wenn man eine positive Lebenseinstellung hat, wenn die Lebenseinstellung negativ ist, śind die Pole umgekehrt. Glück ist Leid und Leid ist Glück und dazwischen liegt der Weg und Werte wie Bestreben, nach was auch immer. Bestrebungen bestimmen das Vorankommen. Der Weg als Ziel galt wohl als Heilmittel. Das wusste man schon vor vierhundert Jahren. Im Grunde sind Glück und Leid nur zwei Seiten einer Münze. Mein velozipeder Drache kommt mir in den Sinn, jene uralte Münze, die ich zu Beginn dieser Geschichte werfen wollte, um zu entscheiden, ob ich Ihnen zuerst von meinem Tod oder von meiner Geburt berichte (ha, weder das Eine, noch das Andere tat ich). Ursprünglich hatte ich die Idee, in dieser Geschichte chonologisch vorwärts oder rückwärts vorzugehen, wollte alle Elemente der Geschichte in einer Tabelle arrangieren, IDs verknüpfen, Rückkopplungen und Schleifen schaffen et voilà, fertig die gute alte Story im klassischen frühdigtalen Stil. Sie hätte alles gehabt, was gutes Erzählen damals ausmachte. Einen Teaser, einen Hauptteil, eine Konklusion und ein Ende.

Krchtzzz. Dass Geschichte umgeschrieben werden kann, dass Geschichte umgeschrieben wird, dass Geschichte umgeschrieben wurde, dass Geschichte, noch während wir sie in der Schule “lernten” schon längst umgeschrieben war, dass das Finden von Wahrheit ein solch abscheulich schmutziger Gang durch etwas eigentlich ganz reines, unumstößliches wie pure Information werden wird. Unbegreiflich eigentlich. Man denkt, eine Eins sei eine Eins und eine Null sei eine Null, ja sei ja und nein sei nein, man denkt etwas sei entweder ein- oder ausgeschaltet. Entweder es fließt Strom oder es fließt keiner. Es gibt nur diese zwei Zustände und sie sind unverrüttbar. Dachte auch ich.

Bis der velozipede Drache bei einer Entscheidung zweiten Grades nicht auf die eine, noch die andere Seite fiel.

 
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from Sofasophia schreibt

Kapitel neun

Sie muss eigentlich nur kurz in die Apotheke, um ihre Handschiene abzuholen, die ihr dabei helfen soll, die Schmerzen in der Hand zu reduzieren. Und in die Bäckerei. Dieses Draußen-mit-Menschen-Sein schnell hinter sich zu bringen ist ihr Plan. Außerdem ist der Morgen eigentlich nicht so ihre Tageszeit.

Die Bäckereiverkäuferin verabschiedet sich gerade von einem alten Herrn. Es sei ihr letzter Arbeitstag heute, sagt die Frau hinter dem Tresen. Sie gehe nun in Pension!, erzählt sie ihm. Er reicht ihr die Hand, bedankt sich für alles und wünscht ihr alles Gute.

Während sie wartet, überlegt sie, ob es angemessen ist, wenn sie der Verkäuferin ebenfalls alles Gute wünscht und als sie das Brot und die Croissants bezahlt, tut sie es. Ich hoffe, das ist in Ordnung, wenn auch ich, die ich Sie kaum kenne, alles Gute für Ihre Pension wünsche, sagt sie und die Frau hinterm Tresen strahlt über das ganze Gesicht.

In der Apotheke wird sie von einer sympathischen jungen Frau bedient, die sie zur Anpassung der Orthese ins Sprechzimmer bittet. Beide sind ein bisschen überfordert von diesem Ding da im Karton und nur weil sie ein bisschen mehr Lebenserfahrung hat, weiß sie, wie das Ding wohl richtig angezogen wird. Sie gibt es aber erst zu, nachdem die Pharmaassistentin es ihr zuerst verkehrt herum anziehen will. Die Frauen lachen und am Schluss sagt sie: Jetzt haben wir beide etwas gelernt. Wieder lachen beide. Das tut gut.

Auf dem Heimweg fährt sie mit dem Fahrrad an einem Gemüsestand vorbei. Den hat sie hier noch nie gesehen. Kein Wunder, sie ist ja auch nie am Samstagmorgen im Dorf. Oh, und dann erst noch Biogemüse! Sie hat zwar schon für diese Woche eingekauft, aber weil sie auf einmal so gute Laune hat, kauft sie doch ein paar Sachen und erkundigt sich nach den Öffnungszeiten. Gute Sache!, denkt sie, da kauf ich jetzt öfters ein. Das Gemüseangebot ist breit und die Preise sind in Ordnung.

Langsam, denkt sie auf dem Rückweg, langsam werde ich wieder ein soziales Wesen. Nach den Rückzugjahren vielleicht kein schlechter Anfang.

 
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from lebenszeitverschwendung

Derzeit beschäftige ich mich viel mit mir selbst. Vielleicht etwas zu viel, das ist ganz schön einnehmend, anstrengend und bringt mich bei der Lösung der tatsächlichen, real-weltlichen Probleme in meinem Alltag kein Stück weiter, aber es fühlt sich richtig an. Richtig und notwendig. Ich tue das ganz gezielt und auf eine recht strukturierte Weise: Ich tippe meine alten Tagebücher ab. Damit habe ich vor ein paar Wochen angefangen und jetzt ist es gerade meine hauptsächliche Beschäftigung. Natürlich schaffe ich nicht so viel, wie ich mir vornehme, es ist eine mühselige und emotional anstrengende Tätigkeit. Und es ist viel zu tun. Über die letzten fünfzehn Jahre hinweg habe ich achteinhalb Bücher gefüllt. Zweieinhalb davon habe ich jetzt schon abgetippt und wenn ich aus der Zeit, die ich dafür gebraucht habe extrapoliere wie schnell ich tippen kann, wird das noch weitere hundert bis zweihundert Stunden meines Lebens in Anspruch nehmen. Vielleicht nur noch einhundertfünfzig. Zweihundert Stunden war glaube ich eine gute Schätzung und ich habe schon etwas mehr als ein Viertel geschafft. Eher ein Drittel. Das abtippen ist nur der erste Schritt. Der Wunsch diese Bücher abzutippen schlummert schon eine ganze Weile in mir – schon ein paar Jahre lang. Meine Tagebücher lagere ich in einem Schuhkarton in einer Tüte greifbar in der Nähe der Eingangstür. Dieser Karton ist die „wenn es brennt bitte retten“ Kiste, die ich vor ein paar Jahren mal gepackt habe. Außer meinen Tagebüchern ist in diesem Karton noch eine kleine Kiste mit alten Eintrittskarten, die einen hohen nostalgischen Wert haben und eine Festplatte mit verschlüsselten Backups von all meinen Daten, Musik und Fotos und dergleichen. Aber die Tagebücher sind das was für mich die meiste Bedeutung hat. Beim Lesen kommen die Erinnerungen wieder. Wenn ich meine eigenen Erinnerungen lese, ist das ein stärkerer Eindruck, als wenn ich mir zum Beispiel alte Fotos angucke. Da frage ich mich manchmal, wer all diese Leute sind, die ich da sehe. War ich das? Sah ich echt mal so albern aus? Keine Ahnung, möglich. Ich denke in Worten, nicht in Bildern. Meine Gedanken sind ein einziger Fluss aus Worten, ein stetiger Strom, ein einziger immer währender Monolog, der mein Selbst ausmacht. Wenn ich diese Gedanken aufschreibe, kann ich sie festhalten und beim späteren Lesen kommen die Erinnerungen wieder. Die Idee diese Tagebücher abzutippen entstand aus dem Gedanken heraus, die physischen Bücher selbst besser schützen zu wollen. Sie sind das kostbarste, was ich besitze, aber es sind nun mal doch nur Objekte aus Papier, die leicht entflammbar sind und den Gewalten der Natur nur wenig entgegen zu setzen haben. Ein Brand, eine Überschwemmung oder ein böswilliger Mensch könnten sie leicht zerstören und so für immer vernichten. Dann wären all diese Erinnerungen weg. Für immer verloren. Und ohne diese Erinnerungen, was wäre mein Leben dann Wert gewesen? Der Gedanke all das zu verlieren gibt mir das Gefühl, das alles umsonst gewesen wäre, was mir je passiert ist. Die Erinnerungen machen das ganze zu einer lehrreichen Geschichte, meine Fehler bekommen so einen potentiellen pädagogischen Wert, durch den sie leichter zu ertragen sind. Wenn ich meine Tagebücher abtippe und so in Dateien – die ja eigentlich nur Zahlen sind – verwandle, ist es leichter sie zu beschützen. Sowohl vor dem Zugriff anderer, denen ich sie eigentlich nicht zeigen möchte, als auch vor der Zerstörung. Dateien kann man verschlüsseln und kopieren. Physische Bücher nicht. Natürlich hätte ich sie auch einfach alle abfotografieren können, aber das erscheint mir irgendwie falsch. Nein, das Abtippen ist genau das, was ich gerade brauche. Ich rekapituliere mein Leben. Und ich bin an einem Punkt, an dem das nötig erscheint. Es fühlt sich richtig an das jetzt zu tun. Es gibt mir gerade einen Sinn, einen Grund aufzustehen und es macht mir ein bisschen Hoffnung, das ich in diesem Reflexionsprozess, der gerade ein Vollzeitjob für mich ist (was eine absurd privilegierte Aussage) lernen könnte besser mit mir selbst umzugehen. Mich selbst besser zu verstehen, zu akzeptieren und mir so die Möglichkeit zu erarbeiten in Zukunft tatsächlich aktiv zu entscheiden wer ich sein will, statt nur zu reagieren und mich den Umständen zu unterwerfen; weiter das Produkt meiner Umwelteinflüsse zu sein. Schon jetzt hat dieser Prozess in mir mehr angestoßen als alle therapeutischen Gespräche, die ich bisher geführt habe. Ich wünschte ich hätte noch mehr aufgeschrieben. Schlimmer als all die dummen Entscheidungen, die ich in diesen Büchern festgehalten habe, sind die Lücken dazwischen, all die Geschichten, die für immer verloren sind, weil ich sie nicht aufgeschrieben habe. Das dazwischen. Beim Lesen bzw. abtippen kommen auch immer wieder Erinnerungen hoch, Details und Randgeschichten, die ich noch nicht festgehalten habe. Daher ist das Abtippen alleine nicht ausreichend. Ich bin noch nicht ganz sicher, wie ich danach weiter mache, aber das Abtippen erscheint mir gerade nur der Anfang dieses Prozesses zu sein. Der erste Schritt. Danach wäre es folgerichtig weiter zu machen, indem ich das ganze kommentiere und ergänze. Alles nachtragen, was in meiner Erinnerung noch da ist, ich aber nicht aufgeschrieben habe. Und danach? Vielleicht einfach kürzen, alles raus streichen was irrelevant ist und daraus eine Geschichte machen, die ich anderen Menschen zeigen möchte. Eben entscheiden, wer ich sein will. Dieser Prozess das eigene Selbst aktiv zu formen lässt sich kaum besser darstellen als durch diese Tätigkeit: Das eigenen Leben, die eigene Geschichte und damit das ganze Selbst in eine größere Geschichte zusammen zu fassen. Eine Geschichte die mir selbst aber auch anderen erzählt wer ich bin. Es ist wichtig so eine Geschichte zu haben, für mich zumindest. Ich denke, auf einer sehr grundlegenden Ebene haben alle Menschen so eine Geschichte, bzw. mehrere Versionen davon. Eine, die sie sich selbst erzählen und eine für die anderen. Wahrscheinlich sogar mehrere Versionen von beiden. Je nach dem mit wem wir uns umgeben erzählen wir unterschiedliche Geschichten von uns selbst, bei einer Bewerbung für unseren Traumjob erzählen wir eine ganz andere Geschichte als in einem Dating Profil und das ist noch mal eine ganz andere Geschichte als die, die wir später dem Scheidungsanwalt erzählen. All diese unterschiedlichen Geschichten machen es schwierig die Übersicht zu behalten. Es ist zu leicht und in diesen Versionen und Teilstücken zu verlieren, die anderen Geschichten zu vergessen und in einer Rolle aufzugehen, die wir für uns selbst schreiben um damit bei anderen etwas zu erreichen. Davor habe ich Angst, denn es ist etwas, das ich bei vielen andern Menschen in meinem Umfeld beobachtet habe und die Momente, in denen die eigenen Geschichte nicht mehr aufgeht, in denen Inkonsistenzen auftreten, deutlich wird wo man eine Rolle gespielt hat und wo wichtige andere Teile der ganzen Geschichte fehlen, die sind immer unangenehm und Schmerzhaft. Sie erzeugen Selbstekel und oft schaffen die Leute es nicht mehr raus aus dieser Diskrepanz zwischen Selbstbild und Selbstwahrnehmung; überkompensieren, werden wütend oder traurig und tun allgemein Dinge, die ich abschreckend finde und daher vermeiden will. Ich will so nicht sein. Ich will die Übersicht über meine eigene Geschichte behalten und den Selektionsprozess dessen, welchen Teil dieser Geschichte ich wem präsentiere, aktiv kontrollieren. Dafür ist es aber notwendig einen Ort zu haben, an dem die ganze Geschichte zugänglich ist – wenn auch eben nur für mich selbst. Ein Ort, an dem ich wirklich ehrlich zu mir selbst sein kann und mich hinterfragen. Ich bin sehr dankbar dafür, das ich diesen Ort habe, das ich all diese Bücher gefüllt habe und zumindest große Teile meiner eigenen Geschichte festgehalten habe. Das erlaubt es mir jetzt mich aktiv damit auseinander zu setzen. Mich selbst wieder aufzubauen, nachdem ich irgendwie zerbrochen bin. Ich habe ein Backup von mir selbst gemacht, das ich jetzt wieder herstellen kann, auch wenn das sehr mühselig ist. No Backups, no pity. Und wohin wird dieser Prozess mich führen? Ich weiß es nicht, auch wenn ich jetzt schon einiges an Zeit in dieses Projekt gesteckt habe, so stehe ich doch noch recht am Anfang. Ein Ende ist noch nicht in Sicht, ich weiß lediglich, das ich nicht aufgeben will. Ich werde genau so weiter machen, das durchziehen und dann schauen, was es mir gebracht haben wird. Vielleicht gar nichts, vielleicht verändert es mich komplett. Das es gar nichts verändern wird halte ich jetzt schon für ausgeschlossen. Und falls ich hinterher ein komplett anderer Mensch bin als jetzt, ist das auch okay – zumindest wenn dieser neue Mensch dann jemand ist, der mit sich selbst mehr im Reinen ist als ich das bisher war. Ein etwas glücklicherer Mensch vielleicht.

 
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from HDValentin

Jetzt hat es mich auch erwischt. Vermutlich erwischt es jede:n von uns irgendwann einmal. Ich schreibe in diesem Beitrag über meinen Verlauf.

Neun Corona Schnelltests nebeneinander. Es sind zwei Striche zu erkennen

Vorbereitung

Ich bin dreimal geimpft. Jeweils mit einem anderen Impfstoff. Da ich auf die erste Impfung sehr heftig reagiert hatte, gehe ich davon aus, dass ich bei einer Infektion ohne vorherige Impfung, mit großer Wahrscheinlichkeit einen schweren Verlauf gehabt hätte.

Die Impfung tat also, was sie versprach: Meinen Körper auf eine Infektion vorbereiten und mich vor einem schweren Verlauf oder sogar dem Tod schützen.

Ansteckung

Für die #Corona Infektion kommen zwei Tage für mich infrage. Donnerstag, der 16. Juni, wahrend einer Tagesreise mit der Bahn. Oder beim Besuch einer Kerve am 18. Juni.

Wenn die Ansteckungszeit noch immer etwa sechs Tage sind, spricht dies für den ersten Termin. Auch wenn mir schniefende Menschen in der Bahn nahe kamen, trugen alle Parteien die wichtigen Masken.

Auf der Kerve am Samstag waren sehr viele Menschen. Ich bin etwa sechsmal die Straßenkerve auf- und abgegangen, im Freien ohne Maske. In Innenräumen trug ich eine FFP2-Maske, als einer der wenigen. Die Freundin war bei zwei Durchläufen dabei und ist nicht erkrankt. Hier wäre die Ansteckungszeit vier Tage gewesen. Das ist realistischer für die Ansteckung.

Ich denke, es ist abends passiert. Hier kam ich fast nicht durch die Menschenmenge. Es war sehr feuchtfröhlich, mit lautem Gebrüll und keiner Rücksichtnahme von einem Sicherheitsabstand irgendeiner Art.

Ich bin selbst schuld, dass es mich jetzt nach zweieinhalb Jahren Vorsicht erwischt.

Medikation

ich hab die Erkrankung behandelt, wie ich eine Grippe behandeln würde. Anfangs nahm ich 600er-Ibuprofen gegen die Schmerzen und das Fieber. Später habe ich 400er genommen. Nach fünf Tagen habe ich dieses abgesetzt.

Weiterhin habe ich die folgenden Medikamente zur Linderung der Erkältungserscheinungen genommen: Sinopret forte, Gelomyrthol, Transpulmin, Dolo Dobendan (Halsschmerzen), Chlorhexamed forte (Halsschmerzen und Entzündungen im Mundraum), Silomat (Husten), Cornergel und eine Augensalbe gegen die Augenentzündung.

Der erste Tag

Ich wache am Dienstag, den 21. Juni, auf und fühle mich gerädert. Über den Tag fühle ich mich müde und kraftlos. Der Hals-Rachenbereich ist irgendwie komisch. Fühlt sich seltsam belegt an.

Der zweite Tag

Ich wache ähnlich kaputt, wie am Vortag auf und beschließe nicht arbeiten zu gehen. Der Schnelltest ist negativ. Ich melde mich krank und nach dem Duschen und in den Körper hinein fühlen, beschließe ich die Hausärztin aufzusuchen. Sie macht einen Abstrich für einen PCR-Test und schreibt mich für diese Woche krank.

Heute habe ich diffuse Kopf- und Nackenschmerzen. Die Nase ist etwas belegt. Ich kann durchatmen. Allerdings ist sie nicht frei. Der Hals schmerzt inzwischen und über den Tagesverlauf kommt ein Husten hinzu. Huste ich, fühlt es sich an, als kratze jemand mit Kreide auf meiner Lunge.

Ich fühle mich sehr kaputt, kann vor Glieder- und Kopf-Schmerzen kaum schlafen. Ich bin früh im Bett und schlafe insgesamt 11 Stunden.

Der dritte Tag

Der PCR-Test lässt auf sich warten. Ein Schnelltest ist positiv.

Im Großen und Ganzen geht es mir wie an Tag zwei. Fieber, Schnupfen und Schweißausbrüche kamen hinzu. Ich bin nicht mehr ganz so fertig im Verlauf des Tages. Außerdem scheint sich der Husten zu lösen. Das Kreidekratzen auf den Bronchien ist weitgehend weg.

Das Ergebnis des PCR-Tests ist immer noch nicht da.

Der vierte Tag

Ich bin früh aufgewacht (gegen sechs Uhr) und fühle mich heute etwas besser. Das Fieber ist heruntergegangen und die Schmerzen sind besser. Sonst alles identisch zu Tag drei.

Habe die Kollegen bei der Arbeit informiert, über die Coronaerkrankung und dass ich nächste Woche noch krank sein werde.

Das Ergebnis des PCR-Tests ist immer noch nicht da. Ich habe einmal meine Hausärztin unter anderem wegen des Tests angeschrieben. Mal sehen, ob sich da etwas tut. Der Schnelltest ist auch heute positiv.

Die Hausärztin rief zurück. Der PCR-Test sei positiv. In der Corona-Warn-App steht der Test immer noch als nicht ausgewertet da. Funktioniert super, das System.

Der fünfte Tag

Ich fühle mich noch besser und stärker als gestern. Der Husten ist besser geworden. Der Halsschmerz fast weg. Die Nase ist verstopft. Die Augen sind leicht entzündet. Fieber und Schweißausbrüche sind weg. Schmerzmittel nehme ich auch keine mehr. Manchmal ist mir beim Aufstehen kurz schwummrig.

Ich habe an die Kontaktadresse des Labors geschrieben, da ich noch immer kein Testergebnis einsehen konnte. Ursache war mein Adblocker, der das Content Delivery Netzwerk von Cloudflare blockiert hatte. Dieses blockiere ich, aus Gründen, wie Google, Amazon, Facebook und weitere Server.

In der Corona-Warn-App warte ich auch auf die Anzeige des Ergebnisses. Allerdings habe ich wahrscheinlich keine Lust, deswegen noch einmal zu schreiben. Mein positives Zertifikat habe ich inzwischen.

Einen Schnelltest habe ich mir heute gespart. Ich sehe mir das morgen früh an.

Der sechste Tag

Heute habe ich mich etwas schlechter gefühlt. Die Erkältungserscheinungen sind besser geworden. Ich habe allerdings das Gefühl, schlechter Luft zu bekommen. Das hat sich bis zum Abend gegeben.

Mittags bin ich einmal um den Block gegangen. Etwa 1500 Schritte. Das strengte mich an, ging jedoch problemlos. Im Hausflur und in der Nähe von Menschen mit Maske.

Der Schnelltest war positiv.

Der siebte Tag

Auch heute fühle ich mich schlechter, als an Tag fünf. Ich kann durch die Nase atmen, jedoch ist sie nicht frei. Das Sputum aus dem Rachen nach Husten oder Räuspern ist gelblich. Die Bronchien fühlen sich belegt und beengt an. Ich fühle mich müde und kraftlos. Ich habe oft das Bedürfnis, mich hinzulegen und nichts zu tun.

Der Schnelltest ist positiv.

Der achte Tag

Es geht mir wieder besser heute. Die Atemwege scheinen zu heilen. Ich kann frei atmen. Die Lunge und der Hals fühlen sich noch belegt an. Schmerzen gibt es keine mehr. Allerdings habe ich Hitzewallungen. Ich bin weiter vorsichtig. Die Augen sind morgens verklebt.

Ich gehe heute 3.300 Schritte. Es ist anstrengend und ich schwitze beim Ausgang ziemlich. Gegen Abend fühle ich mich ausgelaugt und kaputt. Die Nase ist wieder halb zu.

Der Schnelltest ist positiv. Der zweite Strich ist noch ganz leicht zu sehen.

Der neunte Tag

Ich schlafe lange und komme nur schwer in die Gänge. Ich fühle mich tagsüber schnell ausgelaugt und müde. Viele Stunden verbringe ich auf der Couch an diesem Tag. Raus gehe ich nicht. Schwere Müdigkeit und Erschöpfung prägen den Tag nach kurzer Aktivität.

Die Nase ist fast zu. Der Hals ist rau und schmerzt leicht. Die Augen sind morgens verklebt. Die Bronchien sind unverändert. Morgens beim Räuspern und Husten zäher Schleim.

Der Schnelltest ist positiv. Der zweite Strich ist eindeutig zu sehen.

Der zehnte Tag

Ich schlafe lange und komme gut in die Gänge. Heute ist ein guter Tag. Ich fühle mich tagsüber nur selten ausgelaugt und müde.

Ich gehe heute 5500 Schritte. Es strengt mich an. Ich schwitze. Danach muss ich mich hinlegen.

Die Nase ist abends fast zu. Die Augen sind morgens verklebt. Die Bronchien sind unverändert. Morgens beim Räuspern und Husten zäher Schleim.

Der Schnelltest ist positiv. Der zweite Strich ist eindeutig zu sehen.

Tag 11

Erkältungserscheinungen gehen weiter zurück. Die Nase ist noch die Hauptbetroffene. Sie geht immer wieder zu. Wenn ich mich schwach und ermüdet fühle, spüre ich die Bronchien.

Heute Nacht wache ich mit einem brennenden Auge auf. Augenentzündung des rechten Auges. Es ist knallrot und brennt. Die Hausärztin tippt via Telefon auf eine Entzündung der Bindehaut. Darauf tippe ich auch.

Nachtrag Geruchssinn

Gestern ist mir beim Kochen aufgefallen, dass mein #Geruchssinn stark eingeschränkt ist. Ich habe mit Knoblauch gekocht. Normalerweise fällt mir danach unangenehm der Geruch der Finger auf. Dies ist aktuell nicht der Fall. Beim Kochen selbst habe ich nur ganz spärlich riechen können.

Der Schnelltest ist positiv. Der zweite Strich ist eindeutig zu sehen.

Tag 12

Ich wache häufig und früh gegen 5 Uhr auf. Toilette. Das Schlafen bis um 10 Uhr ist unruhig. Nach dem Aufstehen fühle ich mich unerholt. Der Hals kratzt noch, ist verschleimt und ich spüre die Bronchien. Der Husten ist selten geworden. Wenn ich huste, habe ich zähes, gelbes Sputum. Die Nasennebenhöhlen sind belegt. Die Kraftlosigkeit und Müdigkeit sind stärker als gestern.

Die Augenentzündung ist etwas besser. Schmerzen und Rötung sind weniger.

Ich gehe heute 2850 Schritte.

Der Schnelltest ist positiv. Der zweite Strich ist eindeutig zu sehen.

Drei Corona Schnelltests nebeneinander. Es sind zwei Striche zu erkennen

Tag 13

Ich schlafe gut, rund acht Stunden, ohne Unterbrechung. Beim Aufstehen habe ich keine Schmerzen. Hals, Nasennebenhöhlen und Bronchien sind belegt. Ich kann fast frei atmen und fühle mich nicht gesund. Das entzündete Auge ist dick und tränt etwas. Es scheint zu heilen. Im Verlauf des Tages tränt es wieder stärker.

Ich gehe heute 3500 Schritte.

Einen Coronaschnelltest mache ich heute nicht.

Tag 14

Es geht mir wie an Tag 13. Das Auge ist noch nicht gesund und ziept noch. Es tränt häufig.

Leichte Aktivitäten wie Einkaufen oder zum Arzt gehen strengen mich noch ziemlich an, sodass ich mich danach ausruhen und meist hinlegen möchte. Der Arztbesuch ist ein Beispiel. Ich mache heute 2800 Schritte und fahre drei Kilometer mit dem Fahrrad.

Heute ist der erste Tag, an dem ich beim Schnelltest keinen zweiten Strich mehr erkennen kann. Der Test ist negativ.

Covid-19 Schnelltest mit einem Strich

Tag 15

Nase und Hals sind noch nicht gesund. Die Nase ist nach dem Aufstehen halb zu und der Hals kratzt. Das Sputum ist durchsichtig. Die Augenentzündung ist besser als gestern.

Ich bin schnell ausgelaugt und benötige Ruhezeiten auf der Couch. Gestern bin ich nicht nach Draußen gegangen. Ich habe mich nicht fit gefühlt und kaum Antrieb gehabt.

Der Schnelltest ist negativ.

Tag 16

Nase und Hals sind noch nicht gesund. Die Nase ist nach dem Aufstehen halb zu und der Hals kratzt, fühlt sich rau und trocken an. Das Auge ziept und schoddert. Manchmal tränt es.

Mittags fühle ich mich krank und kraftlos. Die Bronchien sind irgendwie flau. Gegen Abend schaffe ich es mich aufzuraffen, duschen zu gehen und mich ein paar Schritte aus dem Haus zu bewegen. Es werden 3130 Schritte.

Heute habe ich keinen Schnelltest gemacht.

Tag 17

Nase und Hals fühlen sich heute besser und weniger verschleimt an. Die Bronchien sind belegt und fühlen sich krank an. Die Augen sind heute Morgen verklebt und schmerzen nicht.

Ich fahre einige Kilometer Fahrrad. Es strengt mich ziemlich an. Die Bronchien fühlen sich seltsam und nicht gesund an. Ich bin erschöpft. 2100 Schritte heute.

Der Schnelltest ist negativ.

Tag 18

Der Hals und die Nase sind belegt und leicht verschleimt. Der Kopf schmerzt beim Aufstehen. Die Bronchien sind ebenso leicht belegt und ich fühle mich unausgeschlafen. Beide Augen sind beim Aufstehen verklebt, schmerzen jedoch nicht. Es ist mühsam. Ich verliere schnell Kraft und ermüde. Über den Tag bin ich oft antriebslos.

Ich habe keine Schnelltests mehr.

Tag 19

Hals, Nase und Bronchien sind spürbar und leicht verschleimt. Beide Augen sind beim Aufstehen verklebt und schmerzen nicht.

Tag 20

Ich komme heute schwer in die Gänge. Ich weiß noch nicht, wie ich morgen wieder arbeiten gehen soll und ob ich mit dem Rad oder mit Bus und Bahn fahre.

Die Augen und die Atemwege sind besser als gestern.

Heute fahre ich 15 Kilometer, mit Unterbrechung, mit dem Rad. Danach bin ich platt und lege mich erst einmal eine Stunde hin. Ob ich morgen mit dem Rad zur Arbeit fahre, entscheide ich morgen früh. :–)

Geruchssinn

Ich habe den Eindruck, dass ich wieder mehr Dinge riechen kann. Es sind nur starke Gerüche, aber sie fallen mir wieder auf. Zum Beispiel, nach Urin riechende Menschen. Feine Gerüche fehlen noch.

Tag 21

Es geht mir relativ gut heute. Ich fühle mich zwar nicht 100 prozentig fit, aber ich stehe früh auf, fahre mit dem Rad und bin den ersten Tag arbeiten. Es ist kräftezehrend und machbar. Die Nasennebenhöhlen sind fast frei, der Hals ist noch belegt und die Stimme rau. Ich fahre 15 Kilometer mit dem Fahrrad.

Der Corona-Schnelltest ist negativ.

Tag 22

Auch heute geht es mir relativ gut. Der Arbeitstag war heute ähnlich lang wie gestern und ich bin heute nicht ganz so erschöpft davon. Ich fahre 10 Kilometer Fahrrad und gehe 3500 Schritte.

Tag 23

Ich bin fit und stehe früh auf. Die Augen sind verklebt. Nase und Bronchien sind weitgehend frei und der Hals kratzt noch ein wenig. Abends geht meine Nase zu, ich fühle mich erschöpft. Es gibt Entzündungen am Zahnfleisch. Ich fahre 16 Kilometer mit dem Rad.

Der Corona-Schnelltest ist negativ.

Tag 24

Ich bin fit und stehe früh auf. Die Nase ist frei. Hals und Bronchien leicht belegt. Kopf-Schmerzen morgens. Es gibt Entzündungen am Zahnfleisch. Ich fahre 11 Kilometer mit dem Rad.

Der Corona-Schnelltest ist negativ.

Tag 25

Ich bin fit und stehe früh auf. Es geht mir gut heute. Die Arbeit strengt mich an. Ich ermüde schnell. Es gibt Entzündungen am Zahnfleisch. Ich fahre 11 Kilometer mit dem Rad.

Tag 26

Heute komme ich nicht in die Gänge. Ich habe die Vermutung, dass es gestern insgesamt zu viel war und ich zu wenig auf mich geachtet habe. Daher ändere ich meine Pläne für heute und gehe den Tag ruhig mit Hausarbeit an. Die Augen sind beim Aufstehen verklebt. Es gibt Entzündungen am Zahnfleisch.

Tag 27

Ich bin fitter und aktiver als gestern. Die Augen sind beim Aufstehen verklebt. Das rechte Auge schmerzt am Morgen ein wenig. Es gibt Entzündungen am Zahnfleisch. Später am Tag geht die Nase zu. Ich niese einmal. Dann geht es wieder weg. Ich fahre 8 Kilometer Rad. Fühle mich insgesamt fit.

Tag 28

Ich habe mit sechs Stunden zu wenig geschlafen. Bin jedoch überraschend wach heute Morgen. Das rechte Auge ist noch nicht in Ordnung. Gegen Abend geht die Nase zu. Ich habe Entzündungen auf der Kopfhaut, am Zahnfleisch und in der Nase. Heute habe ich mich wieder überlastet. Belastende Menschen im Beruf, bei Freunden und in der Familie. Zusätzlich Stress durch einen aufgeblähten Handyakku. Mein Körper zeigt Anzeigen der Überlastung. Dazu noch Temperaturen um 34 °C. Migränegefahr.

Der Corona-Schnelltest ist negativ.

Tag 29

Ich habe auch heute zu wenig und unruhig geschlafen. Bin früh aufgewacht. Das rechte Auge ist beim Aufstehen verklebt. Es gibt Entzündungen auf der Kopfhaut und im Mundbereich. Ich fühle mich etwas kaputt. Die Hitze macht mir zu schaffen. Zum Glück bin ich heute im Homeoffice. So kann ich alles abdunkeln nach dem Lüften.

Tag 30

Ich habe ausreichend geschlafen. Allerdings wache ich gerädert auf und komme nicht in die Gänge. Die Nase ist belegt und beim Naseputzen habe ich grünlichen Auswurf. Die Kopfhaut und der Mundraum sind nach wie vor entzündet.

Der Corona-Schnelltest ist negativ.

Tag 31

Ich beende mit diesem Tag meine Aufzeichnung des Krankheitsverlaufs.

Zusammenfassend war die Erkrankung anstrengend und in der ersten Zeit stark belastend. Jetzt fühle ich mich weitgehend gesund. Ich nehme noch Orthomol vital m zur Stärkung und Kräftigung des Gesundheitszustandes ein. Ich erwäge es noch einen weiteren Monat einzunehmen.

Die Nase, die Augen, der Mundraum und die Bronchien sind noch nicht vollständig abgeheilt. Ich habe beim Treppensteigen noch leichte Atemnot und spüre oft das Bedürfnis, die Couch zu besuchen. Geschmacks- und Geruchssinn sind auch noch beeinträchtigt.

Ich lebe und ich gehe davon aus, dass sich die Symptome über das nächste halbe Jahr zurückbilden werden. Falls nicht, kann ich hier noch Ergänzungen machen.

 
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from Schwarmschwärmerei

Inhaltswarnung:

Wenn Du Probleme mit den Themen Tod oder Trauer hast, lies bitte nicht weiter.

Meine Eltern unterstützen mich mit meiner Imkerei. Eines meiner ersten Völker soll auch in ihrem Garten einziehen, der aufgrund seiner Blütenpracht ein wahres Insektenparadies ist. Letzte Woche Donnerstag, also vor genau einer Woche, saß ich auf einer Familienfeier in eben jenem Garten mit meinem Vater zusammen und habe mit ihm besprochen, wie ich die Bienenbeute rollstuhlgerecht gestalten kann, damit er sich zeitweise mit den Bienen beschäftigen kann. Er war Feuer und Flamme für diese Idee und freute sich auf seine Zeit mit den Bienen.

Diese Woche Montag ist er plötzlich verstorben. Das ändert alles und gleichzeitig nichts.

Für einen kurzen Moment hatte ich den Impuls, meinen Start in die Imkerei bis in das nächste Jahr aufzuschieben. Weil die Trauer da ist, einen großen Raum einnimmt, die Konzentration raubt. Und weil viel zu erledigen ist, zu regeln und zu organisieren.

Und dann reifte in mir die Überzeugung, jetzt erst recht zu beginnen und jetzt erst recht ein Bienenvolk im Garten meiner Eltern anzusiedeln. Es wäre ihm nicht recht gewesen, wenn ich jetzt meine Begeisterung für die Bienen dämpfe. Es wäre ihm schon gar nicht recht gewesen, wenn sein Tod solche Auswirkungen gehabt hätte.

Also wird ein Volk im Gedenken an meinen Vater im Garten meiner Eltern stehen. Sein Volk, seine Bienen. Ich werde mich nur darum kümmern.


Dieser Beitrag war mir wichtig, um Dir ein vollständiges Bild meines Wegs in die Imkerei zu vermitteln. Nicht immer läuft alles nach Plan und manchmal haut das Schicksal richtig zu. Jeder Mensch geht anders damit um. Für mich haben die Bienen gerade nochmal an Bedeutung gewonnen. Ich möchte keine Beileidsbekundungen. Das ist nicht das Ziel dieses Beitrags.

 
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